TOP-THEMA
EEG 2027





UDE Forschungsprojekt WärmewendeWie der Sommer den Winter heizt

Fünf Menschen stehen nebeneinander und halten gemeinsam drei Plakate mit Texten und Zeichnungen
Mitarbeitende vom Lehrstuhl Energietechnik präsentieren gemeinsam mit ihren Projektpartnern die Poster zu den Vorhaben beim URBAN ARENA Projektetreffen Anfang Juni in Berlin. (v. l.) Tade Marten Jensen (Stadtwerke Lübeck), Joana Verheyen (Lehrstuhl Energietechnik), Tobias Kox (WEP Hückelhoven), Christian Thommessen (Lehrstuhl Energietechnik), Louis Heckenkamp (Stadtwerke Münster) (Foto: UDE / Christian Thommessen)

Die aktuelle Hitzewelle macht deutlich, vor welcher Herausforderung Städte künftig stehen: Wie lässt sich überschüssige Wärme sinnvoll nutzen, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen? Genau daran forscht die Universität Duisburg-Essen.

14.07.2026 – Als einzige deutsche Hochschule ist die Universität Duisburg-Essen mit drei Projekten im neuen Förderformat URBAN ARENA Seasonal Heat Storage vertreten. Mit den Vorhaben HANSE, LEEZE und BISAM erforscht der Lehrstuhl Energietechnik, wie überschüssige Wärme aus Erneuerbaren Energien über Monate gespeichert und in Fern- und Nahwärmenetze eingespeist werden kann. Im Fokus steht eine der zentralen Zukunftsfragen der Energiewende: Wie lassen sich Städte klimaneutral und zugleich wirtschaftlich mit Wärme versorgen?

Im Sommer steht Wärme aus nachhaltigen Energiequellen oft im Überfluss zur Verfügung, im Winter wird sie dringend benötigt. Saisonale Wärmespeicher sollen diese Lücke schließen, indem sie überschüssige Energie über Monate hinweg speichern und bei Bedarf wieder bereitstellen. Hier setzen die drei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekte der Universität Duisburg-Essen (UDE) an.

„Saisonale Wärmespeicher können eine Schlüsselrolle für die Wärmewende in urbanen Räumen spielen. Mit unseren Projekten schaffen wir die wissenschaftliche Grundlage, damit Kommunen, Stadtwerke und Energieversorger diese Potenziale künftig sicher und wirtschaftlich nutzen können“, sagt Projektleiter Christian Thommessen vom Lehrstuhl Energietechnik. „Wir wollen gemeinsam mit unseren Projektpartnern zeigen, wie saisonale Wärmespeicher Wärmenetze klimafreundlich und wirtschaftlich fit für die Zukunft machen können. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen der gesamten Wärmebranche als Orientierung für eigene Projekte dienen.“

Mehr zum Thema

Ein Mann in Arbeitskleidung arbeitet in einem Abwasserkanal
Abwasserwärme

Heizen mit Nudelwasser?

Für eine gelingende Wärmewende braucht es alle zur Verfügung stehenden Erneuerbaren Energien. Welche Chancen hierfür Abwasser bietet – und wo seine Grenzen liegen – zeigt ein Projekt in Köln.

HANSE: Erdbeckenwärmespeicher für Lübeck

Hydraulische und techno-ökonomische Analysen für Netzverbundsysteme mit Saisonalen Erdbeckenwärmespeichern am Beispiel der Fernwärme in Lübeck

Im Projekt HANSE prüfen Forschende der UDE gemeinsam mit den Stadtwerken Lübeck und dem Ingenieurbüro Ramboll, ob ein saisonaler Erdbeckenwärmespeicher im Lübecker Stadtgebiet realisierbar ist. Dieser soll überschüssige Wärme aus Solarthermie sowie aus Abwasser- und Flusswasser-Wärmepumpen aus dem Sommer in den Winter verschieben. Dafür analysiert das Konsortium potenzielle Standorte aus geotechnischer, hydrologischer und planungsrechtlicher Sicht und simuliert den wirtschaftlichen Betrieb des Speichers im Zusammenspiel mit den verschiedenen Wärmeerzeugern über mehrere Jahre.

Mehr zum Thema

Blick durch einen langen, röhrenförmigen Versorgungstunnel aus Beton. Links und rechts verlaufen zwei große silbergraue Rohrleitungen parallel durch den Tunnel. In der Mitte führt ein schmaler Metallsteg mit Gitterboden bis zu einem weit entfernten Fluchtpunkt. An der Decke hängen Kabeltrassen und regelmäßig angeordnete Leuchten, die den Tunnel gleichmäßig ausleuchten. Die symmetrische Perspektive betont die Länge und technische Infrastruktur der Anlage.
Kommunale Wärmeplanung

Zielszenario: Erneuerbare Wärmenetze und Wärmepumpen

Die Bundesregierung will weiter Öl und Gas bei der Wärmeversorgung zulassen und setzt zudem auf Wasserstoff und Biomethan. Deutsche Großstädte haben andere Pläne, wie eine Auswertung bisheriger Wärmepläne zeigt.

LEEZE: Münster als Labor für urbane Erdbeckenspeicher

Langfristige Energiesystemanalyse für Erdbeckenspeicher urbaner Fernwärmenetze am Beispiel der Stadtwerke Münster

Was bisher als Ausschlusskriterium galt, könnte künftig zu überwinden sein: Im Projekt LEEZE untersucht die UDE gemeinsam mit den Stadtwerken Münster und dem Ingenieurbüro Ramboll, wie saisonale Wärmespeicher auch in Städten mit hohem Grundwasserspiegel realisiert werden können. Durch Standortanalysen und umfangreiche Wärmenetzsimulationen entwickelt das Konsortium unter anderem einen Kriterienkatalog für die Planung saisonaler Erdbeckenspeicher in dicht besiedelten Ballungsräumen.

 

Mehr zum Thema

Eingang des Bahnhofs Heerlen in den Niederlanden. Das Gebäude hat eine helle Fassade mit mehreren Fenstern und einen modernen Glasvorbau mit der Aufschrift „Station Heerlen“. Über dem Eingang befindet sich eine Uhr, und im Inneren sind Bahnsteige und Personen zu erkennen.
Niederlande

Die Wärme aus der stillgelegten Zeche

Wo einst Zechenarbeiter Kohle abbauten, sorgt heute ein ausgeklügeltes System für nachhaltige Wärme und Kälte. Im niederländischen Heerlen wird ein Quartier mithilfe von Grubenwasser im Sommer gekühlt und im Winter geheizt.

BISAM: Von der Kohlenwäsche zur Wärmespeicheranlage in Hückelhoven

Untersuchung und Bewertung einer grundsätzlichen Umnutzung ehemaliger Zechen-Gebäudekomplexe zur saisonalen Wärmespeicherung am Beispiel einer ehemaligen Kohlenwäscheanlage in Hückelhoven

Vom Industriedenkmal zum Wärmespeicher: Im Projekt BISAM untersucht ein Konsortium aus UDE, WEP Wärme-, Energie- und Prozesstechnik sowie dem Bauingenieurbüro W+G, ob eine ehemalige Kohlenwäscheanlage in Ratheim zu einem großen saisonalen Wärmespeicher umgebaut werden kann. Das Bauwerk mit rund 100 Metern Durchmesser liegt nah am Fernwärmenetz und könnte deutschlandweit als eines der ersten Bestandsbauwerke dieser Art für die Speicherung von Wärme aus nachhaltigen Energiequellen genutzt werden.

Die Forschenden innerhalb des Projekts analysieren, ob das Bauwerk bautechnisch als Wärmespeicher umzusetzen ist, wie dieser ins Wärmenetz integriert werden kann sowie die wirtschaftlichen und ökologischen Effekte des Vorhabens. Gelingt die Umsetzung, könnte BISAM ein wegweisendes Modell für die Wärmewende in ehemaligen Bergbau- und Industrieregionen werden. na

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen