WärmewendeDas vermeintliche Kälteproblem bei Flusswärmepumpen

Luftaufnahme eines großen Kraftwerks an einem Fluss. Mehrere hohe Schornsteine und Kühltürme ragen aus dem Industriekomplex auf, aus einigen steigt weißer Wasserdampf auf. Rechts des Flusses liegen Industrieanlagen, Straßen und Lagerflächen, links erstrecken sich bewaldete Uferbereiche und Wohngebiete. Der Fluss führt sichtbar wenig Wasser, sodass an mehreren Stellen breite Ufer- und Kiesflächen freiliegen.
Das Großkraftwerk Mannheim – hier wird weiterhin mit Steinkohle Strom und Wärme erzeugt, aber mit einer bereits in Betrieb befindlichen Flusswärmepumpe und einer in Bau befindlichen, wird für die Zukunft umgebaut (Bild: Rolf Kickuth, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Großwärmepumpen, die das Wasser von Flüssen nutzen, entwickeln sich zu einem wichtigen Baustein der Wärmewende. Doch das zurückgeleitete kältere Wasser könnte ein Problem für Fische darstellen, sagen einige. Dem widerspricht eine neue Analyse.

01.06.2026 – Die größte Anlage steht derzeit in Mannheim. Mit 19 Megawatt thermischer Leistung (MWth), versorgt die dortige Flusswärmepumpe im Rhein die Mannheimer über das Fernwärmenetz. Und damit nicht genug, Das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie AG plant und baut, gemeinsam mit Partnern, derzeit das größte Flusswärmeprojekt der Welt. Bei Inbetriebnahme 2028 soll die Anlage 165 MWth Leistung bringen und 40.000 Haushalte mit Wärme versorgen.

Ähnlich groß soll eine Anlage in Köln werden. Hier baut die Rheinenergie ebenfalls im Rhein eine Flusswärmepumpe in der Größenordnung von 150 MWth. Auch hier könnte die Anlage 2028 in Betrieb gehen. Weitere kleinere Anlagen gibt es bereits in Rosenheim, Berlin und Stuttgart. In Planung und Bau befindliche kleine und mittelgroße Flusswärmepumpen gibt es unter anderem in Duisburg, Hamburg, Hannover, Nürnberg, Düsseldorf und Halle an der Saale.

Immer mehr Energieunternehmen erachten Flusswärmepumpen als wichtigen Baustein zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Sie entziehen den Gewässern Wärme, die von der Wärmepumpe selbst auf ein für die Versorgung nutzbares Niveau gebracht wird. Anschließend fließt abgekühltes Wasser zurück in die Flüsse. Bei der Entnahme sorgen Filter und Fischschutz dafür, dass kein Treibgut und Fische in die Anlage kommen und Flora und Fauna in dieser Hinsicht nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Gefahr von Kälteinseln?

Doch es gibt Stimmen, die zu Bedenken geben, dass das zurückgeleitete kalte Wasser, den Lebensraum von Fischen und Wirbellosen Tieren beeinträchtigen könnte. Die LAWA, das gemeinsame Fachgremium von Bund und Bundesländern für Fragen der Wasserwirtschaft und des Wasserrechts, erklärt, unterhalb der Rückleitung können sich sogenannte Kälteinseln bilden, also Gewässerbereiche mit deutlich anderer Temperatur als der übrige Fluss. Die LAWA bewertet solche Kälteinseln als kritisch, weil dort andere physikalische Bedingungen entstehen und die Ökosysteme beeinflussen könnten.

Besonders relevant sei die Frage, ob ein abgekühlter Bereich zur Kältebarriere wird. Dann würden Fische bestimmte Abschnitte meiden und Wanderbewegungen seien gestört. Fische würden auf schnelle Abkühlung besonders empfindlich reagieren. Die LAWA spricht hier von einem möglichen Kälteschock. Besonders im Winter sei die Gefahr groß. Die LAWA empfiehlt daher bei einer Abkühlung von unter drei Grad Gewässertemperatur, den weiteren Zufluss abgekühlten Wassers aus den Flusswärmepumpen in der Regel zu vermeiden.

Nicht stichhaltig

Doch gerade im Winter müssen die Menschen vermehrt mit Wärme versorgt werden. Der Physiker und Chemiker Dr. Michael Huber hat für die Scientists for Future ein umfangreiches Dossier erstellt, indem er die Warnungen entkräftet. Dafür hat er 180 Literaturquellen zum Thema ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis: „Folgt man den Kriterien des Natur- und Umweltschutzes, dann erweisen sich die Vorbehalte gegen die Nutzung von Flusswärme als nicht stichhaltig. Zudem beeinträchtigt die mit der Wärmeentnahme einhergehende Absenkung der Flusswassertemperaturen die Fauna und Flora weder im Sommer noch im Winter, wenn die meiste Wärme benötigt wird.“

Wie das Studium der „natürlichen“, von Wärmepumpen unbeeinflussten Flusswassertemperaturen zeige, fielen die Temperaturen vor Einsetzen des Klimawandels in strengen Wintern immer wieder auf Werte um 0 °C. „Doch an diese Tiefstwerte sind die angestammten Populationen von Fischen, Krebsen, Schnecken etc. seit Jahrhunderten bestens angepasst“sagt Huber. Und da auch die winterlichen Wassertemperaturen mit dem Klimawandel gestiegen sind, ließe sich dieser natürliche Spielraum heute gut für Flusswasserwärmepumpen nutzen.

Um zwei bis drei Grad haben sich Flüsse und Bäche durch den Klimawandel erwärmt. Was für Lebewesen in den Fließgewässern lebensbedrohend wird, stelle gleichzeitig enormes Potential für die Wärmegewinnung dar, so Huber. „Würden wir nur die Hälfte der in den Flüssen vorhandenen Zusatzwärme zurückgewinnen, ließen sich damit knapp zwei Drittel der Haushalte in Deutschland beheizen.“

Insgesamt spreche laut Huber aus wissenschaftlicher Sicht wenig dagegen, dass überaus reichliche Potenzial der Flusswasserwärme zumindest anteilig zu nutzen. Wenn die Größe des Wärmenetzes und die lokal verfügbare Flusswärmemenge zueinander passen, könne eine Abdeckung des gesamten jährlichen Wärmebedarfs von bis zu 90 Prozent erreicht werden. Allerdings müsse die winterliche Spitzenlast in den meisten Fällen durch andere Wärmequellen gewonnen werden. mg

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