Heizungstechnik: Ein Großteil der Hausbauer beschreitet längst den Erneuerbaren Weg

Will die Bundesregierung auch künftig den Einbau fossiler Heizungen zulassen, haben sich die meisten Erbauer von Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern längst für Erneuerbare Technologien entschieden. Kassenschlager: die Wärmepumpe.
06.03.2026 – Immerhin, die Förderungen für Erneuerbare Technologien sollen bestehen bleiben. Zugleich aber will die schwarz-rote Koalition, laut ihrem Eckpunktepapier für das künftige Gebäudemodernisierungsgesetz, die 65-Prozent-Erneuerbaren Regel beim Einbau neuer Heizungssysteme wieder abschaffen. Stattdessen soll eine Quote für Biogas und Wasserstoff eingeführt werden. Expert:innen befürchten beim Einbau neuer Öl- und Gasheizungen erhebliche Preissteigerungen. Ein Blick auf den Neubau zeigt, unter dem Eindruck bisheriger Förderungen und Regelungen, ist die klima- und umweltfreundliche Wärmepumpe in diesem Segment längst Marktführer.
Die Firma Viessmann, deren Kerngeschäft Heiztechnikprodukte sind, hat die Heizarten in 2024 fertiggestellten Gebäuden ausgewertet (Hier geht es zur Studie). Das eindeutige Ergebnis: In sieben von zehn neuen Wohngebäuden wurde eine Wärmepumpe verbaut. Mit 69 Prozent ist die Wärmepumpe die mit Abstand meist verbaute Heizungstechnik in Neubauten. Dabei dominiert mit 89 Prozent aller verbauten Wärmpeumpen-Techniken, die Luft-Wasser-Variante. Weit weniger häufig kamen in neuen Gebäuden Gas (15 %) und Fernwärme (9 %) zum Einsatz. Holz und Strom spielten mit zusammen sechs Prozent eine untergeordnete Rolle, lagen jedoch noch vor der Ölheizung mit 0,3 Prozent.
Unterschiede zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern
Vor allem bei den 63.251 gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern dominiert die Wärmepumpe mit rund drei Viertel der Neubauten, in denen die Erneuerbare Technologie verbaut ist. Bei Mehrfamilienhäusern dagegen liegt die Fernwärme knapp vorne (34 %), direkt gefolgt von der Wärmepumpe (33 %). Bei 24 Prozent der Mehrfamilienhäuser erfolgte auch 2024 noch der Einbau einer Gasheizung.
Viessmann hat dafür Erklärungen: „Mehrfamilienhäuser entstehen häufiger in städtischen, dicht besiedelten Gebieten, die durch Fernwärmenetze – teilweise mit Anschluss- und Benutzungszwang durch die Kommunen – oder eine historisch gut ausgebaute Gasinfrastruktur versorgt werden. Zudem bleibt aufgrund der dichteren Bebauung weniger Platz für die Installation einer Wärmepumpe.“ Auch ein wirtschaftlicher Faktor komme hinzu: Bei größeren Wohnprojekten entscheiden meist nicht private Auftraggebende, sondern Investierende und Bauträgerunternehmen – bisweilen mit anderen Prioritäten.
Ein- und Zweifamilienhäuser dagegen würden überwiegend in ländlichen oder vorstädtischen Gebieten entstehen. Dort seien Wärmepumpen einfacher zu realisieren, denn es gebe mehr Platz und weniger Lärmkonflikte. Hinzu komme: Auftraggebende nutzen die Immobilie hier meist selbst. Wer ein Haus baut und darin wohnt, entscheidet sich heute oft für Umweltwärme – auch aufgrund der attraktiven Förderung.
Wie weiter mit Förderung und Wärmeplanung?
Seit 2020 gibt es prozentuale Zuschüsse für Erneuerbare Wärmetechnologien. Anfangs im bereits bestehenden Marktanreizprogramm (MAP) „Wärme aus erneuerbaren Energien“. Dort gab es bis zu 45 Prozent für die Wärmepumpe. Abgelöst wurde das Programm 2021 von der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Dort gab es bis zu 40 Prozent anteiliger Förderung. Ab 2024 dann wurde die „Neue Heizungsförderung“ über die KfW eingeführt, mit bis zu 70 Prozent Förderung.
Hinter der 70-prozentigen Förderung steckt die letzte Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, im Volksmund auch Heizungsgesetz genannt. Die Förderung soll erhalten bleiben, ungewiss ist aber, wie sie künftig ausgestaltet wird. Ab 01. Januar 2024 galt im Zuge der Novelle auch die 65-Prozent-Regel für Neubauten. Eingeführt wurde zudem die verpflichtende kommunale Wärmeplanung. Bis Mitte dieses Jahres müssen Großstädte entsprechende Planungen zur Dekarbonisierung ihrer Wärmeversorgung vorlegen, kleinere Städte bis 100.000 Einwohner:innen haben bis 2028 Zeit.
Zwar soll die Wärmeplanung fortgeführt werden, aber Expert:innen befürchten mit dem Wegfall der 65-Prozent-Regel den Fortbestand vieler Gasnetze. Die sorgen bereits jetzt dafür, dass bei einer Großstadt wie Bremen, auch Neubauten zu 52 Prozent ans Gasnetz angeschlossen werden. Auch andere Städte wie Berlin und Hamburg setzen bei ihrem gut ausgebauten Fernwärmenetz noch zu einem Großteil auf Gas, haben aber bereits dezidierte Pläne die Fernwärme zu dekarbonisieren. mg



















































