Köln-Ehrenfeld: Neues Quartier für die Kölner Wärmewende

Noch wird Kölns Wärmeversorgung überwiegend mit fossilen Energien bestritten. Gleichzeitig entstehen neue Quartiere, die auf Solarstrom und Wärmepumpen setzen. In Ehrenfeld zeigt ein Neubauprojekt, wie ein Teil der städtischen Wärmewende aussehen kann.
29.09.2026 – Dort, wo einst gewerblich genutzte Hallen standen, entsteht aktuell in rasantem Tempo ein Neubauprojekt mit 91 Eigentumswohnungen. Im Zentrum des Kölner Stadtteils Ehrenfeld baut die wvm-Gruppe seit nunmehr einem Jahr ein Quartier, das bei seiner Fertigstellung 2027 höchsten Standards in Sachen Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien entsprechen soll. Verantwortlich für die Erneuerbare Energieversorgung im Quartier wird die naturstrom AG sein.
Die fünf Mehrfamilienhäuser werden nach dem KfW-Effizienzhaus-Standard 55 errichtet. Heißt: Die Häuser verbrauchen nur 55 Prozent des Primärenergiebedarfs im Vergleich zu einem vergleichbaren Referenzhaus, das u. a. nur Mindestdämmwerte und eine fossile Heizung hat. Dabei darf das Gebäude nur 70 Prozent der Wärmeverluste des Referenzgebäudes aufweisen. Für den geringen und Erneuerbaren Energiebedarf sorgen Solarmodule mit einer Leistung von 151 Kilowatt-Peak, deren Stromerzeugung sowohl in die Steckdosen als auch die Heizungen der Wohnungen fließt.
Drei Luft-Wasser-Wärmepumpen mit einer Ausgangsleistung von je 92,8 Kilowatt speisen den zentralen Heizspeicher des Quartiers – abhängig von der Außentemperatur – mit bis zu 40 Grad Celsius heißem Wasser. Das angeschlossene Gebäudewärmenetz verteilt die Heizwärme anschließend in die einzelnen Wohnungen. Die Trinkwassererwärmung hingegen erfolgt dezentral über Wohnungsstationen, die ihre Ausgangswärme aus von den Wärmepumpen gespeisten Pufferspeichern beziehen.
Reicht der Solarstrom vom Dach nicht aus, liefert naturstrom eigenen Angaben zufolge „zertifizierten Ökostrom aus Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie aus dem Netz.“ Strom aus den Solarmodulen und dem Netz, der auch zum Laden von E-Autos in der Tiefgarage genutzt werden kann, wo bei Bedarf Wallboxen aufgestellt werden. „Auch im urbanen Raum haben wir große Erneuerbare-Potenziale: Das Quartier in der Leyendeckerstraße zeigt, wie in Städten lokale Energiequellen effizient genutzt werden können“, erläutert Dr. Sarah Debor, Geschäftsfeldleiterin Urbanes Wohnen und Gewerbe bei der naturstrom AG.
Ziel: 2035 „klimaneutral“
Köln befindet sich insgesamt im Wandel, was die Strom- und Wärmeversorgung angeht. 2021 beschloss die Stadt, dass der größte kommunale Energieversorger, die RheinEnergie, die sich zu zwei Dritteln in der Hand der Stadt befindet, bis 2035 „klimaneutral“ werden soll. Bis dahin sollen Strom- und Wärmeversorgung zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umgestellt werden.
Ein Erfolg für den Klimaschutz, der u. a. auf die Bürgerinitiative „Klimawende Köln“ zurückzuführen ist. Diese hatte ein Bürgerbegehren initiiert, das eine klimaneutrale Stromversorgung bis 2030 forderte. Nachdem bei den Kommunalwahlen 2020 die Grünen als stärkste Kraft hervorgingen und auch VOLT den Prozess unterstützte, kamen Bürgerinitiative und RheinEnergie zusammen und einigten sich schließlich auf eine klimaneutrale Strom- und Wärmeversorgung bis 2035.
Den Vorgaben der kommunalen Wärmeplanung des Bundes folgend, legte Köln im Mai 2026 zudem eine eigene Wärmeplanung vor. Darin hält die Stadt am Ziel der klimaneutralen Versorgung bis 2035 fest. Die RheinEnergie bleibt dabei zentraler Akteur. Diese plant unter anderem eine Großwärmepumpe am Rhein, mit dem Fluss als Wärmequelle und einer Wärmeleistung von 150 Megawatt. 50.000 Haushalte sollen damit versorgt werden. Unternehmensangaben zufolge soll die Anlage perspektivisch bis zu 30 Prozent der Kölner Fernwärme dekarbonisieren. 280 Millionen Euro betragen die Kosten des Projektes voraussichtlich, das 2028 in Betrieb gehen soll.
Insgesamt wollen Stadt und RheinEnergie annähernd vier Milliarden Euro in eine klimaneutrale Strom- und Wärmeversorgung investieren; knapp zwei Milliarden davon sollen in Infrastruktur fließen. Das wird aber nur ein geringer Teil dessen sein, was nötig ist, um die Energieversorgung zu dekarbonisieren. Daher liegt der Schwerpunkt weniger darin, dass die Stadt selbst baut, sondern darin, private Investitionen überhaupt möglich und schneller umsetzbar zu machen.
Dazu gehören unter anderem die stärkere Berücksichtigung der Wärmeplanung in Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen, Regeln für Wärmeerzeugungsanlagen im öffentlichen Raum, vereinfachte Verfahren für Leitungsquerungen und Tiefbau, eine bessere digitale Koordination der Genehmigungen, ein digitales Abbild der Stadt mit für die Wärmeplanung relevanten Parametern sowie Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte für Quartiers- und Wärmenetze. Das sind Schwerpunkte, die auch für künftige Quartiere, wie das an der Leyendeckerstraße, aber auch das ebenfalls von wvm und naturstrom realisierte Quartier Lück, relevant sind.
Noch aber besteht die Wärmeversorgung zu einem Großteil aus fossilen Brennstoffen. Die Fernwärmenetze (rund 16 Prozent der gesamten Kölner Wärmeversorgung) werden zu einem erheblichen Anteil (83 Prozent und mehr) mit Erdgas betrieben. Einen bedeutenden Schritt in die Erneuerbare Fernwärmeversorgung soll die Großwärmepumpe am Rhein bringen. Kohle spielt inzwischen keine Rolle mehr, aber der Anteil von Erdgas an der Versorgung insgesamt ist ebenfalls weiterhin hoch, mit rund 76 Prozent. Es bleibt also noch viel zu tun. Quartiere mit dezentraler Erneuerbarer Wärmeversorgung können einen wichtigen Beitrag leisten. mg























































