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Marktreport SolarthermieSolarer Wärme in Europa fehlt politischer Rückhalt

Solarthermieanlage, Berge, Dorf
Solarthermisches Großprojekt in der Steiermark: 7000 Quadratmeter Hochleistungskollektoren mit 5 Megawatt Leistung zur Versorgung von 420 Wohnungen. In den Sommermonaten kommt die benötigte Wärme komplett aus der Anlage. (Foto. www.solid.at)

Die Hersteller von Solarthermieanlagen haben Zahlen zur Marktentwicklung 2023 vorgelegt. Insgesamt ist das Wachstum stark gebremst. Die meisten Länder verzeichnen einen Rückgang der Installationen. In Großbritannien hingegen läuft der Markt hoch.

10.07.2024 – Anlässlich ihrer Generalversammlung in Brüssel hat die Solarthermie-Branche den Marktbericht 2023 veröffentlicht. Gefordert werden klare und stabile politische Anreize für Solarwärme.

„Die Dynamik, die wir im Jahr 2022 auf dem Markt in Richtung mehr Energiesicherheit bei gleichzeitiger Erreichung der Pariser Klimaziele gesehen haben, scheint im Laufe des Jahres 2023 verloren gegangen zu sein“, bedauerte Valérie Séjourné, Geschäftsführerin von europäischen Solarthermieverband Solar Heat Europe. „Wie andere Sektoren der erneuerbaren Wärme beobachten wir in Europa bisher ein zu langsames Wachstum der installierten Gesamtkapazität unserer Technologie.“

Insgesamt wurden in Europa 1,8 Millionen Quadratmeterfläche zugebaut und in einem Großteil der Länder weniger installiert als im Jahr zuvor. Die kumulierte installierte Kapazität beträgt 41 Gigawattstunden, thermisch. Für ganz Europa wird für 2023 nur ein geringes Marktwachstum von 0,6 Prozent verzeichnet.

Große Unterschiede in den europäischen Staaten

Die Unterschiede in den einzelnen Ländern sind groß. In Großbritannien startete der Markt praktisch von Null. Die installierten 15.000 Quadratmeter Kollektorfläche bedeuten für das Land ein Marktwachstum von 70 Prozent. Bemerkenswert ist auch das Plus von 8 Prozent in Frankreich, denn die Solarthermie spielt in Frankreich seit Jahren eher eine untergeordnete Rolle.  Hier wirkt das Renovierungsprogramm, das die energetische Sanierung von Gebäuden finanziell fördert.

Deutschland mit starkem Rückgang bei solarthermischen Neuinstallationen

Deutschland verzeichnete einen Rückgang bei den solarthermischen Neuinstallationen in Höhe von minus 43 Prozent. Dieser Effekt ist auf das Heizungsgesetz und die damit ausgelösten Verunsicherungen und regulatorischen Verschärfungen zurückzuführen. Mit der Vorgabe eines EE-Mindestanteils in Höhe von 65 Prozent entfällt beim Einbau neuer Heizungen das bislang häufigste Einsatzfeld thermischer Solarkollektoren. Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar) sieht auch für dieses Jahr kaum Besserung. Es müsse sich erst herumsprechen,  „dass Solarthermie-Anlagen auch als Effizienzbooster von Wärmepumpen und Pelletheizungen sinnvolle Investitionen darstellen. Herumsprechen muss sich auch die gegenwärtig gewährte attraktive Förderung zur solarthermischen Nachrüstung und Aufwertung bereits verbauter Gasheizungen.“

Aber nicht nur in Deutschland wurde das Solarthermie-Wachstum ausgebremst. Auch Österreich, das eigentlich gute Rahmenbedingungen für die Solarthermie hat, verzeichnete einen Markteinbruch von minus 20 Prozent.

Kleinanlagen nach wie vor das wichtigste Segment

Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten: In allen europäischen Ländern machen kleine Dachinstallationen den Löwenanteil der solaren Wärmegewinnung aus. Der Bau großer solarthermischer Anlagen ist nur in wenigen Ländern ein Thema. Unter anderem in Deutschland und Österreich wurden mehrere solare Fernwärmenetze in Betrieb genommen. In Frankreich und Spanien gibt es jeweils ein Großprojekt für industrielle Nutzung der Solarthermie.

Das Tempo der Dekarbonisierung der Wärme sei weit von dem entfernt, was Europa braucht, konstatierte Séjourné bei der Vorstellung des Berichtes. Mit Blick auf die Zukunft begrüßt der Solarthermiesektor das Fit-for-55-Paket, da es klare Signale an die 27 Mitgliedstaaten für die Dekarbonisierung der Wärme sende.

Der Appell des Verbandspräsidenten von Solar Heat Europe, Guglielmo Cioni, richtet sich an die Politik der Länder: „Unser Sektor liefert widerstandsfähige, netzunabhängige, in der EU hergestellte und zuverlässige Wärme. Wir fordern die politischen Entscheidungsträger auf nationaler Ebene auf, dies klar zu unterstützen, da ALLE erneuerbaren Energien in diesem Wettlauf um Klimaneutralität benötigt werden.“ pf
 

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