Niederlande und DeutschlandDie Grenzen der Wärmeversorgung überwinden

Straßenschild mit zweisprachiger Beschriftung. Oben steht auf Niederländisch „Nieuwstraat > 138 →“ in weißer Schrift auf blauem Hintergrund, darunter auf Deutsch „Neustrasse“ in schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund. Darunter ist ein blaues rundes Verkehrszeichen mit einem weißen Fahrradsymbol zu sehen. Im Hintergrund sind grüne Baumblätter.
Straße in Kerkrade und Herzogenrath: Auf der eine Seite heißt sie „Nieuwstraat“, auf der anderen „Neustrasse“ (Bild: Kero de, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Städte in den Niederlanden und Deutschland wollen eine grenzüberschreitende, erneuerbare Wärmeversorgung realisieren. Doch dem stehen viele rechtliche und organisatorische Herausforderungen bevor.

17.09.2025 – Es gab eine Zeit, da gab es keine Grenze. Einst eine zusammenhängende Stadt, wurde Europa Anfang des 19. Jahrhunderts nach den napoleonischen Kriegen neu geordnet und es entstand Kerkrade im Königreich der Niederlande und Herzogenrath auf preußischer Seite. Mit dem Schengen-Abkommen Mitte der 1980er Jahre wurde die sichtbare Grenze in dem urbanen Raum zunehmend unsichtbar.

Spürbar wird die Grenze aber wieder, wenn es um Pläne für eine gemeinsame Wärmeversorgung der beiden Städte geht. Die kommunale Wärmeplanung in Deutschland und das niederländische Pendant, die Transitievisie Warmte, schreiben für Herzogenrath, Kerkrade und die daran anschließende Gemeinde Landgraaf die Erstellung eines Fahrplans vor, die Wärmeversorgung klimaneutral zu gestalten. Noch bestimmen Öl und Gas die Wärmeversorgung in den Gemeinden – in Herzogenrath sind es 48 Prozent Heizöl und rund 45 Prozent Gas, in Kerkrade zu 97 Prozent Gas.

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Kommunen planen die Wärmewende

Die Wärmeplanung in Kommunen kommt gut voran. Bis Mai 2025 lebten bereits 13 Millionen Menschen in Gemeinden mit fertiger Wärmeplanung. Weitere zwei Drittel leben in Gemeinden, die bereits mit der Planung begonnen haben.

In einem gemeinsamen – „Cross Heat“ genannten – Projekt werden die Gemeinden nun im Verbund mit wissenschaftlichen Instituten untersuchen, wie eine grenzüberschreitende und CO2-freie Wärmeversorgung gelingen kann. Neben der Universität Maastricht, NRW.ENERGY4CLIMATE, VITO NV und Cluster TWEED, ist auch das Fraunhofer Institut für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) beteiligt.

René Verhoeven, Projektleiter am Fraunhofer IEG, sagt: „Meist sind die technischen Hindernisse mit guter Planung gut lösbar. Mit unserem Projekt wollen wir zeigen, dass neben den technischen auch die rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen an Staatsgrenzen zu lösen sind. Wir wollen, dass gute Ideen auch die Grenzen von Kommunen und sogar Staaten überspringen.“

Anders als bei Strom und Gas gibt es auf EU-Ebene keinen integrierten Wärmebinnenmarkt. Das führt dazu, dass jede grenzüberschreitende Wärmeleitung sich mit unterschiedlichen nationalen Regelungen auseinandersetzen muss. So fallen Bau und Betrieb von Wärmeleitungen jeweils unter nationale Baurechte, Umweltrechte und gegebenenfalls Raumordnungsrechte. Auch die Besteuerung der Energie, etwa für die Netze, ist erst einmal national geregelt.

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Zwei Männer in Anzügen gehen bei sonnigem Winterwetter über eine schneebedeckte Fußgängerbrücke in einer historischen Stadt. Beide lächeln und unterhalten sich. Im Hintergrund sind bunte Altbauten mit roten Dächern und Schnee sowie eine große Kirche mit grünem Dach zu sehen. Die Szene vermittelt einen freundlichen und professionellen Eindruck in urbaner Umgebung.
Grenzüberschreitende Wärmewende

Wärme verbindet

Grenzen sind im europäischen Schengenraum kein Hindernis mehr. Der kulturelle und wirtschaftliche Austausch blüht. Deutschland, Polen und Frankreich machen sich daran, auch die Wärmeversorgung von Städten über Grenzen hinweg zu verbinden.

Das Fraunhofer IEG teilt mit, Die Forschungsaktivitäten von CROSS_HEAT würden unter anderem die Analyse des Abwärmeaustauschs zwischen Industrie und bebauter Umwelt, die Bestandsaufnahme von geothermischen Quellen und Wärmespeichern in ehemaligen Bergbaustrukturen, die Entwicklung von technischen Szenarien und Modellrechnungen, die Bewertung der rechtlichen, organisatorischen und räumlichen Rahmenbedingungen sowie die Ausarbeitung von Finanzierungsstrategien und eines Investitionsplans umfassen. Anwohner, kleine und mittlere Unternehmen sowie lokale Interessengruppen würden durch Informationsveranstaltungen, Nachbarschaftsgespräche und einen Infopunkt einbezogen.

Die Beteiligung der Bürger:innen ist ohnehin ein wichtiges Anliegen der Gemeinden auf niederländischer und deutscher Seite. Die Bürgermeisterin von Kerkrade, Petra Dassen-Housen, sagt: „Energiearmut ist bei uns in der Stadt ein großes Thema. Viele Menschen mit niedrigen Einkommen, leben in Wohnungen und Häusern mit einem hohen Energieverbrauch. Daher bieten wir Anlaufstellen für Menschen an, sich über Wärmewende-Maßnahmen und mögliche Förderungen zu informieren. Auch gehen wir aktiv auf die Menschen in den Haushalten zu.“ Inzwischen gebe es eine Vielzahl an staatlichen Zuschüssen, die die Menschen in den Niederlanden abrufen können.

Auch in Herzogenrath sind sie aktiv. Benjamin Fadavian, Bürgermeister von Herzogenrath, sagt: „Wir haben über den Bund 4,2 Millionen Euro an Fördermitteln eingeworben, mit denen wir eine eigene Stabsstelle zur Umsetzung von Klimaschutzprojekten einrichten konnten. Damit haben wir die Möglichkeit, aktiv für Klimaschutz zu werben und die die Bürgerinnen und Bürger direkt in die Maßnahmen einzubeziehen. Zusätzlich fördern wir unter anderem Balkonkraftwerke oder Dachflächenbegrünung. Zudem betreiben auch wir Energieberatungsangebote und organisieren viele Veranstaltungen, auf denen wir über Energiewende- und Wärmewende-Projekte informieren.“ mg

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