Kommunale WärmeplanungWärmepumpen und Wärmenetze als Rückgrat der Wärmewende

Blick von oben auf ein Dorf mit einer großen Freiflächen-Solarthermie-Anlage
Glücklich die Kommunen, die bereits seit Jahren auf Erneuerbare Wärmeversorgung und Nahwärmenetze setzen. (Foto: naturstrom AG)

Eine Studie mit einer breiten Datenbasis für Kommunale Wärmepläne bestätigt zentrale Trends: Wärmepumpen sowie Wärmenetze sind die tragenden Säulen der zukünftigen Wärmeversorgung. Rund 380 Wärmepläne wurden dafür ausgewertet.

11.08.2026 – Wärmepumpen sowie Wärmenetze sind die tragenden Säulen der zukünftigen Wärmeversorgung. Das bestätigt die zweite Ausgabe der Studie Kommunale Wärmeplanung in Deutschland von Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und Öko-Institut auf einer deutlich breiteren Datenbasis als die erste Auswertung von Mai 2025. Gleichzeitig zeigten sich weiterhin erhebliche Lücken bei den Annahmen zur Gebäudesanierung, beim geplanten Einsatz von Biomasse sowie bei der Berücksichtigung industrieller Prozesswärme.

Für die zweite Ausgabe wurden rund 380Wärmepläne ausgewertet, die etwa 940 Kommunen umfassen. Die Mehrheit der neu einbezogenen Wärmepläne wurde bereits auf Grundlage desWärmeplanungsgesetzes erstellt.

Wärmepumpen und Wärmenetze decken 2045 rund vier Fünftel des Wärmebedarfs

„Die deutlich breitere Datenbasis bestätigt: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat der kommunalen Wärmewende. Damit haben die Kommunen eine gute Grundlage für ihre Infrastrukturplanung – vom Ausbau der Strom- und Wärmenetze bis zum künftigen Umgang mit den Gasverteilnetzen“, sagt Marc Stobbe, Energieexperte am Öko-Institut. „Transparente und belastbare Annahmen zur Prozesswärme und konkrete Vorgaben etwa zur Nutzung von Biomasse würden die Planungen noch deutlich verbessern.“

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Blick durch einen langen, röhrenförmigen Versorgungstunnel aus Beton. Links und rechts verlaufen zwei große silbergraue Rohrleitungen parallel durch den Tunnel. In der Mitte führt ein schmaler Metallsteg mit Gitterboden bis zu einem weit entfernten Fluchtpunkt. An der Decke hängen Kabeltrassen und regelmäßig angeordnete Leuchten, die den Tunnel gleichmäßig ausleuchten. Die symmetrische Perspektive betont die Länge und technische Infrastruktur der Anlage.
Kommunale Wärmeplanung

Zielszenario: Erneuerbare Wärmenetze und Wärmepumpen

Die Bundesregierung will weiter Öl und Gas bei der Wärmeversorgung zulassen und setzt zudem auf Wasserstoff und Biomethan. Deutsche Großstädte haben andere Pläne, wie eine Auswertung bisheriger Wärmepläne zeigt.

Fossiler Ausstieg geplant

Die untersuchten Kommunen planen bis 2045 einen weitgehenden Ausstieg aus Erdgas und Heizöl. An deren Stelle treten vor allem Wärmepumpen und Wärmenetze. Wärmepumpen sollen 2045 rund 42 Prozent der Wärmeversorgung abdecken, die leitungsgebundene Wärmeversorgung (Wärmenetze) rund 37 Prozent. So spielen in kleineren und mittleren Kommunen dezentrale Wärmepumpen eine besonders große Rolle, während größere und dichter bebaute Städte stärker auf Wärmenetze setzen.

Erzeugungsmix der Wärmenetze bleibt häufig offen

Bereits heute verfügen 71 Prozent der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 91 Prozent und bis 2035 auf 95 Prozent steigen. Gleichzeitig soll der Anteil der über Wärmenetze bereitgestellten Wärme in diesen Kommunen von derzeit rund 15 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2045 steigen.

„Immer mehr Kommunen setzen auf Wärmenetze, allerdings fehlen in mehr als der Hälfte der Wärmepläne Angaben dazu, wie die Wärmeerzeugung für die Wärmenetze zukünftig erfolgen soll. Dort, wo Angaben vorliegen, ist die häufigste Erzeugungskombination für Wärmenetze laut kommunalen Wärmeplänen die aus Wärmepumpen und biogenen Energieträgern. Diese wird ergänzt durch lokalspezifische Lösungen, die industrielle Abwärme und Geothermie  nutzen“, sagt Jessica Thomsen, Projektleiterin am Fraunhofer ISE. Die Ergebnisse zeigten zugleich, dass es keinen einheitlichen Transformationspfad gibt: Lokale Wärmequellen, bestehende Infrastrukturen, Siedlungsdichte und strategische Entscheidungen bestimmten demnach, welche Lösungen vor Ort besonders geeignet sind.

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Sanierungsannahmen beeinflussen die Infrastrukturplanung

Über alle ausgewerteten Wärmepläne hinweg sinkt laut Studie der angenommene Endenergiebedarf für Wärme bis 2045 um rund 32 Prozent. Zwei Drittel der untersuchten Kommunen setzen dabei für ihre Gebäude eine jährliche Sanierungsrate voraus, die über dem historischen Vergleichswert von etwa einem Prozent liegt. Ob und unter welchen Rahmenbedingungen diese höheren Sanierungsraten tatsächlich erreicht werden können, bleibe jedoch vielfach offen. Die Forschenden empfehlen deshalb, die zentralen Bedarfsannahmen transparent darzustellen und bei der Infrastrukturplanung auch weniger ambitionierte Sanierungsverläufe zu berücksichtigen.

Biomasseverbrauch liegt vielerorts über den lokalen Potenzialen

Die erweiterte Auswertung bekräftigt die Zielkonflikte bei der Nutzung biogener Energieträger. Erstmals wurde neben dezentralen Heizungen auch die Biomassenutzung in Wärmenetzen berücksichtigt, soweit entsprechende Angaben vorlagen. In 63 Prozent der untersuchten Kommunen liegt der für 2045 geplante Verbrauch biogener Energieträger über dem jeweils lokal ausgewiesenen Potenzial. Aufsummiert über die ausgewerteten Pläne übersteigt der geplante Verbrauch das Potenzial um fast 40 Prozent. Die Kommunen gehen laut Studie damit teilweise davon aus, Biomasse aus anderen Regionen oder aus dem Ausland beziehen zu können. Werden solche Annahmen gleichzeitig in einer Vielzahl von Wärmeplänen getroffen, könnten Nutzungskonkurrenzen entstehen.

Hinzu kommt, dass die Wärmepläne unterschiedliche Begriffe und Abgrenzungen für Biomassepotenziale verwenden. Nicht immer sei nachvollziehbar, welche Reststoffe, Flächen oder Holzsortimente einbezogen und welche Nachhaltigkeitsanforderungen berücksichtigt werden, berichten die Studienautoren. Für eine belastbarere überregionale Planung wären deshalb einheitlichere Definitionen und Kriterien erforderlich.

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Prozesswärme wird nicht ausreichend betrachtet

Für rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen enthalten die Wärmepläne Angaben zum Wärmebedarf für Industrie sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Dieser Anteil liegt in den betreffenden Kommunen im Durchschnitt bei rund 27 Prozent. In stark industriell geprägten Kommunen kann er mehr als die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs ausmachen. Trotz dieser Bedeutung unterscheiden die Wärmepläne nur selten zwischen Raumwärme, Warmwasser und industrieller Prozesswärme. Damit ließen sich weder die Höhe und die erforderlichen Temperaturniveaus der Prozesswärme noch ihre zukünftige Deckung zuverlässig bestimmen. Eine solche Differenzierung wäre insbesondere für die Abschätzung des künftigen Wasserstoffbedarfs relevant.

Insgesamt spielt Wasserstoff in den kommunalen Zielbildern lediglich eine ergänzende Rolle, heißt es in der Studie. Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen sehen für 2045 keinen Wasserstoffeinsatz vor. Wo Wasserstoff eingeplant wird, ist er laut Erhebung vor allem für industrielle Anwendungen sowie zur Abdeckung von Spitzenlasten in Wärmenetzen vorgesehen. Für die dezentrale Beheizung von Gebäuden erscheine er nur in Einzelfällen und häufig unter Vorbehalt. na

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