Menü öffnen

Erdwärme aus 400 Metern Tiefe

Seit 2013 deckt das STOCK resort im Zillertal einen Großteil seiner Energie durch neun Geothermische Erdsonden, die in einer Tiefe von 400 Metern installiert wurden. (Foto: © STOCK resort)
Seit 2013 deckt das STOCK resort im Zillertal einen Großteil seiner Energie durch neun Geothermische Erdsonden, die in einer Tiefe von 400 Metern installiert wurden. (Foto: © STOCK resort)

Seit 2013 deckt das STOCK resort im Zillertal einen Großteil seiner Energie durch neun Geothermische Erdsonden, die in einer Tiefe von 400 Metern installiert wurden. Ergänzt wird das nachhaltige Energiekonzept durch zwei Blockheizkraftwerke sowie die Nutzung von Abwärme in der eigenen Wäscherei.

16.01.2018 – Nach langer Zeit der Vorbereitung, Datensammlung und schließlich auch Erkundungsbohrungen wurde vor knapp fünf Jahren in Österreich ein eindrucksvolles Geothermie-Projekt fertiggestellt. In Finkenberg im Zillertal befindet sich das luxuriöse STOCK resort, das seit dem Frühjahr 2013 einen Großteil seiner benötigten Energie nachhaltig aus Erdwärme generiert. Dafür wurden in einer Tiefe von 400 Metern neun Erdwärmesonden installiert, die im Winter vor allem zum Heizen und im Sommer zum Kühlen eingesetzt werden. Grundsätzlich besitzt die Erzeugungsform der Geothermie den Vorteil, dass sie rund um die Uhr zur Verfügung steht und grundlastfähig ist – perfekt für einen Hotelbetrieb mit einem relativ konstanten Wärmebedarf.

„Seit Jahren sprach mich ein Hotelgast immer wieder auf das Thema Geothermie an“, erzählt der Hotelchef Josef Stock. Dieser Hotelgast war Professor Ingo Sass, ein Geowissenschaftler der Universität Darmstadt. „Aufgrund unserer besonders geeigneten Lage riet er uns immer wieder zum Bau einer Geothermie-Anlage“, so Stock. „Als wir dann vor einiger Zeit einen größeren Anbau planten, meinte er zu mir: Josef, entweder jetzt oder nie!“

Daraufhin hat sich Josef Stock gemeinsam mit Architekten und Fachplanern an einen Tisch gesetzt und alles einmal durchgerechnet. Das Ergebnis stand schnell fest: Die Nutzung einer Geothermie-Anlage war für das Luxushotel äußerst lukrativ. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus ökologischen. „Wenn mich jetzt Gäste auf das Thema ansprechen – was übrigens sehr häufig passiert – kann ich sagen, dass wir mit Erdwärme und Gas heizen. Das kommt dann natürlich immer sehr gut an.“

Erdwärme deckt 70 Prozent der Nutzerstunden

Mit der Fertigstellung des Projekts erreichte das STOCK resort einen Meilenstein. Es handelte sich um die erste Erdwärmebohrung, die in verkarstetem Marmorgestein durchgeführt wurde. Zudem war es generell das größte Projekt dieser Art in Österreich. Von den geschätzten 8.500 gesamten Nutzerstunden des Hotels können rund 6.600 im Jahr durch geothermische Wärme gedeckt werden, die von drei Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 450 Kilowatt (kW) erzeugt wird. Zusätzlich können zwei große Wärmepuffer auch Nachfragespitzen bedienen.

Hierbei funktioniert das Prinzip einer Wärmepumpe ähnlich wie das einer Fußbodenheizung, da die gesamte Anlage ein in sich geschlossener Kreislauf mit zwei Schläuchen ist. Durch die neun Bohrlöcher wird Wasser bis in eine Tiefe von 400 Metern gepumpt und dort vom Felsgestein erwärmt. Anschließend wird das Wasser wieder hinaufbefördert und durch die Wärmetauscher geleitet, die dem Waser schließlich die Temperaturdifferenz entziehen können. Dadurch werden im Winter vor allem die Schwimmbäder und Fußböden geheizt sowie im Sommer sämtliche Räumlichkeiten klimatisiert.

Wäscherei nutzt Dampf von Gasturbinen

Zusätzlich zu der Geothermie-Anlage sind im Keller außerdem zwei Gaskessel mit einer Leistung von jeweils 1.000 kW installiert. Diese erzeugen nicht nur Wärme, sondern gleichzeitig auch Dampf, der dann direkt zu der hauseigenen Wäscherei weitergeleitet wird. Früher betrug der Stromverbrauch dort zu Spitzenzeiten schon einmal bis zu 400 kW. Jetzt sind es noch maximal 70 kW, da meistens nur noch die Motoren der Maschinen angetrieben werden müssen. Die Prozesse des Aufheizens und der Dampferzeugung werden zum großen Teil durch die Gasturbinen abgedeckt.

Das Prinzip der Wärmerückgewinnung wird dann auch gleich zum Aufheizen des großzügigen Außenpools genutzt. Der aus den Waschmaschinen austretende Dampf besitzt immerhin noch eine Temperatur von rund 50 Grad Celsius. Das reicht aus, um das Sportschwimmbecken auch im Winter ausreichend stark zu erwärmen. „In den Kreislauf gelangt auch der Dampf aus unserer neuen Großküche, der dann ebenfalls mittels Wärmerückgewinnung erneut verwendet wird“, berichtet der Haustechniker Friedl Kainzner.

BHKWs erzeugen Strom und Wärme

Zusätzlich verfügt das STOCK resort auch noch über zwei Blockheizkraftwerke, die jeweils mit einer Leistung von 64 kW Strom erzeugen. Im Zweifel sollen sie eigentlich für die Notstromversorgung zur Verfügung stehen, ergänzen die Stromversorgung aber vor allem im Winter praktisch permanent. Denn sie erzeugen mit einer Leistung von etwa 260 kW zusätzlich auch noch Wärme, die während der kalten Monate gut genutzt werden kann. Ansonsten fließt 100 Prozent Tiroler Wasserkraft durch die Stromleitungen des Hotels.

Langfristig liebäugelt Josef Stock auch schon mit dem nächsten Projekt. „Wenn die Entwicklung auf dem Energiesektor und speziell auf dem Batteriesektor weiter so schnell voranschreitet, dann wird eine Photovoltaikanlage für uns sehr interessant“, so Stock. Das Hotel verfüge schließlich über eine Südausrichtung, sodass die Nutzung der Sonnenenergie durchaus lukrativ wäre. „Wenn es bald noch bessere Speichertechnologien geben wird, kann ich mir ein solches Projekt sehr gut vorstellen.“

Für das gesamte Geothermie-Projekt hat das STOCK resort rund 850.000 Euro investiert. Der Gasverbrauch wird dadurch um etwa 70 Prozent reduziert. Als Amortisationszeit ging man 2013 von fünfzehn Jahren aus. Fünf Jahre später ist schon klar, dass diese Zeit auf jeden Fall eingehalten werden kann. Joschua Katz


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft