Studie zur Rolle von Wärmenetzen: Fossile Brennstoffe aus Wärmenetzen verbannen

Rund 3.800 Wärmenetze gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. In großen Teilen wird die gelieferte Wärme fossil erzeugt. Der Umbau braucht politische Leitplanken, um nachhaltige Wärmequellen zu erschließen und die Kosten fair zu verteilen.
10.06.2026 – Nicht nur im privaten Heizungskeller, sondern auch im Wärmekraftwerk muss Altes raus und Neues rein – Technik, die nicht auf fossile Energieträger setzt. Um die lokal am besten geeignete Wärmequellen zu erschließen sind große Investitionsentscheidungen zu treffen und lange Finanzierungszeiträume abzusichern. In einer Studie im Auftrag des BUND hat das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) herausgearbeitet, wie die Politik den nachhaltigen Umbau forcieren kann.
Angelegt als Metastudie haben die Forscherinnen und Forscher in ihrer Analyse bereits existierende Szenarien ausgewertet und untersucht, welche Rolle Wärmenetze in der klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045 spielen und welche Hausaufgaben die Politik zu erledigen hat, um Wärmenetze ökologisch aus- und umzubauen.
Wärmenetze werden mehr Gebäude mit Wärme versorgen
Ein zentrales Ergebnis der Analyse, die sich auf drei Studien und insgesamt sechs Szenarien stützt: Zwar werden die allermeisten Gebäude auch zukünftig individuell beheizt werden, aber die Bedeutung von Wärmenetzen wird stark zunehmen. Der Handlungsdruck ist massiv: Fast drei Viertel der Wärme in bestehenden Wärmenetzen wird fossil erzeugt, kommt aus Energieträgern wie Erdgas, Kohle und Öl oder aus der Verbrennung fossiler Abfälle. Nur etwa zwei Prozent entfallen auf die Nutzung von Wärmepumpen, Solarthermie und Geothermie, die zukünftig den Großteil der Energie in Wärmenetzen bereitstellen sollen. Damit wird die enorme Aufgabe deutlich, die Kommunen in den nächsten 19 Jahren bewältigen müssen.
Effizienz ist das A und O
Alle Szenarien schreiben der Effizienz eine wichtige Rolle zu: Obwohl zukünftig immer mehr Gebäude ihre Wärme aus Wärmenetzen beziehen, geht der Endenergieverbrauch in Wärmenetzen in den Szenarien um 15 bis 30 Prozent zurück. Eine Annahme, die die Bedeutung der Effizienz unterstreicht, denn auch erneuerbare Energieträger sind nicht unbegrenzt verfügbar.
Zudem sind nicht alle erneuerbaren Energieträger gleichermaßen ökologisch tragfähig. „Wenn wir die Abwärme aus Müllverrennungsanlagen nutzen und deshalb darauf angewiesen sind, dass weiterhin Unmengen an Müll verbrannt werden, ist das nicht akzeptabel, ebenso wenig wie noch mehr Holz energetisch zu verwerten“, warnte Tina Löffelsend, Leiterin nationale Energie- und Klimapolitik beim BUND, bei der Vorstellung der Studie.
Die Ergebnisse der Analyse zu diesem Aspekt stellte Sara Ortner vom ifeu-Institut vor: „Wir haben uns dafür interessiert, aus welchen Energieträgern die Wärme in Wärmenetzen 2045 kommen wird.“ In allen sechs Szenarien spielt demnach die Umweltwärme in Verbindung mit Großwärmepumpen eine zentrale Rolle. Grüne Gase uns sonstige erneuerbare synthetische Brennstoffe werden in allen Szenarien eigesetzt, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Große Spannweiten gibt es beim Einsatz von Biomasse, Geothermie und Abwärme. Bei der Biomasse sei es laut Ortner schön zu sehen, dass die stoffliche Nutzung in allen Szenarien Vorrang vor der energetischen Nutzung hat und auch ein Rückgang im Vergleich zum Status quo ersichtlich ist. Allerdings gebe es auch Wärmepläne von Kommunen, in denen der Anteil der Biomasse bis zu 77 Prozent im Jahr 2045 beträgt.
Großwärmepumpen, Geo- und Solarthermie
Irmela Benz Colaço, Leiterin Wohn- und Gebäudepolitik beim BUND verwies auf den Konsens der Wissenschaft: „Der Großteil der Energie in Wärmenetzen soll zukünftig über Großwärmepumpen, Geo- und Solarthermie bereitgestellt werden. Außerdem setzen alle Szenarien darauf, dass der Energieverbrauch bis 2045 deutlich sinkt. Energiequellen, die nur eingeschränkt nachhaltig verfügbar sind, wie Wasserstoff, Biomethan, Holz und Abwärme, sollen eine Nebenrolle spielen.“
Der BUND fordert die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass die Verbrennung wertvoller Ressourcen auf ein Minimum begrenzt wird. Gesetzliche Obergrenzen, strenge Nachhaltigkeitskriterien sowie eine Verpflichtung, den Einsatz konfliktträchtiger Quellen umfassend zu begründen, seien hierzu erste notwendige Schritte.
Förderung muss über langen Zeitraum gesichert sein
Zudem sollte die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze verstetigt und von derzeit unter einer Milliarde Euro auf mindestens 3,5 Milliarden Euro jährlich aufgestockt werden. Gleichzeitig müsse die Elektrifizierung erleichtert werden. Zentral dafür sei die Reduktion der Stromsteuer.
Die im Wärmeplanungsgesetz formulierten Ziele – 50 Prozent Erneuerbare Wärme bis 2030, 80 Prozent bis 2040, müssen besser angesteuert werden: mit genauerem Monitoring, Zwischenzielen und Nachsteuerung, wenn die Zielverfehlung offensichtlich wird. Colaço betont: „Die Investitionszyklen sind lang. Wir können uns hier keine Verzögerungen leisten.“ pf

















































Kommentare
Rudolf Knierim am 11.06.2026
Wussten sie, dass die Fernwärme-Branche sich dagegen wehrt die Wärme im Rücklauf mit einer Temperatur von durchschnittlich 50-60grdC als Abwärme zu bezeichnen und sich damit nicht im Abwärmeregister einzutragen?
Mich würde hierzu die Sichtweise von IFEU interessieren.
Meine Sichtweise: Eine riesige Abwärmequelle nutzbar durch WP
Petra Franke / Redakteurin energiezukunft am 12.06.2026
Lieber Herr Knierim,
wir haben Frau Ortner vom ifeu um eine Antwort gebeten - hier ist sie: Die Wärme im Rücklauf von Wärmenetzen entspricht nicht der Definition unvermeidbarer Abwärme und sollte daher auch nicht in der Plattform für Abwärme eingetragen werden. Sie ist Teil des Wärmenetzsystems und wird weiterhin für die Wärmeversorgung benötigt. Eine Entnahme von Wärme aus dem Rücklauf würde den Bedarf an zusätzlicher Wärmeerzeugung an anderer Stelle erhöhen. Im Unterschied zu unvermeidbarer Abwärme handelt es sich somit nicht um Wärme, die ohne Nutzung an die Umwelt abgegeben würde.