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Stand der Wärmeplanung – WärmeGuideDaten-Tool unterstützt Kommunen bei der Wärmewende

Solarthermieanlage, ein Baukran, zwei zylindrische Metallbehälter
Fortschritt bei der Wärmewende: In Markt Erlbach profitieren die Bewohner bereits von erneuerbarer Wärme. (Foto: naturstrom AG)

Kommunen stehen bei der Wärmeplanung vor erheblichen und unterschiedlichen Herausforderungen. Mit dem WärmeGuide steht Kommunen nun ein kostenfreies Online-Tool zur Verfügung, das den Weg in eine klimaneutrale Wärmeversorgung erleichtern soll.

21.11.2025 – Die KWW-Kommunenbefragung 2025 der dena (Deutsche Energie-Agentur) zeigt ein differenziertes Bild beim Stand bei der Wärmeplanung. Im Vergleich zur Vorjahresbefragung stieg die Anzahl der Kommunen, die mitten in der Durchführung sind, um 20 Prozent. Eine zentrale Erkenntnis der erfahrenen Kommunen: Wer die Kommunale Wärmeplanung (KWP) gut vorbereitet, ist im Vorteil. Entscheidend sind aus ihrer Sicht die Wahl eines geeigneten Dienstleisters, die frühe Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie Energieversorgern sowie eine frühe und gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Daran anschließend folgen der frühzeitige Beginn der Datenerhebung und klare Zuständigkeiten in der Verwaltung festzulegen.

„Die meisten Stellschrauben und Hürden liegen am Beginn der Wärmeplanung“, bestätigt auch Robert Brückmann, Leiter des KWW. „Ob es um die Kooperation von Ämtern und Unternehmen geht, um die Abfrage von Verbrauchs- und Bedarfsdaten oder um genügend personelle Kapazitäten. Die Befragung bestätigt, was wir schon oft beobachtet haben: Wer den Prozess gründlich vorbereitet, vereinfacht die gesamte Kommunale Wärmeplanung.“

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Die größten Hürden

Die Befragung ergab, dass die KWP im Durchschnitt 18 Monate dauert. Von den sechs Phasen einer KWP beansprucht die Bestands- und Potenzial-Analyse mit durchschnittlich fünf Monaten den größten zeitlichen Aufwand. Die Kosten einer KWP sind laut Erhebung im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben und liegen im Durchschnitt bei 3,79 Euro pro Einwohner, abhängig von Kommunengröße und Grundlagen.

Wie schon in den Vorjahren nennen die befragten Kommunen fehlende personelle und finanzielle Ressourcen als größte Hürden sowie rechtliche Unsicherheiten, etwa bei der Verzahnung zwischen Gebäudeenergie- und Wärmeplanungsgesetz oder durch fehlende Landesgesetze. Als zentrale Herausforderung gelten weiterhin die Datenbeschaffung für die Bestandsanalyse sowie die Einbindung der Öffentlichkeit und von Fachakteuren.

Realitätsgrad und Umsetzung der Wärmepläne

Neu in der diesjährigen Befragung sind die Einschätzungen der Kommunen zu den Zielszenarien der Wärmepläne. Diese werden mehrheitlich als methodisch nachvollziehbar beurteilt, doch nur 39 Prozent der Befragten haben mehrere Szenarien miteinander verglichen. 44 Prozent halten ihre eigenen Zielszenarien für realistisch, jede dritte Kommune zeigt sich dagegen skeptisch. „Diese Einschätzung deckt sich mit unserer Erfahrung, dass sich die tatsächliche Umsetzbarkeit erst in der Praxis zeigt”, so Brückmann.

Immerhin setzen laut Befragung 77 Prozent der befragten Kommunen mit Wärmeplan konkrete Maßnahmen bereits um. Im Fokus stehen die energetische Sanierung und Effizienzsteigerung kommunaler Gebäude sowie Machbarkeitsstudien, die einzelne Vorhaben aus den Wärmeplänen prüfen. Fast jede fünfte Kommune mit abgeschlossenem Wärmeplan schätzt ihr Wissen zur Wärmeplanung als gering ein.

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WärmeGuide am Start

Der WärmeGuide bietet jetzt eine zusätzliche Orientierung bei der Wärmewende – praxisnah und datenbasiert für jede Kommune: mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, Zukunftsszenarien und Handlungsempfehlungen für eine möglichst effiziente kommunale Wärmeplanung. Entwickelt wurde die Plattform von GermanZero mit wissenschaftlicher Begleitung des Öko-Instituts und fachlicher Unterstützung durch das Kompetenzzentrum Wärmewende (KWW) der dena.

Der WärmeGuide bietet Kommunen einen ersten Überblick zum Status quo vor Ort und mögliche Schritte in der Wärmeversorgung. Sie erhalten Informationen zum technischen Ist-Zustand, zur Gebäude- und Eigentumsstruktur sowie einen Ausblick, wie sie die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 gestalten könnten. Basis dafür sind statistischen Daten der Bundesebene, die für jede Kommunen zusammengeführt werden.

Das Online-Tool unterstützt die Kommunen entlang der gesamten Planungsphase:

  • Orientierung und Struktur für den Einstieg in die Wärmeplanung mit klaren Prozessschritten
  • Individuelle Zukunftsszenarien auf Basis statistischer kommunaler Daten veranschaulichen Potenziale von Abwärme, Erneuerbaren Energien und Effizienzoptionen
  • Handlungsempfehlungen für den Übergang von der Planung in die Umsetzung
  • Sozio-ökonomische Perspektive, für eine bürgernahe Wärmewende, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt
  • Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Regionen, die zeigen, wie die Wärmewende unter verschiedenen Rahmenbedingungen gelingen kann

Johannes Hofmann, Referent Wärmewende und Projektleiter WärmeGuide bei GermanZero, erläutert den Bedarf: „Gerade kleine und mittlere Kommunen stehen bei der Wärmeplanung vor erheblichen Herausforderungen: Begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen und komplexe Rahmenbedingungen erschweren den Start. Was fehlt ist Einstiegswissen – diese Basis liefern wir jetzt mit dem WärmeGuide, der einen niedrigschwelligen, aber fundierten Überblick bietet.“

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Zwei Personen sitzen auf einer Decke auf einer Bank am Rand einer Wiese mit hohem Gras. Die Person links trägt einen beigen Anzug mit pinkem Pullover, die Person rechts einen dunklen Blazer und hellblaue Hose. Beide schauen in die Kamera, im Hintergrund sind Bäume und eine grüne Landschaft zu sehen.

Die Datengrundlage des WärmeGuides wurde vom Öko-Institut erstellt. „Unsere Forschung kombiniert Geodaten und statistische Analysen in einem modellbasierten Ansatz, der zentrale Grundlagen für den WärmeGuide liefert,“ erklärt Dr. Sibylle Braungardt, Senior Researcher am Öko-Institut.

Das KWW der dena hat die Projektentwicklung als Kompetenzpartner für kommunale Wärmewende eng begleitet: „Im WärmeGuide werden für die Potenzialermittlung einheitliche Modelle und Annahmen auf alle Kommunen angewendet. Tatsächliche Werte und Daten, die auf Landes- oder Kommunalebene vorliegen, können davon abweichen. Der WärmeGuide ersetzt deshalb nicht die Kommunale Wärmeplanung, aber er gibt erste Anhaltspunkte. Ergänzt mit Wissen über die Gegebenheiten vor Ort kann so die Wärmeplanung gut gestartet werden.“ na

Der WärmeGuide ist unter www.waermeguide.de abrufbar.

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