Wärmepumpen-Testzentrum in der Schweiz: Geprüft, zertifiziert und auf dem Vormarsch

Im Testzentrum St. Gallen begleiten Experten die Qualitätssprünge moderner Wärmepumpen. Der starke Wille zur Dekarbonisierung treibt die Innovationen für Gebäude und Industrie voran und ebnet den Weg zur Schweizer Energiewende.
15.05.2026 – Gaslobby und Boulevardpresse haben sie in der Zeit der Ampelregierung zum Enfant terrible der Energiewende erklärt: die Wärmepumpe. Das ist vorbei. Heute boomt die Technologie. Fast 300.000 in Deutschland verkaufte Geräte im Jahr 2025 bedeuten einen Zuwachs von 55 Prozent gegenüber 2024. Der Aufschwung setzt sich fort, prognostiziert der Bundesverband Wärmepumpe für die kommenden Jahre, wobei auch politisch entschieden wird, wie steil die Kurve ausfallen wird. Setzt der Bund die BEG-Förderung verlässlich fort, wie schnell stehen regenerative Alternativen parat, Stichwort kommunale Wärmeplanung, kommt 2028 der Emissionshandel im Gebäudesektor (ETS 2) wie geplant?
Ein Vor-Ort-Termin bei zwei Grad Celsius im Rheintal
Um zu beurteilen, was die Technologie leisten kann, hilft ein Blick in die Schweiz. Vor-Ort-Termin in Buchs, das liegt im Rheintal im Kanton St. Gallen: Mick Eschmann öffnet die Tür zur Klimakammer, und sofort schlägt dem Besucher eine frische Kälte entgegen, mit wenig frühlingshaften 2 Grad Celsius. Willkommen im Wärmepumpen-Testzentrum WPZ, das seit 2004 zur Ostschweizer Fachhochschule gehört und als akkreditierte Prüfstelle umfassende Prüfleistungen für die Hersteller anbietet. Vier Klimakammern stehen zur Verfügung, modular lassen sie sich vergrößern oder verkleinern.
So können hier jährlich etwa 120 Einheiten geprüft werden. Der Wärmepumpenmarkt ist groß. Allein in Deutschland gibt es mehr als 6.200 BAFA-förderfähige Geräte. Werden die alle auf dem Prüfstand in Buchs untersucht und zertifiziert? „Sehr viele Wärmepumpen sind bei der Bafa mehrfach gelistet“, relativiert WPZ-Leiter Mick Eschmann. Wenn ein Hersteller für mehrere Firmen produziert, kommen schon deswegen weit weniger Geräte auf den Prüfstand. „Schlussendlich sind es vielleicht gut tausend Wärmepumpen, die wirklich geprüft wurden“, erklärt der studierte Physiker. Von denen haben er und seine drei Mitarbeiter „viele geprüft, aber sicher nicht alle.“
Moderne Anlagen überzeugen durch enorme Effizienz und geringe Schallentwicklung
Getestet werden die Effizienz, also Wirkungsgrad und Energieausbeute, und speziell bei den Luft-Wasser-Wärmepumpen die Schallentwicklung. Nicht unwichtig für den Einsatz in Wohngebieten. „Das sind die beiden wichtigsten Motivationen, weswegen wir diese Tests anbieten“, sagt Eschmann. Die technologische Entwicklung sei enorm. „Die Anlagen sind deutlich leiser geworden, vor allem in den vergangenen fünf Jahren.“ Insgesamt gibt es aus seiner Sicht – sowohl für Neubau- als auch für Altbauprojekte – keine Bedenken mehr, auf die Wärmepumpe zu setzen. Früher kam es vor, dass die Geräte vor allem bei kalten Außentemperaturen ineffizient waren. Auch das ist vorbei. „Wärmepumpen, die heute auf dem Markt sind, haben Einsatzgrenzen bis minus 20 Grad Celsius, erreichen dort immer noch 55 Grad Vorlauftemperatur und sind wesentlich effizienter als früher.“
Was auffällt: Im Gebäudebestand ist die Wärmepumpe als Heizungstechnologie mit 23 Prozent in der Schweiz sehr viel weiterverbreitet als in Deutschland mit knapp fünf Prozent. Hintergrund sei, so Eschmann, die historische Entwicklung. Schon in den 1980er- und 1990er-Jahren hatte die Wärmepumpen-Technologie in der Schweiz einen Vorsprung gegenüber Deutschland, wo die großen Hersteller vor allem auf Gasheizungen gesetzt haben. „Das änderte sich aber in den letzten Jahren. Die deutschen Produzenten setzen nun auch auf diese Technologie.“ Im Vergleich aber zu den skandinavischen Ländern und auch zu Frankreich, wo die Wärmepumpe politisch stärker gepusht wurde, hinke selbst die Schweiz hinterher.
Großes Potenzial für den Bereich der Prozesswärme
Was im WPZ geprüft wird, betrifft zum größten Teil den Bereich der Wohngebäude. „Im industriellen Bereich fehlen überprüfbare Normen“, erklärt Eschmann. Dort gebe es mehr oder weniger Einzelanwendungen, die individuell auf die Anlage abgestimmt werden müssen. Insofern sind beispielsweise Flusswärmepumpen, wie sie etwa am Rhein in Köln, Mannheim, entstehen, nicht Gegenstand der Arbeit seines Teams. Aber: Beim IHW Forum – dem „Marktplatz für Industrie- und Hochtemperaturwärmepumpen“ –, zu dem die Ostschweizer Fachhochschule nach Buchs eingeladen hatte, diskutierten im März rund 150 Gäste über Lösungen, um die Dekarbonisierung in den Bereichen Industrie, Gewerbe oder Fernwärmeerzeuger voranzutreiben.
Das Potenzial ist beachtlich. „Heute gehen wir in der Schweiz davon aus, dass man im Bereich der Prozesswärme bis zur Hälfte der nötigen Energie durch Hochtemperaturwärmepumpen bereitstellen kann“, weiß Mick Eschmann. „Das wäre etwa ein Viertel vom Gesamtenergieverbrauch in der Industrie, die man durch die Wärmepumpe nach heutigem Stand ersetzen könnte.“ Auch hier ist die Entwicklung rasant. Vor drei, vier Jahren gab es noch wenige installierte Hochtemperatur-Wärmepumpen am Markt, was sich gerade rasant ändert, wie das IHW-Forum gezeigt hat. „Der Wille in der Industrie ist enorm groß, von Öl und Gas wegzukommen.“ bb





















































