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Kommunale WärmeplanungMünchner Pilotprojekt macht Wärmewende einfacher

Zwei Männer in Bauwesten und Bauhelmen neben einem großen Bohrer, der in die Erde bohrt Wärmepumpen-System mit einem Brunnen im München
Stück für Stück bohren die Arbeiter die beiden Projekt-Brunnen in die Tiefe. (Fotos: SWM/Matthias Rothe)

In München Pasing entsteht eine Pilotanlage für ein innovatives Wärmepumpen-System, das nur noch einen Brunnen benötigt statt zwei. Das senkt nicht nur die Kosten, es vereinfacht und beschleunigt die Wärmewende im städtischen Umfeld erheblich.

27.07.2026 – Das Haus für Kinder in der Oselstraße in Pasing beheimatet täglich rund 100 Kinder in mehreren Krippen-, Kindergarten- und Hortgruppen. Beim Blick aus dem Fenster fasziniert die Kinder derzeit vor allem das über 10 Meter hohe Bohrgerät und die langen Rohre, mit denen im Garten gebaut wird. Hier entsteht derzeit eine Pilotanlage für ein innovatives Wärmepumpen-System, das nur noch einen Brunnen benötigt anstatt zwei. Das senkt nicht nur die Kosten, es vereinfache und beschleunige die Wärmewende gerade im städtischen Umfeld erheblich, berichten die Akteure. Möglich wird das Projekt durch die enge Zusammenarbeit von TU München, Stadtwerken München, Landeshauptstadt München und der Brunnenbaufirma BauGrund Süd.

Mangelnder Platz in Städten

München meint es ernst mit der Energie- und Wärmewende. Mit seinem Plan zur Transforma-tion der Wärmeversorgung treibt die Stadt das Thema voran. Der Fokus liegt auf dem Ausbau der Geothermienutzung und der Fernwärme. Abseits von Fernwärmegebieten wird die Elektrifizierung der Wärmeversorgung favorisiert. Nur mit Wärmepumpen oder Nahwärme-Lösungen lassen sich die Emissionen reduzieren und gleichzeitig die Kosten auch zukünftig im Griff behalten, ist die Stadt überzeugt.

Die hydrogeologischen Voraussetzungen im Münchner Untergrund wären optimal für Grundwasserwärmepumpen, aber mangelnder Platz stelle oft eine unüberwindbare Hürde dar. In München ist rund ein Drittel der städtischen und privaten Grundstücke zu klein für die benötigten zwei Brunnenbohrungen für Wasser-Zu- und -Ablauf, berichten Stadt und Projektierer. In vielen Städten sehe es ähnlich aus. Um die Wärmewende voranzubringen, brauche es also Lösungen, die erneuerbare Wärmeversorgung auch dort ermöglichen, die bisher aus technischen oder räumlichen Gründen ausgeschlossen waren.

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Innovation „Made in München“

Genau hier setzt das an der TU München entwickelte Einbrunnen-System an. Es überträgt das bisher vor allem in geklüfteten Aquiferen oder Aquiferen mit geringdurchlässiger Trennschicht erprobte Einbrunnen-Konzept in hochdurchlässige, homogenere Aquifere wie die Münchner Schotterebene. Zudem wurde eine Methode zur Potenzialeinschätzung dieses Systems entwickelt, berichten die Projektierer, die zeigt, dass hierfür im Münchner Stadtgebiet ein gutes technisches Potenzial besteht. Damit werde erneuerbare Wärme erstmals auf deutlich mehr Flächen nutzbar und könnte über München hinaus als kraftvoller Impulsgeber für die Wärmewende dienen – insbesondere abseits der bestehenden Fernwärmeinfrastruktur, sagen die Projektierer und Ingenieure.

Normalerweise benötigt eine Grundwasserwärmepumpe zwei Brunnen: Über einen wird das Grundwasser entnommen, über den zweiten wird das Wasser in den Untergrund zurückgeleitet. Damit sich die Brunnen nicht „kurzschließen“, müssen sie einen gewissen Mindestabstand haben, erklärt das Projektteam.

Das Einbrunnen-System verbessere die technische Machbarkeit deutlich, da nur ein einziger Brunnenstandort benötigt werde. Dadurch könne eine Grundwasserwärmepumpe auch dort umgesetzt werden, wo herkömmliche Systeme aufgrund begrenzter Platzverhältnisse oder eingeschränkter Zugänglichkeit bisher nicht umsetzbar waren. Zudem reduziere der Wegfall eines zweiten Brunnens den baulichen Aufwand und führt zu geringeren Investitionskosten. In Summe wäre das Einbrunnen-System rund ein Drittel günstiger als die Variante mit zwei Brunnen, berichten die Akteure.

„Die Besonderheit unseres Systems liegt darin, dass Entnahme und Wiedereinleitung des Grundwassers über einen einzigen Brunnen erfolgen“, erklärt Kai Zosseder, Lehrstuhl für Hydrogeologie an der TU München. „Eine innenliegende Abdichtung verhindert, dass gekühltes Wasser im Brunnen direkt wieder in die Entnahmezone zurückströmt. Die relativ hohe natürliche Fließgeschwindigkeit im Grundwasser verhindert, dass das auch nicht großräumiger im Grundwasserleiter passiert.“ Es sei erfreulich zu sehen, wie aus einer theoretischen Idee aus der Forschung eine praxisnahe Lösung entsteht, die einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leisten kann.

„Als ausführende Fachfirma, die den Brunnen realisiert, empfanden wir die Aufgabenstellung als besonders spannend und bereichernd“, ergänzt Alois Jäger, Geschäftsführer BauGrund Süd. Seine Firma war von Anfang an in sämtliche Belange eingebunden und konnte so mitgestalten.

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Gemeinsam mit der Landeshauptstadt München setzen die Stadtwerke München bei der Wärmewende vorrangig auf den Ausbau der Fernwärme und der Geothermie. In Gebieten ohne Fernwärmenetz ist meist die Wärmepumpe das Mittel der Wahl, um sich bei Heizung und Warmwasser zukunftssicher aufzustellen.

Das Pilotprojekt Oselstraße

Am Haus für Kinder wurden bereits vor einigen Wochen Grundwassermessstellen errichtet und Pumpversuche durchgeführt, um die hydrogeologischen Bedingungen am Standort wie hydraulische Durchlässigkeit und Wasserchemie zu bestimmen. Nun wurden die beiden Brunnen gebohrt.

„Auf dem Gelände der Kita errichten wir zwei verschiedene Einbrunnen-Systeme, wobei jedes einzelne deren Bedarf decken kann“, erläutert SWM Projektleiter Manuel Gossler. „Im Rahmen des Pilotprojekts wird ermittelt, welche Bauweise besser geeignet und in der Praxis einfacher umzusetzen ist. Bei dem einen System gibt es innerhalb der Bohrung zwei parallel angeordnete Rohre für Entnahme und Einleitung des Wassers. Die zweite Ausbauvariante ist ein Rohr-in-Rohr-System, das etwas platzsparender ist und auch bei kleineren Bohrdurchmessern zum Einsatz kommen kann.“

Die Probeläufe werden eng überwacht, um eine wissenschaftlich fundierte Bewertung der Systeme zu ermöglichen, so die Projektierer. Neben den Temperatur- und Wasserstands-Sensoren in den Brunnen kommen dabei auch Temperaturmessketten in den Grundwassermessstellen zur tiefenaufgelösten Temperaturüberwachung zum Einsatz.

Zusätzlich seien Tracertests geplant, um die Hydraulik der Einbrunnen-Systeme detailliert überprüfen zu können, also die Interaktion der Anlagen mit der wasserführenden Schicht. Diese Tests werden laut den Akteuren nach Fertigstellung der Einbrunnen-Systeme im Laufe des Jahres 2026 stattfinden. Die Gesamtinbetriebnahme soll mit Abschluss der Umstellung des Heizungssystems im Jahr 2027 erfolgen. Danach werde die Anlage dann als Gesamtsystem im Betrieb bis 2029 begleitend weiter untersucht. na

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