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Wärmesanierung im Quartier

Thermographie eines Einfamilienhauses. Rote Flächen zeigen hohe Wärmeverluste, hier würde sich eine Fassadendämmung lohnen. (Bildquelle: KfW-Bildarchiv / photothek.net)
Thermographie eines Einfamilienhauses. Rote Flächen zeigen hohe Wärmeverluste, hier würde sich eine Fassadendämmung lohnen. (Bildquelle: KfW-Bildarchiv / photothek.net)

Städte sind im Rahmen der Energiewende vor allem noch Konsumenten und nicht Produzenten Erneuerbarer Energien. Es gilt daher, die Themen Stadt, Energieeffizienz und Wärmeversorgung in Zukunft besser zu kombinieren. Einige Städte haben solche Projekte mit Modellcharakter bereits erfolgreich realisiert.

04.11.2015 – Für Kommunen ist die energetische Sanierung des Gebäudebestandes, Energie sparen und benötigte Energie erneuerbar produzieren, eine der großen Herausforderungen der Energiewende. Die Kommunen müssen in Zukunft zunehmend darauf setzen, mehrere Wärmeverbraucher über ein Wärmenetz zusammenzuschließen. Diese Verknüpfung von Gebäuden und Energieinfrastruktur steigert die Energieeffizienz. Nicht mehr einzelne Gebäude, sondern die energetische Sanierung ganzer Quartiere rückt in den Mittelpunkt. Um unsere Städte fit für die Zukunft zu machen, verbinden Kommunen weitere Aspekte der Stadtentwicklung: energetische Gebäudesanierung, effiziente Energieversorgungssysteme und den Ausbau der Erneuerbaren Energien kombinieren sie mit demographischen, ökonomischen, städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Aspekten.

Förderung für Kommunen

Zur Unterstützung der Kommunen bei diesen komplexen Entwicklungen wurde im Jahr 2011 ein KfW-Programm gestartet. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit stellt dafür Fördermittel aus dem Energie- und Klimafonds bereit. „Typische“ Quartiere wurden für Pilotprojekte ausgewählt um Erkenntnisse auf bau-und strukturgleiche Stadtteile zu übertragen. So verschieden wie die Regionen und Städte in Deutschland sind auch die ersten Projekte: Ob historische Stadtkerne, Wohnsiedlungen der 50er bis 80er Jahre oder heterogene Quartiere in Großstädten, alle Quartiere bergen andere Herausforderungen, aber auch Gemeinsamkeiten.

In Chemnitz versucht die Stadt durch die energetische Quartiersanierung massivem Leerstand entgegenzuwirken. Die Gründerzeit- und Plattenbauten sind stark sanierungsbedürftig. Durch die Verlagerung von Teilen der Universität Chemnitz ins Quartier und den Bau eines Fernwärmenetzes entstehen neue Impulse. Die Strukturschwäche und der große Leerstand des Stadtteils erweisen sich dabei sogar als Vorteil: Weil kaum aktuelle Nutzungen zu berücksichtigen sind, kann eine vollkommen neue Infrastruktur relativ leicht und zügig aufgebaut werden.

In Emden wurde mitten im Quartier ein dort typisches Wohngebäude modellhaft saniert. Das Haus zeigt, was in älteren Gebäuden möglich ist, um den Energieverbrauch zu senken und zugleich den Wohnkomfort zu steigern. Hausbesitzer und Mieter sollen anschaulich informiert und motiviert werden, erste eigene Schritte bei der energetischen Sanierung zu gehen.

In Fellbach, an der Stadtgrenze zu Stuttgart, bildet das Quartier Ortszentrum Schmiden den historischen Ortskern des Stadtteils. Es besteht aus zahlreichen historischen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert, vermischt mit Gebäuden aus den 1950er und 1960er Jahren mit überwiegender Wohnnutzung. Sie weisen einen hohen energetischen Sanierungsbedarf auf. Die Wärmeversorgung durch ein Nahwärmenetz im historischen Ortskern ist in Planung, die Gebäude sollen saniert und die Bevölkerung zum bewussten Umgang mit Energie angeregt werden – die Herausforderung dabei ist es, die verschiedenen Maßnahmen und Lösungen aufeinander abzustimmen und den zukünftigen Wärmebedarf abzuschätzen.

In Kassel liegt die Herausforderung in der Eigentümerstruktur: Das Quartier Südlicher Eichwald besteht im Wesentlichen aus sanierungsbedürftigen Einfamilienhäusern aus den 1950er und 1960er Jahren. Bei vielen Gebäuden steht demnächst ein Generationenwechsel an, die aktuellen Hausbesitzer sind unsicher, ob sich eine Sanierung für sie noch lohnt. Der Fokus des Quartierskonzepts liegt daher auf sensibilisierenden und motivierenden Maßnahmen für die Bewohner.

Ein nahezu emissionsfreier Stadtteil zu werden ist die Idee für die Plattenbausiedlung Drewitz in Potsdam. Das erfordert die Betrachtung vieler Bereiche: Die Effizienz der Fernwärme soll erhöht, Erneuerbare Energien genutzt, der Wohnungsbestand saniert und das Wohnumfeld an die Folgen des Klimawandels angepasst werden. Da in dem Stadtteil viele Haushalte mit geringem Einkommen leben, hat die sozialverträgliche Umsetzung der energetischen Sanierung eine besondere Bedeutung. Auch Mobilität spielt für einen klimaneutralen Stadtteil eine große Rolle: Langfristig soll Drewitz als Modellstadtteil für E-Mobilität entwickelt werden, der Anteil des Fuß-und Radverkehr erhöht werden.

Gute Kommunikation ist ein Schlüssel zum Erfolg

Die Erfahrungen aus den bundesweiten Pilotprojekten, so unterschiedlich die Quartiere auf den ersten Blick auch sind, haben eines gemeinsam: Für den Wandel im Bestand sind der Kontakt und die gute Kommunikation zu den Menschen im Quartier sowie die rechtzeitige Einbindung aller relevanten Akteure – Bürger, Wohnungswirtschaft, private Eigentümer, Mieter und Energieversorger – am wichtigsten für den Erfolg der Projekte. Sonst stehen die Individualisierungstendenzen unserer Gesellschaft einer guten und effizienten Lösung, gerade im Bereich der gemeinsamen Wärmeversorgung, im Weg. Gemeinsam getragene Ansätze sind notwendig, denn die Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ betrifft uns alle. Lena Dohmann


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