Wärmewende live in Konstanz: Effizienzbiester zum Anfassen

In Konstanz laden Privatleute Gäste zu Wärmepumpen-Partys ein, organisiert vom städtischen Amt für Klimaschutz. Das Interesse ist groß – am geselligen Plaudern und an der modernen Heiztechnologie.
28.09.2026 – Limo, Bier, ein paar Snacks – und ein Fachmann, der am Flipchart Details der regenerativen Wärmeversorgung erklärt. Wenn dann noch ein Dutzend an der Sache interessierte Gäste im Garten sitzen, sind die Zutaten komplett für eine Wärmepumpen-Party an einem lauschigen Spätsommerabend.
Der Fachmann an diesem Abend heißt Christoph Lukas. Er ist Energieberater für Wohngebäude und einer von neun Konstanzer Eigentümern, die ihre Häuser, Gärten und Heizkeller öffnen, um aus der Praxis der neuen Heiztechnologie zu berichten.
Für sein Drei-Parteien-Haus im Konstanzer Stadtteil Staad, Baujahr 1890, hat die Eigentümergemeinschaft vor zweieinhalb Jahren eine Luft-Wasser-Wärmepumpe installieren lassen. Leistung: 12 Kw, Kosten: ca. 40.000 Euro, abzüglich der stattlichen Förderung von 13.000 Euro. Viel Geld also. Zu Zeiten der Ampelregierung waren die hohen Anfangsinvestitionen gemeinsam mit der Suggestionswirkung eines angeblichen Heizungsverbots Hauptargumente der „Heizhammer“-Kampagne des Springer-Verlags.
Heute boomen die Wärmepumpen. Lagen die jährlichen Verkaufszahlen 2019 noch unter 100.000 Einheiten, verkaufte die Branche 2025 rund dreimal so viele. Der Bundesverband Wärmepumpe rechnet für die kommenden Jahre mit Wachstumsraten von rund 10 Prozent. „Die Heizungsbauer sind voll mit Aufträgen“, bestätigt Lukas den Trend. „Ich kenne niemanden, der sich aktuell eine Gasheizung einbauen möchte.“
Warum ist das so? It’s the efficiency, stupid. Während beim Energieträger Gas aus einer Kilowattstunde (kWh) des Rohstoffs 0,8 kWh Wärme entstehen, erzielt eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde (Strom) 3,5 bis 5,5 kWh Wärme – je nach Modell und Gebäudegröße. „Aus diesem Wert leitet sich die Jahresarbeitszahl ab“, erklärt Lukas. Bei seinem Haus beträgt die 3,7. Bei Wärmepumpen, die ihre Ausgangstemperatur aus dem Erdreich oder dem Bodensee beziehen, liegt die Zahl in der Regel höher.
„Was ist mit Legionellen?“, fragt ein Teilnehmer. „Wie groß ist der Warmwasserspeicher im Keller?“ und: „20 Grad Raumtemperatur sind mir zu kalt, ist eine Wärmepumpe dann ausreichend?“ Der Wissensdurst der Teilnehmer ist groß. Beim Rundgang ums Haus herum und in den Keller bleibt keine Frage offen. „Bei einem Gebäude mit 20 Wohneinheiten sind Legionellen möglicherweise ein Thema, aber nicht bei unserem Haus mit drei Wohnungen und insgesamt 300 Quadratmetern“, sagt Lukas zur ersten Frage. „Ich habe einmal einen Test gemacht, da konnten die Bakterien nicht nachgewiesen werden.“
Im Keller schauen sich die Gäste den 300-Liter-Wasserspeicher an, der stets individuell nach Wohnfläche und Anzahl der Personen dimensioniert wird, so Lukas. Entscheidend für die Frage, welches System der Heizungsbauer installiert, sei das Ergebnis einer Heizlastberechnung. „Wenn Sie sagen, 20 Grad Raumtemperatur sind mir zu kalt“, so Lukas, „lässt sich die Anlage auf eine durchschnittliche Temperatur von 23 Grad hin konzipieren.“ Einen Pullover mehr, von einem der Gäste scherzhaft ins Spiel gebracht, müsse sie nicht anziehen. „Dann würde man die Anlage mit einer Leistung von vielleicht 16 statt 14 Kilowatt planen“, so Lukas weiter.
Eine Party, zwar ohne Musik, prall gefüllt aber mit Informationen. Viele Frage beziehen sich auf die konkrete Machbarkeit, etwa im engen Stadtgebiet, oder auf die Auswahl von Installateur und Fabrikat. Warte ich besser die kommunale Wärmeplanung ab, welche Fördertöpfe schließt die Bundesregierung womöglich nächstes Jahr? Einigen Gäste merkt man an: Sie besuchen zum ersten Mal eine Wärmepumpen-Party, andere haben konkrete Pläne für ihr Haus.
Ihr Ziel ist es, fossilfrei und damit klimafreundlich zu heizen und so ein Mosaikstein im großen Bild der Wärmewende zu werden. Das Argument der Wirtschaftlichkeit spricht für sie. Statt der früheren 55.000 kWh (Gas) liegt der jährliche Energieeinsatz für das Haus der Konstanzer Eigentümergemeinschaft bei 8.500 kWh (Strom) – dank der Wärmepumpe. Vergleicht man die Jahreskosten für den Gasbezug (damals 5.000 Euro/Jahr, mit heutigen Preisen 6.500 Euro/Jahr) mit dem aktuellen Wärmestrombezug (2.200 Euro/Jahr), ergibt dies pro Wohnpartei eine jährliche Einsparung von knapp 1000 Euro.
Die Wärmepumpen-Partys werden vom Konstanzer Amt für Klimaschutz in Kooperation mit der Energieagentur Kreis Konstanz organisiert. In anderen Kommunen gibt es ähnliche Formate, etwa in Mönchengladbach und Hilden (NRW) und im Landkreis Nienburg/Weser (Niedersachsen). Benedikt Brüne
Weitere Informationen auf der Website der Stadt Konstanz: https://www.konstanz.de/stadtwandel/waermepumpenparty
























































