Ariadne-Report: Das Heizen mit Wärmepumpen wird günstiger und beliebter

Wärmepumpen haben beim Neueinbau fossile Heizkessel überholt. Eine kluge Entscheidung, schaut man sich die Heizkosten an. Auch die Kühlfunktion moderner Wärmepumpen rückt zunehmend in den Fokus.
20.07.2026 – Ein neuer Report von Forscher:innen des Kopernikus-Projekts Ariadne, liefert Zahlen zum Einbau neuer Heizungssysteme 2025, die Entwicklung von Heizkosten sowie Forderungen und Ängste der Bevölkerung. Die Zeichen stehen auf Wärmepumpen. Doch die Bundesregierung will entsprechende Förderungen streichen.
Seit dem Jahr 2021 werden für das „Wärme- & Wohnen-Panel“ jährlich 15.000 Haushalte zu ihrer Heiz- und Wohnsituation befragt. Dabei werden jedes Jahr der Stand energetischer Maßnahmen, die finanzielle Belastung durch Haushaltsenergie und die Einstellung zur CO2-Bepreisung abgefragt. Forschende vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dem RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institut der deutschen Wirtschaft haben in einem aktuellen Report die Ergebnisse analysiert.
Demnach stieg der Anteil der Haushalte, die eine neue Wärmepumpe installiert haben, von 0,8 Prozent im Jahr 2021 auf 1,9 Prozent im Jahr 2024 und hielt sich 2025 auf diesem Niveau. Damit wurden bei den Neuinstallationen 2025 erstmals die überwiegend mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizkessel überholt. Diese wurden 2025 nur noch bei 1,4 Prozent der Haushalte eingebaut. 2024 waren es noch 3,0 Prozent der Haushalte.
Das deckt sich zum Teil mit Zahlen vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). So wurden 2025 gegenüber dem Vorjahr insgesamt 12 Prozent weniger Heizungsanlagen/Wärmeerzeuger abgesetzt – laut BDH der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Zugleich aber stieg der Absatz von Wärmepumpen innerhalb eines Jahres um 55 Prozent. 299.000 waren es 2025. Der Absatz von Gas-Wärmeerzeugern fiel 2025 um 33 Prozent, der von Öl-Wärmeerzeugern um 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beide zusammen kamen beim Absatz 2025, laut BDH, ebenfalls auf 299.000 verkauften Einheiten.
Auch kühlende Wirkung
„Während der Einbau von Wärmepumpen beim Heizungstausch im Gebäudebestand seit 2021 stark angestiegen ist, hat sich der von Heizkesseln halbiert“, stellt PIK-Forscher Anton Knoche, Hauptautor der Ariadne-Studie, fest. „Dies deutet darauf hin, dass sich die fortgesetzte Förderung für Wärmepumpen durch die Bundesregierung positiv auf Investitionsentscheidungen auswirkt.“ Und: „Zudem könnte die Kühlfunktion von modernen Wärmepumpen mit zunehmenden Hitzeperioden attraktiver werden.“
Unterschieden wird dabei zwischen aktiver und passiver Kühlung. Passive Kühlung kann mit Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpe erreicht werden. Dabei wird überschüssige Wärme aus dem Gebäudeinneren über eine Umwälzpumpe ins Erdreich zurückgeführt. Das ist besonders energieeffizient. Der Kühlungseffekt bleibt aber begrenzt. Bei aktiver Kühlung läuft der Verdichter und der Kältekreis arbeitet umgekehrt. Die Wärme wird dem Gebäude entzogen und an Außenluft, Erdreich oder Grundwasser abgegeben. Je nach Energieeinsatz können hier große Kühlungseffekte erreicht werden.
Grundsätzlich sind Wärmepumpen die weitaus effizientere Wahl. Für Niedertemperaturwärme liegt der Effizienzgrad bei enormen 300 bis 400 Prozent. Denn sie erzeugen die Wärme nicht, sondern transportieren sie aus der Umwelt rein. So kann mit einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunde Wärmeenergie aus der Umgebung in das Gebäude transportiert werden. Brennstoffe haben bei der Bereitstellung von Wärme einen Wirkungsgrad von Durchschnittlich 64 Prozent.
Schon an sich effizient, zeigten Wärmepumpen, laut Ariadne-Report, auch den deutlichsten Rückgang bei den Heizkosten von 2024 auf 2025. Haushalte mit Wärmepumpe zahlten mit 12,20 Euro pro Quadratmeter, 11,7 Prozent weniger als im Vorjahr und auch insgesamt am wenigsten im Vergleich aller Heizungssysteme. Bei Gas (16,20 Euro) und Öl (17,10 Euro) gingen die Kosten moderat um rund 4 bis 5 Prozent zurück. Die Kosten für Fernwärme stiegen dagegen um 2,5 Prozent auf 20,90 Euro pro Quadratmeter.
Unentschieden beim CO2-Preis, aber für Klimaschutz
Im „Wärme- & Wohnen-Panel“ wurden die Menschen in den Haushalten zudem nach ihrer Einstellung zu Klimaschutzmaßnahmen, sowie dem CO2-Preis befragt. Der CO2-Preis wurde nur von 35 Prozent der Haushalte befürwortet. Ebenfalls 35 Prozent sind dagegen, der Rest unentschieden. Dabei finden 77 Prozent Klimaschutz wichtig. „Die Menschen wollen Klimaschutz, machen sich aber verständlicherweise Sorgen um die Kosten und bezweifeln teilweise, dass der CO2-Preis überhaupt wirkt“, erklärt Kathrin Kaestner vom RWI in Essen und Mitautorin des Reports. „Das zeigt: Politik und Wissenschaft müssen klarer kommunizieren, was der CO2-Preis kostet und welchen Nutzen er für das Klima hat. Gleichzeitig sind gezielte Entlastungen für Haushalte mit geringem Einkommen erforderlich, um Klimaschutz und Bezahlbarkeit miteinander in Einklang zu bringen.“
Inzwischen gibt es Bestrebungen den nationalen CO2-Preis einzufrieren. Damit verzichtet die Bundesregierung aber auf Einnahmen von mehr als vier Milliarden Euro für Klimaschutz und Modernisierung. Auch der Europäische Emissionshandel ETS1 steht vor einer Reform. Auch dieser droht, einem neuen Entwurf der EU-Kommission zufolge, abgeschwächt zu werden, mit sinkenden Zertifikatspreisen.
Zudem hat die Bundesregierung eine Reihe von Änderungen bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) beschlossen, infolge der Verabschiedung des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), treten diese am morgigen Dienstag in Kraft.
Eine stärkere soziale Gewichtung bei Förderungen, aber insgesamt weniger Geld wird es für den heimischen Austausch von Heizungen auf Erneuerbare Systeme geben. Förderfähige Kosten werden immer weiter sinken. Das gleiche gilt für den Klimageschwindigkeitsbonus. Auch ein Bonus von 5 Prozent für besonders effiziente Wärmepumpen wird abgeschafft. Bereits zugesagte und beantragte Vorhaben sind von der anstehenden Änderung jedoch nicht betroffen. mg




















































Kommentare
lars vor 3 Wochen
Diese Darstellung sollte offenlegen, dass die Wärmepumpen gefördert wird und die fossilen Brennstoffe künstlich erhöht werden. Wenn der Wettbewerb fair geführt werden würde, wäre die Wärmepumpe sicherlich teurer in der Anschaffung und auch im Betrieb.
Die Preise für Öl und Gas sind viel zu hoch und spiegeln nicht den Marktpreis wieder. Außerdem ist in DE und Europa die Besteuerung der fossilen Brennstoffe ein politisch gewolltes Instrument, um die Menschen abzuzocken.