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BayernKleine Kommunen setzen bei der Wärmeplanung auf Zusammenarbeit

Luftaufnahme einer Energieanlage am Ortsrand: Im Vordergrund befindet sich ein großes Feld mit Solarkollektoren, dahinter mehrere Gebäude, Tanks und technische Anlagen eines Heiz- oder Energiezentrums. Im Hintergrund liegt eine Kleinstadt mit dicht stehenden Häusern und roten Dächern, umgeben von Feldern und Wald.
In Markt Erlbach, Mitglied der Kommunalen Allianz Aurach-Zenn, wird bereits ein Wärmenetz mit Solarthermie und regionaler Biomasse betrieben. (Bild: naturstrom AG) 

Die Voraussetzungen bei der Wärmewende sind gut, aber bei der Wärmeplanung hängt Bayern im bundesweiten Vergleich hinterher. Ein Verbund von sieben Gemeinden in Mittelfranken geht nun voran und greift auf externe Expertise zurück.

10.12.2025 – Die kommunale Wärmeplanung schreitet voran und beschreitet vielfältige Wege. Dafür greifen größere und kleinere Kommunen vielfach auf externe Expertise zurück. Kleinere Kommunen schließen sich zudem zu Verbünden zusammen. So auch die Kommunale Allianz Aurach-Zenn, ein Zusammenschluss von sieben Kommunen in Nordbayern, mit rund 20.000 Einwohner:innen.

Dort übernehmen der Ökoenergieversorger naturstrom und die seit Juni zum Konzern gehörende Tochtergesellschaft EnergyEffizienz GmbH, die Planung der Wärmewende in den sieben Kommunen. Die EnergyEffizienz bringt ihre seit Jahren gewachsene Expertise in der Wärmeplanung ein. Derzeit bearbeitet das Team über 50 laufende Projekte, darunter über 25 kommunale Wärmepläne.

„Die Kolleg:innen der EnergyEffizienz sind in der Wärmeplanung erfahren und sehr gut aufgestellt“, erläutert Silke Bartolomäus, Abteilungsleiterin Projektbegleitende Kommunikation und Bürgerenergie bei naturstrom. „Wir steuern zum Gesamtpaket unsere Expertise aus der Standortkommunikation und Bürgerbeteiligung bei, die wir bei der Begleitung vieler naturstrom-Projekte aufgebaut haben.“ Neben Windenergie- und Solaranlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 280 Megawatt, betreibt naturstrom auch mehrere Wärmenetze auf Basis von Holz und Solarthermie, vornehmlich in Nordbayern und Rheinland-Pfalz.

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Rebecca Schneider, Betriebsleiterin technische Betriebsführung, naturstrom AG

naturstrom-Mitarbeiterin Rebecca Schneider vor der Heizzentrale im fränkischen Hallerndorf

Während größere Städte ab 100.000 Einwohner:innen schon bis Mitte des kommenden Jahres eine fertige Wärmeplanung vorlegen müssen, haben kleinere Kommunen noch bis Mitte 2028 Zeit. Mit der kommunalen Wärmeplanung müssen Städte und Gemeinden bis dahin den Wärmebedarf ermitteln, die vorhandene Versorgung, eine Bewertung der Potenziale erneuerbarer Wärmequellen vor Ort – etwa Biomasse, Solarthermie, Geothermie, Abwärme, Flusswärme – und einen Plan für die zukünftige Wärmeversorgung vorlegen.

Im ländlich geprägten Bayern haben erst 3 Prozent der Kommunen ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. Zwar sind schon einige in Bearbeitung, aber bei 62 Prozent und damit 1.276 Kommunen ist der Stand der Planungen noch vollkommen unbekannt. Das geht aus einer Analyse der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hervor, die den Stand der Wärmewende und Wärmeplanungen in allen 16 Bundesländern untersucht hat. In Bayern kommen nun sieben Kommunen hinzu.

Bei den Flächenländern führend ist aktuell Baden-Württemberg, mit 26 Prozent der Kommunen, die die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben. Das Land ging die Herausforderung Wärmewende schon früher an als alle anderen Bundesländer und der Bund. Im Herbst 2020 führte das Baden-Württemberg als erstes deutsches Bundesland eine verpflichtende kommunale Wärmeplanung für Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohner:innen ein. Bis Ende 2023 wurden diese dazu verpflichtet, einen Wärmeplan aufzustellen, mit dem Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands 2040. Gemeinden mit weniger als 20.000 Bewohner:innen müssen nun nach Bundesrecht und überführt ins Landesrecht ebenfalls aktiv werden.

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Mächtig ins Zeug gelegt hat sich und muss Nordrhein-Westfalen. Das Land hat 30 Städte mit über 100.000 Einwohner:innen, die also schon bis Mitte kommenden Jahres ihre Wärmepläne fertig haben müssen. Bei insgesamt 396 Gemeinden, sind aber auch kleinere Kommunen schon mitten im Prozess der Wärmeplanung. Laut AEE sind in 49 Kommunen (12 Prozent) die Planungen schon abgeschlossen und in weiteren 273 (69 Prozent) in Bearbeitung. Das Land NRW ist offensichtlich hinterher die Prozesse voranzutreiben. Zum Vergleich: Zwar führt Baden-Württemberg bei den abgeschlossenen Wärmeplanungen, zugleich aber ist der Status bei 384 Kommunen unbekannt, in NRW sind es nur 74.

In den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen laufen die Prozesse und in Bremen ist die Planung schon zu 50 Prozent abgeschlossen, da Bremerhaven seine kommunale Wärmeplanung bereits vorgelegt hat.

Gute Voraussetzungen in Bayern

Eine Wärmeplanung heißt aber noch nicht, dass auch die Wärmewende schon weit fortgeschritten sei. Noch wird in Baden-Württemberg bundesweit am häufigsten mit Gas und Öl geheizt – rund 70 Prozent. In Bayern dagegen bestehen guten Voraussetzungen. Zwar ist der wichtigste Wärmelieferant immer noch das Heizöl. Zugleich deckte 2023 Biomasse rund 23,5 Prozent des gesamten Wärmebedarfs. Der Anteil von Pelletheizungen ist hier mit 12,4 Prozent am höchsten. Auch bei der Wärmepumpe verzeichnet Bayern mit 7,1 Prozent den höchsten Wert.

Auch hat Bayern bereits ein vergleichsweise gut ausgebautes Fernwärmenetz. Sie deckt etwa 14 Prozent der Haushalte ab. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Fernwärme beträgt 33,7 Prozent – das ist Deutschlandweiter Spitzenwert. Den Löwenanteil daran macht die Biomasse aus und in Bayern ist auch die Tiefengeothermie bereits verbreitet.

In Mittelfranken, Heimat der sieben Gemeinden der Kommunalen Allianz Aurach-Zenn, liegt der Anteil Erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung, laut Energieatlas Bayern, bei 17 Prozent insgesamt und 23 Prozent bei Privathaushalten. Es dominieren Biomasse basierte Heizsysteme. Das weitere Potenzial für die Wärmewende müssen die EnergyEffizienz und naturstrom nun erarbeiten. mg

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