ErdwärmeGeothermie in der EU hat Potenzial zur Stromerzeugung

Symbolbild Geysir
Geothermie in Europa kann Wärme, Strom, Speicherkapazität und Lithium liefern. Neue Tiefenbohrtechniken vervielfachen das Potenzial (Symbolbild Geysir: Sandra Seitamaa / Unsplash+ Lizenz).

Die Wärme unter unseren Füßen: Geothermie in Europa kann nicht nur Wärme, sondern auch Strom liefern. Das Potenzial könnte 42 Prozent der EU-Kohle- und Gasstromerzeugung ersetzen.

09.02.2026 – Geothermie könnte bis zu 42 Prozent der Kohle- und gasbefeuerten Stromerzeugung der EU ersetzen, zeigt die Analyse Hot Stuff: Geothermal Energy in Europe des Think-Tanks Ember.

In weiten Teilen Europas wurde Geothermie lange vor allem für sein Potenzial als Wärmequelle diskutiert. Dank technologischer Fortschritte bei Tiefenbohrungen sei Geothermie nun zu einer skalierbaren Stromoption auf dem gesamten Kontinent geworden.

Geothermie wird europaweit skalierbar und wettbewerbsfähig

Dank technologischer Fortschritte bei Tiefenbohrungen und sogenannten Enhanced Geothermal Systems (EGS) ist Geothermie nicht mehr auf wenige Hotspots wie Island beschränkt, sondern kann in weiten Teilen Europas als saubere, gesicherte Stromquelle genutzt werden. Ember identifiziert rund 43 GW geothermische Kapazität, die bereits zu Kosten unter 100 €/MWh entwickelt werden könnten – und damit preislich mit Kohle- und Gasstrom konkurrieren. Besonders großes Potenzial besteht in Ungarn, gefolgt von Polen, Deutschland und Frankreich. Geothermie könnte so die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten senken und die Energiesicherheit stärken.

Großes Ausbaupotenzial durch neue Bohrtechnologien

Lange Zeit war die begrenzte Bohrtiefe das Haupthindernis für Geothermie. Moderne Bohrtechniken, teils aus dem Öl- und Gassektor übernommen, ermöglichen nun den Zugang zu tieferen und heißeren Gesteinsschichten. Dadurch könnte sich das geothermische Strompotenzial Europas um ein Vielfaches erhöhen. Bei vollständiger Nutzung der identifizierten 43 GW ließen sich jährlich rund 301 TWh Strom erzeugen. Vor dem Hintergrund schwankender fossiler Energiepreise bietet Geothermie eine stabile, klimafreundliche Option – entscheidend ist nun, ob die politischen Rahmenbedingungen einen schnellen und umfassenden Ausbau erlauben.

Speicher, Strom-, Wärme-, und Lithiumlieferant

Geothermische Reservoirs können flexibel genutzt werden, um überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen aufzunehmen. Dies geschieht, indem zeitweise mehr Wasser in das Reservoir gepumpt wird, wodurch Wärme- und Druckenergie gespeichert werden. Zu einem späteren Zeitpunkt kann diese Energie wieder genutzt werden, um zusätzlich Strom zu erzeugen. Studien zeigen, dass sich Wärme so mehrere Tage lang speichern lässt – mit einer Effizienz, die mit Lithium-Ionen-Batterien vergleichbar ist. Da dafür die bestehende Geothermie-Infrastruktur genutzt wird, entsteht zusätzliche Flexibilität bei geringen Zusatzkosten.

Zusätzlich können mit geothermischen Anlagen wertvolle Rohstoffe wie Lithium aus dem geförderten Thermalwasser gewonnen werden. Moderne Verfahren zur direkten Lithiumextraktion können bis zu 95 Prozent des Lithiums zurückgewinnen – erheblich mehr als beim Hartgesteinsabbaum mit etwa 60 Prozent. Im Vergleich zu diesen herkömmlichen Bergbaumethoden benötigt die Lithiumextraktion mit geothermischen Anlagen zudem deutlich weniger Wasser und verursacht nahezu keine CO₂-Emissionen.

Tiefengeothermie in Deutschland

In Deutschland wird fast ausschließlich hydrothermale tiefe Geothermie genutzt, bei der heißes Tiefenwasser aus natürlichen Reservoiren an die Oberfläche gepumpt wird. Derzeit gibt es 40 Tiefengeothermieanlagen mit einer installierten Wärmeleistung von 408 MW und zwei weitere, die ausschließlich Strom produzieren. Die tiefe Geothermie stellt so 1,8 TWh pro Jahr bereit, was etwa 0,1 Prozent des Wärmebedarfs in Deutschland und etwa einem Prozent der erneuerbaren Fernwärme entspricht. Weitere 15 Anlagen befinden sich im Bau und rund 155 sind in Planung.

Mit dem Ende letzten Jahres verabschiedeten Geothermie-Beschleunigungsgesetz werden Erdwärme, Wärmepumpen und -speicher den anderen Erneuerbaren Energien gleichgestellt und als im überragenden öffentlichen Interesse stehend definiert. Das Gesetz soll Genehmigung und Bau von Geothermieprojekten sowie der gesamten Wärmeinfrastruktur inklusive Fernwärmeleitungen beschleunigen. Geplant sind Digitalisierung, verbindliche Höchstfristen für die Bearbeitung von Anträgen von einem Jahr im Berg- und Wasserrecht und der Entfall einer Genehmigung bei kleiner oberflächennaher Geothermie. Mit dem Gesetz werden auch Teile der EU-Richtlinie RED III in nationales Recht übertragen. Ziel der Bundesregierung ist, die Tiefengeothermie bis 2030 auf 10 TWh pro Jahr auszubauen. Es bleibt abzuwarten, ob auch das Potenzial der Geothermie zur Stromerzeugung tiefergehend in Betracht gezogen wird. jb

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