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Geothermie-Kongress 2025Wärmeversorgung – Von der Manufaktur zum Massenprodukt

Vier Männer mit orangefarbenen Westen und weißen Bauhelmen zwischen zwei großen Kabelrollen verlegen Kabel im Boden
Fachleute bereiten sich auf das Verlegen der Erdwärmesonde vor, die Daten im Untergrund sammelt. (Foto: © Fraunhofer IEG/ Marcus Mollwitz)

Industrie und Kommunen wollen ihre Wärmeversorgung zukunftsfest aufstellen. Passgenaue Bausteine aus der anwendungsnahen Forschung stellt das Fraunhofer IEG auf dem Deutschen Geothermie-Kongress ab 18. November in Frankfurt am Main vor.

14.11.2025 – „Wärmewende ist die halbe Energiewende. Doch die Dynamik im Geothermie-Markt scheint dies noch nicht wieder zu spiegeln“, sagt Prof. Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer IEG. „Die Weichenstellungen, um die Geothermie von der Manufaktur zum Massenprodukt zu führen und den zukunftsfesten Umbau der Wärmesysteme in Industrie und Kommunen zu beschleunigen, müssen Politik und Branche gleichermaßen vornehmen. Wir brauchen nun mehr Kapazitäten für Aus- und Weiterbildung von Fachleuten und mehr Augenmerk auf die Standardisierung von Technologien unter und über Tage, um die politischen Ziele zu erreichen.“

Schwerpunkte beim Geothermie-Kongress 2025 (DGK)sind Erdwärme und Bohrtechnik, Sektorenkopplung und Großwärmepumpen, Wärmenetze und integrierte Quartiersplanung. Expertinnen und Experten des Fraunhofer IEG, des Hauptwisschenschaftspartners des Kongresses, gestalten den Kongress in zahlreichen Workshops, Sessions und Keynotes mit. Offene regulatorische und technologische Fragen spricht Bracke in seiner Keynote auf der Eröffnungssession am 19. November 2025 um 9:40 Uhr im Saal HOLM_maX an und zeichnet den „Weg zur Industrialisierung der Geothermie“ auf.

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Dr. Herbert Pohl, Gründer und CEO von Deutsche ErdWärme GmbH.

Dr. Herbert Pohl, Gründer und CEO von Deutsche ErdWärme GmbH

Am Stand des Fraunhofer IEG auf dem DGK illustrieren zwei Modelle neue Technologien: Alle Möglichkeiten, Erdwärme für die urbanen Wärmenetze und Industrieprozesse zu nutzen, macht die Stele Wärmewende anschaulich. Die vier Seiten der Installation geben Einblick in Grubenwassernutzung, Aquifer-Wärmespeicher, tiefe hydrothermale Geothermie und Erdwärmesonden. Das Exponat Mikroturbine MTD veranschaulicht, wie diese Technologie schmale Abzweige aus senkrechten Hauptbohrungen technisch einfach ermöglicht und so hilft, Thermalwasserreservoire besser zu erschließen.

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Mehr Geothermie für den Urbanen Wohnungsbestand fordert Holger Born in der Session zur Oberflächennahen Geothermie (Mittwoch, 19.11.2025: 11:50, Ort: Gottlieb Daimler/Raum 4). Sein Projekt UrbanGroundHeat entwickelt anhand von Praxisbeispielen fallübergreifenden Leitfäden und Planungstools und versetzt damit Energieversorger in die Lage, Geothermie auch im Bestand umzusetzen.

Grubenwasserspeicher gleichen Angebot und Nachfrage in Wärmenetzen aus, betont Florian Hahn in seinem Kongressbeitrag (Donnerstag, 20.11.2025: 16:30, Ort: Gottlieb Daimler/ Raum 4). Im Projekt PUSH-IT entsteht ein Demonstrator innerhalb eines Nahwärmenetzes im Bochumer Süden, der das Grubenwasser eines ehemaligen Bergwerkes als saisonaler Speicher nutzen soll. So will das Projekt Ewigkeitskosten in Ewigkeitsnutzen überführen.

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Eingang des Bahnhofs Heerlen in den Niederlanden. Das Gebäude hat eine helle Fassade mit mehreren Fenstern und einen modernen Glasvorbau mit der Aufschrift „Station Heerlen“. Über dem Eingang befindet sich eine Uhr, und im Inneren sind Bahnsteige und Personen zu erkennen.
Niederlande

Die Wärme aus der stillgelegten Zeche

Wo einst Zechenarbeiter Kohle abbauten, sorgt heute ein ausgeklügeltes System für nachhaltige Wärme und Kälte. Im niederländischen Heerlen wird ein Quartier mithilfe von Grubenwasser im Sommer gekühlt und im Winter geheizt.

Neue Augen und Ohren in den Untergrund stellt Prof. Dr. Thomas Reinsch in seinem Vortrag „Faseroptische Überwachung von Tauchkreiselpumpen“ vor (Dienstag, 18.11.2025: 11:10, Ort: HOLM_maX 2). Das schlanke Monitoringwerkzeug in Hochtemperatur- und Hochdruck-Umgebung kann helfen, wartungsintensive Elemente der Tiefen Geothermie besser zu schützen und auch Fragen der Reservoir-Charakterisierung, Bohrungsintegrität, des Pumpenmonitorings und der Seismizität zu beantworten. Im Vortrag berichtet Reinsch von sechs Jahren Betriebserfahrung am Münchner Geothermie-Heizwerk Schäftlarnstraße.

Einen Schritt weiter geht Volker Wittig mit konstruktiven Verbesserungen an untertägigen Pumpensystemen für tiefe geothermische Systemen, die Effizienz und Lebensdauer steigern. Sein Vortrag „Applied, further development of electrical submersible pumps (ESP) and line shaft pumps (LSP) for better run time and economics of geothermal energy“ (Donnerstag, 20.11.2025: 10:20, Ort: HOLM_maX 2/ Raum 2) will die Pumpe als Achillesferse einer Geothermieanlage beseitigen.

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Zwei Personen sitzen auf einer Decke auf einer Bank am Rand einer Wiese mit hohem Gras. Die Person links trägt einen beigen Anzug mit pinkem Pullover, die Person rechts einen dunklen Blazer und hellblaue Hose. Beide schauen in die Kamera, im Hintergrund sind Bäume und eine grüne Landschaft zu sehen.

Die „Nachnutzung von Kohlenwasserstoffbohrungen als tiefe Erdwärmesonden kann die Wärmewende in Norddeutschland voranbringen“ stellt Dr. Nora Koltzer in ihrem Vortrag fest (Dienstag, 18.11.2025: 15:20, Ort: Open Lounge). Bohrlochinhaber, Wärmeabnehmer, Kommunen und potenzielle Projektentwickler sollten sich des Potenzials bewusst sein und in ihren Wärmeplänen berücksichtigen.

Transparent in die Zukunft – wie kann das gelingen?“ fragt sich Dr. Nora Koltzer vom Fraunhofer IEG als Gastgeberin der Podiumsdiskussion des Netzwerkes WING – Women In Geothermal (Dienstag, 18.11.2025: 12:30, Ort: Gottlieb Daimler/ Raum 4). Der rahmenbildende Workshop fragt auch, ob Unternehmen der Geothermie-Branche Gleichstellung leben. Er will Herausforderungen benennen und positive Veränderungen anstoßen, damit Gleichstellung in der Geothermie gelebte Praxis wird.

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Die Bohrtechnologie Coiled Tubing könnte viele ihrer Vorteile in die Erschließung von geothermalen Ressourcen einbringen. Julian Hoffmann präsentiert neue Entwicklungen in seinem Vortrag „Aufwältigung und Mikrobohrungen mittels Wireline-basierter Bohrlochgarnitur für tiefe Geothermie und thermische Speicher“ (Donnerstag, 20.11.2025: 9:40, Ort: HOLM_maX 1/Raum 1). Im Fokus stehen Effizienzsteigerung durch kontinuierliches Arbeiten, mehr Prozesskontrolle und Möglichkeiten zur umfassenden Datenübertragung.

Über die „Entwicklung eines prädikativen Monitoring- und Wartungssystems an untertägigen Förderpumpen zur Steigerung der geothermischen Energiegewinnung“ trägt schließlich Robert Stockmann auf der DGK vor (Donnerstag, 20.11.2025: 12:10, Ort: HOLM_maX 1/Raum 1).

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Science Bar und Poster Session

Beim traditionellen Science Bar Rundgang präsentieren sich junge Forschende des Fraunhofer IEG mit den Themen: Co-Simulation eines Fernwärme- und -Kältenetzes in Kombination mit einem Grubenwasserspeicher sowie Probabilistischer Strukturmodellen für die Geothermale Exploration (Mittwoch, 19.11.2025: 14:00, Chair der Sitzung: Mathias Nehler, Fraunhofer IEG, Ort: Future Aviation Lab).

In der Poster Session auf dem DGK geht es um Geothermie-Projekte auf Norderney, in Straelen und Bad Oynhausen, um den Einsatz von KI für die dynamische Modellierung von Reservoiren, Störungen in Karbonaten, Grubenwasser- und Hochtemperaturspeicher.

Mehr zu den Themen der Vortragenden:
Rolf Bracke: https://www.ieg.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/2022/erfolgreiche-waermewende-gestalten.html
Thomas Reinsch: https://www.ieg.fraunhofer.de/de/projekte/glasfaserkabel-monitoring.html
Nora Koltzer: https://www.ieg.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/2024/erdgasquellen-nachhaltig-nachnutzen.html
Holger Born: www.ieg.fraunhofer.de/de/projekte/urbangroundheat.html
 
Florian Hahn: https://www.ieg.fraunhofer.de/de/projekte/push-it.html
Julian Hoffmann: https://www.ieg.fraunhofer.de/de/projekte/rocket.html
Volker Wittig: https://www.ieg.fraunhofer.de/de/projekte/antlia.html

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