Fraunhofer IEG-Projekt – WärmewendeInfoportal für Großwärmepumpen bringt Transparenz in den Markt

Ein Raum in grünem Licht mit Metallrohren und Wärmepumpe
Großwärmepumpen im Quartier Lück in Köln nutzen Abwasserwärme. (Foto: naturstrom AG)

In Europa könnten durch den Einsatz von Großwärmepumpen jährlich bis zu 150 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das neue Großwärmepumpen-Infoportal gibt nun detaillierte Informationen zu Technologieanbietern sowie Best-Practice-Beispielen.

19.08.2025 – Großwärmepumpen besitzen enormes Potenzial für die Defossilierung: Sie ermöglichen zuverlässig die Bereitstellung von Wärme bis 200°C für Industrie und Fernwärme. Dabei nutzen sie Energiequellen wie Abwärme aus Industrieprozessen oder Rechenzentren sowie Umgebungswärme, z. B. aus Flüssen. Doch der Markt ist noch nicht transparent, Praxisbeispiele wenig kommuniziert – welche Möglichkeiten gibt es überhaupt und wer sind die richtigen Ansprechpartner?

Das Fraunhofer IEG hat im Auftrag der LEA LandesEnergieAgentur Hessen nun mit dem neuen Großwärmepumpen-Infoportal eine Website geschaffen, die einen umfassenden Überblick über verfügbare Produkte, Hersteller sowie realisierte und geplante Projekte gibt. Auf der Suche nach passenden Lösungen und praktischen Anwendungsbeispielen war dafür eine enorme Eigenrecherche in vielen Datenquellen notwendig. Die zugrunde liegende Datenbank wurde im Rahmen des Projekt WinPro durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert und gestaltet.

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„Aus unseren Gesprächen mit Kommunen und Unternehmen kennen wir die Fragen aus der Praxis. Wir setzen dort an, wo bisher oft Unsicherheit herrschte – bei der Orientierung im Markt und der Auswahl passender Technologien“, erläutert Fabian Ahrendts vom Fraunhofer IEG. Sein Team im Competence Center für thermische Energieanlagen und Großwärmepumpen hat in den vergangen zwölf Monaten das Infoportal zusammengestellt und wird es weiter aktuell halten. „In die Datenbank fließt unsere eigene angewandte Forschung mit der Industrie ein, aber wir sammeln auch Informationen aus frei zugänglichen Quellen und lektorieren Einträge der einschlägigen Marktteilnehmer. Wir versuchen Markttransparenz herzustellen und auf diesem Wege den Rollout zu beschleunigen.“ Perspektivisch werden in die Datenbank reale Messdaten von Prüfständen und aus dem Feld einfließen. Das Fraunhofer IEG betreibt dazu eine eigne Forschungs- und Erprobungsanlagen für Hochtemperatur-Wärmepumpen in Bochum und Cottbus, mit denen Aggregate für Fernwärme- und Dampfbereitstellung getestet werden können.

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Ein europaweit einzigartiges Portal

Das Herzstück des europaweit einzigartigen Portals bildet eine umfassende Datenbank, die detaillierte Informationen zu den am Markt verfügbaren Großwärmepumpen und Herstellern bereitstellt. Vielfältige Filteroptionen – u.a. für Leistungsbereich, Temperaturbereich und Kältemittelkategorie – ermöglichen eine gezielte Produktsuche für kommende Betreiber. Zudem liefert die Datenbank laut Fraunhofer IEG auch Einblicke in geplante und umgesetzte Projekte in Deutschland. Ergänzt wird das Angebot durch vertiefende Informationen zu Technologien, Kältemittelauswahl und Verschaltungsvarianten sowie durch einen integrierten Wirkungsgrad-Rechner, der die Effizienz verschiedener Systeme vergleichbar macht.

Die Auswahl der passenden Großwärmepumpe hänge stark von den lokalen Gegebenheiten ab, berichten die Forscher. Diese beeinflussten wichtige technische Merkmale wie das Kältemittel, die Verdichtertechnologie sowie die Bauform und Verschaltung der Wärmepumpe. Ziel des Infoportals sei es, Planern und Betreibern von Wärmenetzen sowie energieintensive Industrien mit Wissen über vorhandene, praxisorientierte Lösungen zu unterstützen. Das Infoportal biete genau die Transparenz die notwendig sei, um Großwärmepumpen in Industrieprozessen oder zur Fernwärmeversorgung optimal einzusetzen.

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Transformation der Energiesysteme

Der Wandel der Energiesysteme stellt die Industrie und die Wärmebranche vor große Herausforderungen, insbesondere in hohen Temperatur- und Leistungsbereichen. Großwärmepumpen rücken deshalb als Schlüsseltechnologie immer stärker in den Fokus. „Mit dem neuen Infoportal schließen wir eine entscheidende Informationslücke auf dem Weg zu klimaneutralen Wärmenetzen und Industrieprozessen. Damit gehen wir einen wichtigen Schritt zur bundesweiten Energiewende“, so der hessische Energieminister Kaweh Mansoori anlässlich der Vorstellung des Infoportals. Großwärmepumpen ermöglichten eine zuverlässige Erzeugung von Wärme bis 200°C, in Verbindung mit Dampfkompressoren sogar bis 300°C. „So hohe Temperaturen werden beispielsweise in der Metallverarbeitung oder in der Chemie-Branche benötigt und werden durch die Verbrennung fossiler Energiequellen erreicht. Großwärmepumpen hingegen nutzen erneuerbare Energiequellen wie zum Beispiel die Umgebungswärme aus Flüssen oder der Luft sowie Abwärme aus Industrieprozessen oder Rechenzentren."

Das Großwärmepumpen Info-Portal ist ab sofort online verfügbar unter www.grosswaermepumpen-info.de

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