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Kanada erforscht Gezeitenkraftwerke

Die Turbine der Firma Cape Sharp Tidal auf dem Weg zu ihrem Einsatzgebiet im Minas-Becken in der Fundy-Bucht. (Foto: <a href="http://capesharptidal.com/wp-content/uploads/2016/07/July7-Halifax-Harbour.jpg" target="_blank">© Cape Sharp Tidal)</a)
Die Turbine der Firma Cape Sharp Tidal auf dem Weg zu ihrem Einsatzgebiet im Minas-Becken in der Fundy-Bucht. (Foto: © Cape Sharp Tidal)

Durch Meeresströmungen Strom erzeugen: Diese Idee ist zwar nicht grundlegend neu, wird aber in der kanadischen Bay of Fundy derzeit neu erforscht. Denn Gezeitenkraftwerke haben im Vergleich zu anderen Erneuerbaren einen entscheidenden Vorteil.

11.11.2016 – Besonders wartungsarm und umweltverträglich soll sie sein: Mit mehr als 16 Metern Durchmesser und über tausend Tonnen Gewicht ist die Turbine, die vor wenigen Tagen an Kanadas Ostküste versenkt wurde, ein wahres Monstrum. Sie musste per eigens gebauten Lastkatamaran an Ihr Ziel zu gebracht werden, die Bay of Fundy zwischen den kanadischen Atlantikprovinzen New Brunswick und Nova Scotia. Dort, im Nadelöhr des Minas-Beckens, soll die Turbine im Wasser Strom erzeugen, bis zu zwei Megawatt Leistung sind möglich. Bis zu fünf unterschiedliche Gezeitenkraftwerke werden von verschiedenen Firmen in einer 1,6 Quadratkilometer großen Versuchszone im Minas-Becken erprobt werden. Machbar wird dies durch den dort vorherrschenden Tidenhub, der mit 16 Metern der höchste der Welt ist und jeden Tag Milliarden Tonnen Meerwasser durch die Bucht pumpt.

Der Tidenhub, also der Unterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Pegelstand, ist genau vorhersagbar – ein Unterschied zu Wind- und Solarenergie. „Turbinen unter Wasser an Standorten mit starken Gezeitenströmungen können kosteneffizient und klimafreundlich elektrische Energie erzeugen“, erklärt Prof. Carolus vom Institut für Fluid- und Thermodynamik der Universität Siegen, deren Wissenschaftler am Projekt mitgearbeitet haben.

Keine Gefahr für Fische

Einer der am häufigsten genannten Kritikpunkte an Solar- und Windenergie ist die Abhängigkeit vom richtigen Wetter. Unterwasserturbinen sind in der Lage, 24 Stunden am Stück und 365 Tage im Jahr ohne Unterbrechung Strom zu liefern. Das macht sie zu attraktiven Alternativen zu den etablierten, landbasierten Erneuerbaren Energien.

Doch wie viele andere Technologien auch haben Unterwasserturbinen ebenfalls Kritiker. Ureinwohner und Umweltschützer fürchten, die Turbine in der Fundy-Bucht könnte die Fischbestände in der Bucht dezimieren. Die Rotorblätter der installierten Turbine drehen sich sehr langsam, so Jeremy Poste. Er ist „Country Manager“ bei Cape Sharp Tidal, der Firma, welche die Turbine jüngst zu Wasser gelassen hat. Er weist die Gefahr für Fische zurück: Die Rotorblätter der Anlage würde sich nur langsam drehen, zudem sei die Turbine in der Mitte offen, so dass Fische einfach durchschwimmen könnten.

Die Branche wächst

Seit 1967 im französischen Rance das erste Gezeitenkraftwerk in Betrieb genommen wurde, haben sich immer mehr Firmen der Frage gewidmet, wie man aus der kinetischen Energie des Meeres Strom gewinnen kann. Besonders in den letzten Jahren sind stetig neue Designs und Technologien erprobt worden. Die anfangs noch relativ geringen Wirkungsgrade wurden kontinuierlich gesteigert, es sind Parallelen zur Windkraft ersichtlich: Je stärker die Branche wächst, desto innovativer und effizienter wird die Technik. Forscher des World Energy Council in London haben vorgerechnet, dass weltweit 250 Millionen Menschen durch Strom aus dem Meer versorgt werden könnten. In nicht allzu ferner Zukunft könnten Gezeitenkraftwerke einen maßgeblichen Teil zur nachhaltigen Stromerzeugung beitragen – sofern Eingriffe in die Natur keine ökologischen Schäden mit sich bringen. bm


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