WärmewendeEnergiefresser Krankenhäuser – und wie es anders geht

Drei Chirurg:innen in grüner OP-Kleidung und mit Mundschutz blicken konzentriert nach unten, im Hintergrund ist eine helle OP-Lampe zu sehen. Eine Hand hält ein chirurgisches Instrument.
Der durchschnittliche Energieverbrauch eines Krankenhauses ist doppelt so hoch wie von einem normalen Verwaltungsgebäude (Bild: Getty Images für Unsplash+)

Sie gehören zu den größten Energieverbrauchern im öffentlichen Gebäudebestand Deutschlands: Krankenhäuser, mit vielfach veralteten und ineffizienten Anlagen. Wie es anders geht, zeigt ein Krankenhaus in Dänemark.

20.08.2025 – Allein ein Krankenhausbett in Deutschland verbraucht im Durchschnitt so viel Energie im Jahr, wie vier Einfamilienhäuser. Rund um die Uhr müssen Beleuchtung und Geräte im Krankenhaus laufen für die Versorgung der Patienten. Ein Großteil der Energie entfällt aber auf Kühlung im Sommer und Heizen im Winter. Klimaanlagen und Heizungen sorgen, laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), für 60 Prozent des gesamten Energiebedarfs.

Nach Angaben des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags liegt der durchschnittliche Energieverbrauch eines Krankenhauses bei 270 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr – das ist rund doppelt so hoch wie der von Verwaltungsgebäuden. Ein 500-Betten-Krankenhaus kann demnach bis zu 20 Millionen Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen. Das sorgt für hohe Treibhausgasemissionen – der Gesundheitssektor insgesamt ist für rund 6 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich und damit ungefähr so viel, wie die Stahlindustrie verursacht.

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Gesundheitssystem als Treiber der Klimakrise

Das Gesundheitswesen muss nicht nur höhere Belastungen auf Grund der Klimakrise meistern, sondern ist selbst ein Klimatreiber. Wäre der Gesundheitssektor ein Land, wäre er der fünftgrößte Emittent von Klimagasen im weltweiten Ranking der Länder.

Zudem sorgt der hohe Energieaufwand für wirtschaftliche Einbußen. Der Krankenhaussektor in Deutschland gibt rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für Energie aus – Tendenz steigend. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft haben bis zu 80 Prozent der Häuser für 2024 ein negatives Jahresergebnis ausgewiesen.

Wie es auch geht, zeigt ein Krankenhaus im Süden Dänemarks. Im Sygehus Sønderjylland, am Standort Sønderborg, wurden veraltete Heiz- und Kühlsysteme durch zwei industrielle Wärmepumpen und eine integrierte Wärmerückgewinnung ersetzt, und vor rund einem Jahr, am 28. Juni 2024, in Betrieb genommen. Wie das an dem Projekt beteiligte dänische Energieunternehmen Danfoss berichtet, konnte der jährliche Wärmebedarf um 13.857 Megawattstunden reduziert werden – das entspricht dem Heizenergiebedarf von 770 dänischen Haushalten.

Ermöglicht wurde dies, indem Abwärme aus den Kühlsystemen des Krankenhauses zurückgewonnen, mit einer Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und anschließend für die Heizung genutzt wird. Dabei produziert das Krankenhaus sogar überschüssige Wärme, die in das lokale Fernwärmenetz eingespeist wird. Das sorgt für eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Amortisationszeit des Projektes wird mit drei Jahren veranschlagt.

Neben Danfoss und dem Krankenhaus an der Umsetzung beteiligt, sind auch der lokale Fernwärmeversorger „Sønderborg Varme“ und die Region Syddanmark. An einem weiteren Standort des Sygehus Sønderjylland, in Aabenraa, wurde, gemeinsam mit dem lokalen Wärmeversorger Aabenraa Fjernvarme, im April dieses Jahres der Projektstart für die weitere Installation einer Wärmepumpe bekanntgegeben. Die Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2026 geplant.

Wir müssen die Elektrifizierung unserer Energiesysteme beschleunigen, indem wir Strom erschwinglicher machen

Martin Brander, Danfoss

Martin Brander, Senior Manager Global Sector Integration bei Danfoss, sagt: „Krankenhäuser haben eine große Chance, ihren Energieverbrauch zu senken, Betriebskosten zu reduzieren und Emissionen aus Heizung und Kühlung zu vermeiden. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, müssen wir jedoch die Elektrifizierung unserer Energiesysteme beschleunigen, indem wir Strom erschwinglicher machen.“ Diese Erschwinglichkeit sei jedoch nicht in allen Ländern und Regionen gleich. In Deutschland etwa müsse die Politik bessere Maßnahmen ergreifen, um die Strompreise zu senken und Subventionen für fossile Brennstoffe abzuschaffen.

Doch mit der angekündigten Abschaffung der Gasspeicherumlage steuert die Bundesregierung aktuell in die andere Richtung. Die Umlage wurde 2022 eingeführt, um Gasnetzbetreiber bei vorgeschriebenen Mindestfüllständen ihrer Gasspeicher zu entlasten. Die Mehrkosten trugen die Endkund:innen. Diese fallen nun weg und die Mehrkosten für die Gasnetzbetreiber werden aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert. Damit wird fossile Infrastruktur aus eigentlich für den Klimaschutz vorgesehenen Geldern finanziert. Zudem gibt es Kritik an der vom Bundeskabinett verabschiedeten Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes. Wichtige Regelungen zur Modernisierung und Flexibilisierung des Stromsystems sowie Chancen zur Beteiligung an der Energiewende würden weiter auf sich warten lassen.

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An der vom Bundeskabinett verabschiedeten EnWG-Novelle gibt es Kritik aus der Branche. Wichtige Regelungen zur Modernisierung und Flexibilisierung des Stromsystems sowie Chancen zur Beteiligung an der Energiewende lassen weiter auf sich warten.

Nichtdestotrotz gibt es auch in Deutschland Krankenhäuser, die bei Energie- und Wärmewende sowie Energieeffizienz vorangehen. Die Charité in Berlin nahm an ihrem Campus Virchow-Klinkum bereits 2017 eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK) Anlage in Betrieb, die Strom, Wärme und zinKälte effizienter im Verbund bereitstellt. Seit 2024 arbeitet die Charité zudem mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin an einem „kalten Nahwärmenetz“ als Reallabor für Wärme/Kälte im Klinikbetrieb.

Auch das Klinikum Stuttgart sowie das Klinikum St. Marien Amberg betreiben KWK-Anlagen zur effizienteren Nutzung der Energie. An dem Klinikum in Stuttgart, sowie Kliniken in Kiel, Lübeck, Nürnberg, Dortmund und Straubing kommen im Zuge von Umbaumaßnahmen auch vermehrt Wärmepumpen zum Einsatz. mg

Kommentare

Alex Scheid am 21.08.2025

Man könnte noch das Klinikum Frankfurt Höchst erwähnen, das erste Krankenhaus in Passivhausbauweise:

 

https://www.varisano.de/klinikum-frankfurt-hoechst/unser-neubau/passivhaus

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