Wärmewende TU München: Abwärme aus dem Rechenzentrum für die Forschung

Auf dem Forschungscampus Garching entsteht eine CO2-neutrale Wärmeversorgung für die zahlreichen Gebäude und Anlagen. Damit kann die TU München künftig 30.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen – und das bei niedrigeren Betriebskosten als bisher.
03.12.2025 – Die Technische Universität München (TUM) macht einen wichtigen Schritt bei der Umstellung auf nachhaltige Energien: Auf dem Forschungscampus Garching entsteht eine CO2-neutrale, neue Wärmeversorgung: Die Abwärme des Leibniz-Rechenzentrums wird genutzt, um die vielen Gebäude und Anlagen auf dem Campus mit sauberer Wärme zu versorgen. Mit dem Energiedienstleister GETEC wurde ein entsprechender Vertrag auf 20 Jahre geschlossen
Klimaschonend und spart Kosten
Pro Jahr können 30.000 Tonnen CO2 eingespart werden, berichtet die TUM, dabei verringern sich sogar die bisherigen Kosten. Der Schlüssel dazu ist die intelligente Nutzung dessen, was bereits vorhanden ist: Abwärme. Der Großteil der Heizleistung stammt künftig aus dem Leibniz-Rechenzentrum, einer Einrichtung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften auf dem Forschungscampus. Dessen Höchstleistungscomputer produzieren erhebliche Wärme, und müssen aufwendig gekühlt werden. In Zukunft wird laut TUM diese Energie in das Nahwärmenetz des Campus eingespeist.
Weitere Wärme soll in Zukunft über Geothermie, also heißes Thermalwasser aus dem Untergrund von Garching, gewonnen werden. Hinzu kommen Wärmepumpen und – für den Bedarf bei Spitzenlast – elektrische Heizkessel. Nur für die zwingend notwendige Gewährleistung der Versorgungssicherheit bei Stromausfall gebe es noch einen neuen, besonders effizienten Gaskessel.
„Wir meinen es ernst mit unserer Selbstverpflichtung zu mehr Nachhaltigkeit und setzen unsere TUM Sustainable Futures Strategie 2030 weiter um“, kommentiert TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann die ersten Schritte. „Dazu gehört neben der Forschung an innovativen und effizienten Technologien auch der tägliche Betrieb unserer Universität. Das ist für uns eine Frage der Verantwortung für künftige Generationen und der Glaubwürdigkeit.“ Bereits in drei Jahren solle laut Planung alles fertig sein.
„Unser Energiekonzept beweist, dass Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz keine Gegensätze sind“, sagt Henning Lustermann, Geschäftsführer der GETEC Wärme und Effizienz GmbH. Durch die intelligente Vernetzung verschiedener lokaler Wärmequellen wie der Abwärme des Supercomputers und der Geothermie schaffen wir ein zukunftsfähiges System, das den hohen Ansprüchen eines Exzellenz-Campus gerecht wird.”
Wärmewende dank smarter Technologie und Steuerung
Im Jahr 2022 verbrauchte der Campus Garching allein für die Wärmeerzeugung rund 127 Gigawattstunden (GWh) an Erdgas. Künftig wird im Regelbetrieb völlig auf Erdgas verzichtet. 43,5 GWh schöpft der Campus dann aus regenerativen Wärmequellen. Möglich werde der geringere Energiebedarf auch durch die Absenkung der Temperatur des Heißwassernetzes von 140 Grad auf 80 bis 100 Grad. Von bislang mehr als 30.000 Tonnen CO2 sinkt laut Planern der Verbrauch künftig im Regelbetrieb auf null.
Für die Umsetzung werden am Campus einige neue Fernwärmeleitungen und eine neue Energiezentrale gebaut. Alle Übergabestationen zu den Gebäuden werden erneuert, die Gebäude werden im notwendigen Umfang saniert. Zusätzlich wird die Kesselanlage im bestehenden Heizkraftwerk am TUM Campus Garching erneuert. Die alte Infrastruktur wird außer Betrieb genommen und zurückgebaut, berichten die Akteure.
Herzstück der neuen Energiezentrale sind sieben leistungsstarke Großwärmepumpen, mit einer Gesamtwärmeleistung von knapp 10 Megawatt (MW), die mit umweltfreundlichen Kältemitteln arbeiten. Sie werden durch riesige Wärmespeicher und Elektrokessel ergänzt, die überschüssigen Strom flexibel in Wärme umwandeln. Über ein „Smart Control Center“ wird das gesamte System rund um die Uhr digital überwacht. Algorithmen sorgen dafür, dass Wärme vorzugsweise dann produziert wird, wenn grüner Strom im Netz günstig verfügbar ist, so die Planung. Nachhaltigkeit prägt auch die Partnerschaft, die langfristig angelegt ist: GETEC und die TUM haben sich laut eigenen Angaben zu einer 20-jährigen Zusammenarbeit entschlossen. na
Weitere Informationen:
TUM Sustainable Futures Strategie 2030
TUM Campus Garching



















































