Kommunale Wärmeplanung: Zielszenario: Erneuerbare Wärmenetze und Wärmepumpen

Die Bundesregierung will weiter Öl und Gas bei der Wärmeversorgung zulassen und setzt zudem auf Wasserstoff und Biomethan. Deutsche Großstädte haben andere Pläne, wie eine Auswertung bisheriger Wärmepläne zeigt.
12.05.2026 – Nachdem die Eckpunkte zur Ausgestaltung des künftigen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) bekannt wurden, war die Kritik auch hinsichtlich der kommunalen Wärmeplanung groß. Diese sei bislang auf einem guten Weg. Kommunen dürften nicht durch den Wegfall der 65-Prozent-Regel und dem möglichen weiteren Einbau von Gas- und Ölheizungen verunsichert werden. Auch die mögliche Beimischung von Biomethan und perspektivisch Wasserstoff, weise in die falsche Richtung.
Aus den Eckpunkten aber wurde letzte Woche ein Referentenentwurf, der all die Punkte enthält und konkrete Beimischungsquoten für sogenannte Grüne Gase vorgibt: Es beginnt mit 10 Prozent Beimischungsanteil 2029, steigt auf 15 Prozent Beimischungsanteil ab 2030, ab 2035 sollen es 30 Prozent und 2040 dann 60 Prozent Beimischungsanteil sein. Somit könnten Öl- oder Gasheizungen nach 2040 noch zu 40 Prozent mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Immerhin sollen Vermieter bei steigenden Energiekosten stärker belastet werden. Das könnte sie zum Umstieg auf günstige Erneuerbare Energieträger bewegen.
Der Umstieg vom bisherigen Gebäudeenergiegesetz (GEG) zum künftigen GMG erfolgt just in der Zeit, in der Großstädte mit über 100.000 Einwohnern ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben müssen. Bis zum 30.06.2026 müssen sie diese vorlegen. 38 der 80 deutschen Großstädte haben eine solche auf der Internetseite des Kompetenzzentrums kommunale Wärmewende publiziert und ihre Wärmeplanung damit bereits vorgelegt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat auf Basis von Daten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) die 38 Wärmepläne untersucht. Besonders viele der vorgelegten Wärmeplanungen kommen aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Zum einen, weil es in NRW besonders viele Großstädte gibt, zum anderen, weil in BW Großstädte, Landesgesetzen folgend, bereits bis Ende 2023 Wärmeplanungen vorlegen mussten.
Zunächst zur Ausgangslage: Es dominiert zu 60 Prozent die Wärmeerzeugung aus der dezentralen Versorgung mit Erdgas. Weitere 12 Prozent der dezentralen Versorgung verläuft mittels Heizöl. Dezentrale Heizungsanlagen bedeuten dabei, im Gegensatz zu zentraler Versorgung über Wärmenetze, dass die Wärme vor Ort beispielsweise durch Heizungskessel im Wohnhaus oder Blockheizkraftwerke bei Industrieanlagen entsteht.
Demgegenüber steht die Versorgung über Wärmenetze, etwa Fernwärme und Erdgasnetze. Sie macht bislang 20 Prozent der Versorgung in den untersuchten Städten aus. Wobei auch hier fast 50 Prozent der Nettowärmeerzeugung aus Erdgas stammt. Zugleich sind die Ausgangslagen höchst unterschiedlich. Erfolgt in Heidelberg, Rostock und Dresden die Wärmeversorgung zu 46 bis 50 Prozent über Wärmenetze, sind es in Neuss und Oldenburg 90 bis 94 Prozent dezentrale Erdgassysteme.

Anteil von Energieträgern am Endenergiebedarf in den untersuchten Städten (Grafik: BUND/ifeu)
Und das Ziel?
Ungeachtet der Vorhaben der aktuellen schwarz-roten Koalition, gilt weiterhin das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu Wirtschaften. Dafür dürfen auch für die Wärmeversorgung eigentlich keine fossilen Brennstoffe mehr genutzt werden. In den entsprechenden Zielszenarien von 37 der untersuchten Großstädte – Rostock gibt bislang kein Zielszenario an – soll ein erheblicher Zuwachs an Wärmenetzen erfolgen.
Insgesamt 46 Prozent des Endenergiebedarfs für Wärme soll dann über Wärmenetze bereitgestellt werden. Wie genau diese Wärmenetze ausgestaltet werden sollen, ist aber noch nicht klar. Entsprechende Ausbau- und Dekarbonisierungsfahrpläne müssen die Betreiber von Wärmenetzen erst bis Ende des Jahres vorlegen.
Detailliertere Angaben machen die Großstädte dagegen zur dezentralen Versorgung. Dezentrale Wärmepumpen sollen dann 38 Prozent des Wärmebedarfs decken. Damit geht ein weitgehender Ausstieg aus Erdgas einher. Nur zwei Städte – Osnabrück (noch 10 Prozent Erdgasanteil im Zieljahr 2040) und Bremerhaven (noch 2 Prozent Erdgasanteil im Zieljahr 2038) – planen noch mit einem geringen Anteil an Erdgas
16 untersuchte Großstädte planen zudem – zumindest in der dezentralen Wärmeversorgung – ganz ohne gasförmige Energieträger im jeweiligen Zieljahr auszukommen, die sich zwischen 2035 und 2045 erstrecken. Biogas bzw. Biomethan wird in sieben Städten, aber insgesamt nur zu 1,9 Prozent über alle Städte hinweg, für dezentrale Wärmeerzeuger eingeplant. Wasserstoffmengen werden in neun der 37 ausgewerteten Großstädte und insgesamt zu 4 Prozent für den dezentralen Bereich ausgewiesen, wobei der Fokus auf einem Einsatz für Prozesswärmeanwendungen in der Industrie liegt.

Städte und ihr Wärmeenergiebedarf Start- und Zieljahr (Grafik: BUND/ifeu)
Klaren Kurs gefordert
Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND, kommentiert die Ergebnisse: „Die Wärmewende nimmt auf kommunaler Ebene Gestalt an. In den von uns untersuchten Großstädten zeigt sich: Der Großteil sieht weder für fossile Energie noch für teure ‚Bio-Gase‘ eine Zukunft im Heizungskeller. Die Wärmepumpe oder der Anschluss an ein Wärmenetz sind für die allermeisten das Mittel der Wahl. Das von der Bundesregierung geplante Gebäudemodernisierungsgesetz durchkreuzt genau diese Planungen.“ Stattdessen brauche es einen klaren Kurs auf erneuerbares Heizen und Unterstützung für die kommunalen Akteure, um die Mammutaufgabe Wärmewende zu stemmen.
Laut BUND fehle es jedoch an einer gesetzlichen Vorgabe, dass die Wärmepläne tatsächlich umgesetzt und Gasverteilnetze sillgelegt werden. Zudem seien die Pläne selbst mit Unsicherheiten behaftet, da beispielsweise Maßnahmen nur unzureichend definiert wurden oder klare Entscheidungen durch die Ausweisung von Prüfgebieten in die Zukunft verschoben wurden.
Das Wärmeplanungsgesetz ermöglicht es Kommunen, Prüfgebiete im Wärmeplan auszuweisen, wenn Fragen zur Realisierung einer bestimmten Versorgungsoption noch nicht abschließend geklärt sind. In einigen Kommunen gilt das für bis zu 20 Prozent der Wohngebiete. Das sorgt für Unsicherheiten bei den Bürgern ob bei Ihnen etwa ein Erneuerbares Wärmenetz kommt oder sie sich selbst um eine dezentrale Versorgung kümmern müssen.
„Angesichts der bundespolitischen Unsicherheiten appellieren wir umso mehr an die Kommunen, vor Ort für einen klaren Ausstieg aus dem Heizen mit Gas zu sorgen. Das heißt: Klartext statt Hintertüren für Biomethan oder Wasserstoff und verbindliche Pläne für die Gasverteilnetzstilllegung. Denn die Zukunft ist erneuerbar“, sagt Löffelsend. mg




















































