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Günstige VersorgungssicherheitWärmepumpen sparen 1,3 Milliarden Euro an LNG-Importen

Großes Frachtschiff bei Nacht in einem Hafen, beleuchtet von zahlreichen gelb-orangefarbenen Lichtern. Auf dem Schiff sind mehrere kugelförmige Tanks zu sehen, während im Hintergrund Hafenkräne und Industrieanlagen ebenfalls hell erleuchtet sind.
LNG-Tanker transportieren Erdgas, dass aufgrund der höheren Dichte verflüssigt wurde. Ein Vorgang, der viel Energie verbraucht (Bild: kees torn, flickr, CC BY-SA 2.0)

Der Einbau von Wärmepumpen in Privathaushalten floriert. Das sorgt für Energiesicherheit und spart mächtig Geld, wie neue Berechnungen zeigen. Die Bundesregierung aber scheint andere Wege zu verfolgen, mit Milliarden Kubikmeter neuer LNG-Importe.

01.04.2026 – Rund 1,1 Millionen Wärmepumpen wurden zwischen 2022 und 2025 in deutschen Privathaushalten installiert. In rund Dreiviertel der Neubauten bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist die Wärmepumpe die bevorzugte Wahl. Aber auch im Bestand wird die Wärmepumpe beim Austausch der Heizung häufig verbaut. Hochrechnungen auf Grundlage von Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie zufolge, wurden etwas weniger als die Hälfte der Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt.

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis - kurz IEEFA – ist ein international agierender unabhängiger Think Tank und hat analysiert, was der Einbau von Wärmepumpen für den deutschen Wärmemarkt bedeutet. Seit dem Peak des Gaskonsums im Jahre 2021, sorgten Erneuerbare Energien im Stromsektor und die Installation von Wärmepumpen im Gebäudebereich für einen 23 Prozent geringeren Bedarf an Gas privater Haushalte.

Die IEEFA schätzt, dass die 1,1 Millionen installierten Wärmepumpen in Deutschland umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro an Kosten einsparten, die sonst für LNG-Importe hätten ausgegeben werden müssen. Die Auslastungsrate deutscher LNG-Terminals war 2025 mit 36,3 Prozent weitaus geringer als der europäische Durchschnitt. „Die Installation von Wärmepumpen hat Deutschlands Energiesicherheit gestärkt und seine Anfälligkeit für hohe und schwankende LNG-Preise verringert“, sagte Ana Maria Jaller-Makarewicz, leitende Energieanalystin für Europa beim IEEFA und Mitautorin des Berichts.

Nächster Weckruf für die Elektrifizierung

Unverständlich sei daher, dass weiter auf Gasinfrastrukturen und den Ausbau von LNG-Importen gesetzt werde. „Die Krise im Nahen Osten ist der größte Weckruf für die Elektrifizierung, den Deutschland seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 erlebt hat. Es besteht ein erhebliches Potenzial für Deutschland, den Einbau von Wärmepumpen zu beschleunigen und seine Abhängigkeit von Gasimporten weiter zu verringern“, so Jaller-Makarewicz.

Nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und Wegfall von Gasimporten aus den Pipelines Russlands, wurden im Rekordtempo neue LNG-Terminals in Deutschland gebaut. Schon frühzeitig wurde Kritik an den Dimensionen neuer Infrastrukturen laut. In der Kritik auch: die neue Abhängigkeit von LNG-Importen aus den USA. 92 Prozent des Flüssigerdgases kam zuletzt aus den USA. Mit der Androhung von Zöllen, hatte US-Präsident Donald Trump den Europäern in einem für ihn vorteilhaften Deal den Verkauf US-Amerikanischen LNGs auferlegt.

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Doch anstatt die Energiewende weiter voranzutreiben, hält die Bundesregierung und insbesondere Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, an Gasinfrastrukturen fest. Im Gebäudebereich sorgten zuletzt die Eckpunkte für die Reform des Gebäudeenergiegesetzes – das künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen soll – für entsetzen.

Zentraler Punkt des Eckpunktepapiers: die 65-Prozent-Erneuerbaren Regel beim Einbau neuer Heizungssysteme wird abgeschafft. War mit der 65-Prozent-Regel der Einbau neuer Öl- und Gasheizungen bislang für Neubauten seit 2024 und bei Bestandsbauten ab 2026 bzw. 2028 faktisch verboten, können diese nun weiter eingebaut werden. Ab 2029 sollen die Heizungen einen steigenden Anteil grüner Brennstoffe, wie Biomethan und Wasserstoff nutzen. Das wird nach Ansichten von Expert:innen teuer, aufgrund der absehbar geringen Verfügbarkeit der Brennstoffe und weiter steigenden Gaspreisen.

Für vermeintliche Versorgungssicherheit plant die Bundesregierung weiterhin den Zubau erheblicher Kapazitäten an Gaskraftwerken als sogenannten Back-Up für Dunkelflauten. Rund 10 Gigawatt an Gaskraftwerkskapazitäten werden voraussichtlich noch in diesem Jahr ausgeschrieben. Geht es nach Ministerin Reiche, sollen weitere bis zu 30 GW hinzukommen.

Dabei würde ein neues Gaskraftwerk gesamtgesellschaftliche Kosten von bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde Strom verursachen, wie das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in einer Studie im Auftrag des Ökoenergieversorgers Green Planet Energy ermittelt hat. Die durch den Krieg im Iran ausgelösten Preissteigerungen bei Öl und Gas würden erneut belegen, wie schnell Gas zum Kostenrisiko wird – auch im Stromsektor.

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Angesichts des Gaskurses von Reiche schließen Konzerne munter weiter Langfristverträge für den Import von Flüssigerdgas ab. Berechnungen der IEEFA zufolge, würde, wenn alle aktuellen LNG-Importverträge Deutschlands zustande kommen, das Land im Jahr 2030 26,2 Milliarden Kubikmeter LNG importieren - fast das Dreifache der LNG-Importmengen von 2025 - und 10 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2045, in dem es die Treibhausgasneutralität erreichen will. Angesichts der hohen Kosten seien hier auch Kohleabscheidungstechnologien keine Lösung.

Andy Gheorghiu ist Koordinator eines transatlantischen anti-LNG Netzwerkes. Er sagt: „Es war völlig närrisch sich von einer fatalen fossilen Abhängigkeit (von Russland) direkt in die nächste verfrackte Abhängigkeit (von den USA) zu begeben. Aktuell lassen sich Trump's LNG Buddies die Wasserhähne mit obszönen Gewinnen vergolden, während Haushalte auf beiden Seiten des Atlantiks in Energiearmut versinken.“

Wenn Deutschland hingegen Technologien wie erneuerbare Energien, Batteriespeicher und grenzüberschreitende Netzanschlüsse deutlich ausbaut, könnte das Land nach Schätzungen der IEEFA bis 2045 in der Lage sein, nur 5 Prozent seines Stroms aus Erdgas und Wasserstoff decken zu müssen und damit quasi unabhängig von außereuropäischen Importen. mg

Kommentare

Harald Eberhardt vor 2 Wochen

Da hat wohl jemand Euro mit Cent verwechselt...

Zitat: "Dabei würde ein neues Gaskraftwerk gesamtgesellschaftliche Kosten von bis zu 67 Euro pro Kilowattstunde Strom verursachen..."

energiezukunft vor 2 Wochen

+1 Gut

Lieber Herr Eberhardt,

vielen Dank für den Hinweis. Sie haben natürlich recht. Wir haben den Abschnitt berichtigt.

Mit besten Grüßen

die Redaktion

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