Heizungsmarkt: Aufwärtstrend bei Wärmepumpen

Insgesamt kämpft der Heizungsmarkt mit starken Absatzrückgängen. Für die Wärmepumpenhersteller und die Wärmewende markiert das erste Halbjahr 2025 einen positiven Meilenstein: Erstmals wurden mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft.
29.07.2025 – Erstmals rangiert mit der Wärmepumpe ein erneuerbares Heizsystem auf Platz eins in der Absatzstatistik des deutschen Heizungsmarktes. Unter den insgesamt 296.500 zwischen Januar und Juni verkauften Geräten waren 139.000 Wärmepumpen. Gasheizungen rangieren mit 132.500 Geräten auf Platz 2. Außerdem wurden 10.500 Ölheizungen und 14.000 Biomasseheizungen, die Holz in seinen verschiedenen Aufbereitungsarten nutzen, verkauft.
Für den Wärmepumpenabsatz bedeutet das ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, für Gasheizungen ein Minus von 41 Prozent. Die deutsche Heizungsindustrie beklagt den deutlichen Rückgang der absoluten Zahlen. Nach dem massiven Absatzeinbruch um 46 Prozent im Jahr 2024, sank der Absatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nochmals um 22 Prozent. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, fürchtet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie das schlechteste Jahresergebnis der vergangenen 15 Jahre.
Endlich stabile Rahmenbedingungen festschreiben
Ob die Wärmepumpe im Verlauf des Jahres ihre Spitzenreiterposition behaupten kann, hängt nach Einschätzung des Bundesverbandes Wärmepumpe BWP vor allem von der neuen Bundesregierung ab. Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen um den Bundeshaushalt für das Jahr 2026 und den Finanzplan der Legislaturperiode fordert BWP-Geschäftsführer Martin Sabel für Branche und Verbraucher die Sicherheit, dass ausreichend Mittel im Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Verfügung gestellt werden, damit die Heizungsförderung auf dem aktuellen Niveau fortgeführt werden kann.
Es gelte mit dem neuen Haushalt eine Brücke zum Jahr 2027 zu schlagen, wenn der EU- Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) in Kraft trete. Dieser würde zukünftig die Förderung gegenfinanzieren, gleichzeitig werde der CO2-Preis den Betrieb fossiler Heizungen verteuern und damit auch einen wachsenden Bedarf an Unterstützung beim Heizungstausch bewirken, um den Menschen den Wechsel auf klimafreundliche Alternativen zu ermöglichen.
Planungssicherheit sei für potenzielle Investoren essenziell. Man könne nicht erwarten, dass Kommunen öffentliche Einrichtungen sukzessive auf erneuerbares Heizen umstellen, Wohnungsunternehmen ganze Quartiere modernisieren und Stadtwerke Contracting-Programme für Wärmepumpen ausrollen, bevor die Zukunft der Förderprogramme und des Gebäudeenergiegesetzes geklärt sei.
Entlastung beim Strompreis für alle Verbraucher
Impulse für weiter ansteigende Verkaufszahlen könnten über Entlastungen des Strompreises gesetzt werden, etwa über eine Reduktion der Stromsteuer für alle Verbraucher und eine nachhaltige Senkung der Netzentgelte.
„In deutsche Standorte ist viel Geld investiert worden, sei es in Allendorf, Güglingen, Holzminden, Mainburg, Kulmbach oder Remscheid. Unsere Unternehmen erwarten deshalb ein Bekenntnis der schwarz-roten Koalition zur Technologie Wärmepumpe“, fordert Sabel. Deutschland dürfe nicht noch einmal einen offensichtlichen Megatrend verpassen, weil zu lange an überholten Technologien festgehalten und Chancen nicht konsequent genutzt werden, wie in der PV-Industrie geschehen.
Die Wärmepumpe ist laut Sabel zum wichtigsten Produkt einer Mittelstandsbranche mit 70.000 Arbeitsplätzen allein in der Industrie geworden. Hinzu kommen hunderttausende Beschäftigte beim Fachhandwerk, in Planungsbüros, bei Energieversorgern und Wohnungsunternehmen.
Verunsicherung hemmt Investitionen in Heiztechnik und Effizienzmaßnahmen
Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der die gesamte Branche vertritt, sieht die zentrale Ursache für die anhaltend schwache Marktentwicklung in der anhaltenden Verunsicherung der Verbraucher. Die aktuell gültige Rechtslage sowie die im Koalitionsvertrag angekündigte Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes sorgen für fehlende Planungssicherheit. Hinzu kommen immer wieder politisch motivierte Aussagen über die Förderkonditionen. Infolge dieser Unsicherheit halten sich viele Modernisierungswillige mit einer umfassenden Investition in neue Heiztechnik zurück.
Der BDH appelliert an die Bundesregierung, rasch für verlässliche, verständliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen zu sorgen – sowohl im Ordnungsrecht als auch bei der finanziellen Förderung. Mit den steigenden Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel für den Gebäudesektor steht ein solider Finanzrahmen zur Verfügung. Diese Mittel sollten gezielt eingesetzt werden, um die Klimaschutzanstrengungen im Gebäudesektor zu unterstützen.
Sanierungsstau auflösen: Über eine Million Modernisierungen jährlich erforderlich
Laut Dena-Gebäudereport sind rund vier Millionen Heizungen in Deutschland älter als 30 Jahre. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten ab sofort jedes Jahr über eine Million Heizsysteme modernisiert werden. Damit dies gelingt, braucht es verlässliche gesetzliche Vorgaben, stabile Förderbedingungen und planbare Energiekosten. pf
















































