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Wärmewende in BerlinWie erneuerbare Wärme ins Quartier kommt

Schautafel zum Projekt KoWa – Wärmewende in der kommunalen Energieversorgung
Forschende aus mehreren Bundesländern haben Projekte zur Wärmewende begleitet und Lösungen für die Transformation der Energieversorgung erarbeitet. (Foto: Sylke Schumann / HWR Berlin)

Um klimaneutral zu werden, braucht Berlin eine Wärmewende. Aber wie lässt sich eine klimaschonende Wärme-Energieversorgung umsetzen? Ein Forscherteam hat Projekte begleitet. Transparenz und Bürgerbeteiligung sind wichtig für Akzeptanz und Umsetzung.

03.04.2023 – „Um eine Wende bei der Wärmeversorgung in Berlin herbeizuführen, braucht es verschiedene Optionen und Angebote, eine Kombination aus Solarthermie, Abwasserwärme und Wärmepumpen, die auf die jeweiligen Gegebenheiten der sehr unterschiedlichen Quartiere angepasst sind“, sagt Anna Masako Welz. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) und Mitglied in einem Forschungskonsortium, das über dreieinhalb Jahre bundesweit die Umsetzung von Wärmewendeprojekten begleitet und konkrete Lösungen mit initiiert hat.

In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Forschungsprojekt KoWa – Wärmewende in der kommunalen Energieversorgung arbeitet das Forscherteam mit der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH zusammen, vertreten durch ihre Tochtergesellschaft HOWOGE Wärme GmbH. Letztere ist zuständig für die Versorgung von rund 74.500 Wohnungen in Berlin mit Heizenergie und Warmwasser.

„Wir müssen viel verändern, damit wir so weiterleben können wie bisher“, sagt Matthias Schmitz-Peiffer, Geschäftsführer der HOWOGE Wärme GmbH. Ziel sei es, die Energieanlagen so zu optimieren, dass die Betriebskosten der Mieter für Heizung und Warmwasser sich möglichst langsamer entwickeln als das Marktumfeld. Das kommunale Wohnungsunternehmen biete schon heute Bewohnern in einzelnen Quartieren die Möglichkeit, kostengünstig Solarstrom vom eigenen Dach zu beziehen. Die alternative Energiegewinnung direkt im Quartier sei Teil der Nachhaltigkeitsstrategie, berichtet Schmitz-Pfeiffer. Das im Rahmen des KoWa-Projektes entwickelte Konzept für einen Wohnkomplex in Berlin-Lichtenberg bezieht nun die Abwasserwärme als Energiequelle mit ein. In der Weiterentwicklung soll es bald zur Umsetzung kommen.

„Wärme muss für Mieter und Mieterinnen bezahlbar sein, gleichzeitig müssen wir – insbesondere als landeseigenes Unternehmen – wirtschaftlich handeln“, sagt Schmitz-Peiffer. Deshalb müssten Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, gemeinsam nach Lösungen suchen, die für alle Beteiligten tragbar und umsetzbar seien. Auch vor diesem Hintergrund haben die Projektbeteiligten aus Berlin, Osnabrück, Saarbrücken und Rostock die Kriterien und Bewertung von Nachhaltigkeitsparametern, die rechtlichen Herausforderungen bei der kommunalen Wärmewende und die Anwendung von Geo- und Solarthermie unter die Lupe genommen.

Der Wille ist da, doch die Hürden sind noch hoch

Es bestehe in Deutschland durchaus der Wille zur Wärmewende, meint Welz, dem stünden allerdings häufig organisatorische Hürden im Weg. Das reiche von unklaren Zuständigkeiten auf Landes- und Bezirksebene in Berlin, der Verankerung des Themas in den Kommunen generell und nicht klar geregelter Ressortverantwortlichkeit, über Vorgaben zum Milieuschutz und bis zum Datenschutz. Hinzu kämen strukturelle Schwierigkeiten wie ungenügende Kapazitäten bei Fachfirmen für die technische Umstellung, Lieferengpässe bei technischen Anlagen und in dicht bebauten Großstädten schlicht der Platz für Wärmespeicher. Ein Plus hingegen sei gerade im urbanen Raum ein bereits gut ausgebautes Fernwärmenetz – aber auch nur, sofern ein Transformationsplan zur Dekarbonisierung vorliege.

Transparenz und Beteiligung: Der menschliche Faktor

Es sei zudem entscheidend, so die Wissenschaftlerin, die Menschen mitzunehmen, Akzeptanz für die Energie- und Wärmewende durch Transparenz und Aufklärung, durch Bürgerbeteiligung zu gewinnen. „Es mag banal klingen, aber wenn eine Rentnerin Sorge hat, dass der mit viel Aufwand gepflegte schöne Vorgarten beim Verlegen einer Wärmeleitung Schaden nehmen könnte, muss man darauf eingehen, auch hierfür gemeinsam nach Lösungen suchen“, sagt Welz. na

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