Bis 2026 respektive Mitte 2028 müssen Kommunen in Deutschland einen kommunalen Wärmeplan erstellen, wie ihre Wärmeversorgung mit nachhaltigen CO2-freien Energiequellen erfolgen kann. Der Ökoenergie-Versorger naturstrom unterstützt Städte und Gemeinden seit etlichen Jahren bei der Planung und Umsetzung in mittlerweile 25 Projekten bundesweit. Elf dieser kommunalen Wärmewende-Projekte sind Klassische Nahwärmenetze: Die Hochtemperaturnetze arbeiten mit Biomasse und Solarthermie und bieten besonders im ländlichen Raum eine echte Alternative zum Heizen mit fossilen Energien.
Rebecca, Christian, als Betriebsleiter seid ihr in Nahwärme-Projekten von naturstrom unverzichtbar. Für was genau seid ihr zuständig?
Rebecca: Kurz gesagt sind wir dafür verantwortlich, dass unseren Kunden nicht kalt wird. Dafür müssen alle technischen Komponenten einwandfrei funktionieren – von der Heizzentrale bis zu den Wärmeübergabestationen. Ob Heizkessel, Pumpe oder Leitungsnetz: es fallen immer wieder Wartungs- und Reparaturarbeiten an.
Christian: Wir haben auch die Optimierung der Betriebe im Blick. Man kann immer wieder etwas verbessern, um weniger Brennmaterial zu verbrauchen oder Verschleiß und Störungen zu vermeiden. Wie in den meisten Jobs gibt es noch einige administrative Berichtspflichten wie Umweltgutachten oder Emissionsmessungen.
Für welche naturstrom-Projekte seid ihr zuständig?
Rebecca: Ich bin Betriebsleiterin in drei Nahwärme-Projekten. Zwei davon befinden sich in Franken – Hallerndorf liegt sogar direkt in der Nähe unseres naturstrom-Standorts in Eggolsheim. Der dritte Betrieb ist in Baden-Württemberg. Dort muss ich aber zum Glück nicht so oft hin, da wir dort ein kaltes Nahwärmenetz verlegt haben, das weniger wartungsintensiv ist.
Christian: Bei mir sind es auch vier Projekte, drei klassische Nahwärmenetze und ein Quartiersprojekt. Bis auf Bechstedt in Thüringen sind meine Projekte auch bei uns in Bayern – das ist auch die Fokusregion bei uns in der klassischen Nahwärme.
Wann wart ihr bei eurer Arbeit zuletzt besonders gefordert?
Rebecca: Im Winter kommt es schonmal zu „Noteinsätzen“. Letzten Winter kam ich einmal ganz schön ins Schwitzen, als eines Abends die Heizkessel wegen eines Software-Updates nicht mehr angesprungen sind. Es war bereits 20 Uhr und wir brauchten die Wärme der Kessel unbedingt in dieser kalten Nacht. Das Problem war offenbar eine falsche Programmierung und in der Hotline des Kesselherstellers war niemand mehr erreichbar. Hier musste ich einige Stunden ausprobieren, bis ich das Problem gelöst hatte. Nach der Heizsaison können wir dann wieder aufatmen und es ist auch mal ein längerer Sommerurlaub möglich.
In euren Nahwärme-Betrieben kommen hauptsächlich Holzhackschnitzel und Solarthermie zum Einsatz. Was ist der Vorteil dieser Kombination?
Christian: Der Vorteil der Holzhackschnitzel ist, dass wir diese regional aus Waldrestholz beziehen können. Durch die Solarthermie-Anlagen können wir im Sommer den Holzeinsatz deutlich reduzieren und Verschleiß an den Kesseln vorbeugen. Die Solarthermie ist außerdem vollkommen emissions- und geräuschfrei und auch für uns recht wartungsarm.
Braucht man für die Module der Solarthermie-Anlage nicht besonders viel Fläche?
Christian: Stimmt, in ländlichen Regionen hat man da mehr Spielraum. Der Vorteil ist, dass die Fläche unter den Modulen nicht versiegelt wird, sondern weiterhin der Natur zur Verfügung steht. Da wachsen verschiedene Wildblumen und beim Mähen helfen uns Schafe oder Gänse, die unter den Modulen weiden.
Wer sind eure Partner in der Zusammenarbeit vor Ort?
Christian: Bei den Biomasse-Projekten werden wir tatkräftig von Heizwarten vor Ort unterstützt. Sie sind unsere unverzichtbaren Augen und Ohren! Trotz der digitalen Fernüberwachung braucht es einfach jemanden, der regelmäßig in der Heizzentrale vorbeischaut.
Rebecca: Ansonsten sind lokale Fachfirmen unsere wichtigsten Dienstleister. Das sind Heizungsbauer, Metallbauer, Elektriker, Tiefbauer und vor allem auch Holzlieferanten.
Seid ihr auch im Kontakt mit den Anwohnerinnen und Anwohnern, die ans Nahwärmenetz angeschlossen sind?
Christian: Ja, natürlich. Die Kunden können sich bei Problemen tagsüber an den Kundenservice wenden. Wir suchen dann nach der Fehlerquelle und wie wir den Kunden am besten helfen können.
Rebecca: Genau, bei technischen Problemen sind wir stets für unsere Kunden erreichbar. Mit dem Großteil unserer Nahwärmkunden habe ich bereits einmal telefoniert, weil es Fragen gab. Daher kenne ich fast alle unsere Anschlussnehmer mit Namen. Auch für interessierte Neukunden sind wir die erste Anlaufstelle.
Ganz allgemein: Welches Potenzial haben Nahwärmenetze eurer Meinung nach für eine nachhaltige Energieversorgung auf dem Land?
Rebecca: Fakt ist, dass immer noch ein Großteil der Privathaushalte mit Heizöl oder Erdgas heizt. Besonders bei älteren Einfamilienhäusern im ländlichen Raum. Ein Nahwärmenetz ist da eine Chance, auf einen Schlag viele alte Öl- und Gasheizungen zu ersetzen.
Christian: Dafür muss das Nahwärmenetz natürlich mit Erneuerbaren Energien beheizt werden. Zum Beispiel mit Solarthermie oder Wärmepumpen. Holz ist zwar auch ein Brennstoff, aber eindeutig nachhaltiger als Öl und Gas und kann vor Ort gewonnen werden.Durch den regionalen Holzeinkauf bleibt die Wertschöpfung direkt in der Region.
Rebecca: Der Bau von Nahwärmenetzen auf dem Land wird in den nächsten Jahren auch noch mehr Fahrt aufnehmen. Kleine Gemeinden unter 100.000 Einwohnern müssen laut dem Wärmeplanungsgesetz bis 2028 einen eigenen Wärmeplan erstellen und schauen sich dann nach Lösungen um.
Vielen Dank für eure Einblicke. Wir wünschen euch einen möglichst störungsfreien Betrieb für die kommende Heizperiode!
Das Interview führte Franziska Mehrbach.



















































