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Wenn die Meere sauer werden

Eine Koralleninsel im Pazifik. Für Korallen stellen die saurer werdenden Ozeane ein Risiko dar, denn sie sind auf die Bildung von Kalkschalen angewiesen (Foto: Mvey0290 / Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons)
Eine Koralleninsel im Pazifik. Für Korallen stellen die saurer werdenden Ozeane ein Risiko dar, denn sie sind auf die Bildung von Kalkschalen angewiesen (Foto: Mvey0290 / Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons)

Die Ozeanversauerung ist eine direkte Folge des massiven CO2-Ausstoßes durch den Menschen. Das Zusammenwirken der Klimafaktoren auf die Meeresorganismen zusammen mit Überdüngung und Verschmutzung führt zu komplexen Veränderungen in den Ökosystemen.

30.10.2015 – Ambitionierte Klimaziele und Treibhausgasreduktionen seien nötig, um die Zukunft unseres Planeten und des Ozeans zu sichern, mahnten die Meereswissenschaftler Professor Hans-Otto Pörtner und Professor Ulf Riebesell im Vorfeld der Pariser Weltklimakonferenz beim Klima-Frühstück des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK) und des Konsortiums Deutsche Meeresforschung (KDM) diese Woche in Berlin.

Im aktuellen Weltklimabericht wurden erstmals kritische Veränderungsschwellen für Organismen und Ökosysteme und die damit verbundenen Risiken analysiert und auf Temperaturen zurückgerechnet. Neben den tropischen Korallenriffen gelten dabei die Meereisgebiete der Arktis als die verwundbarsten Ökosysteme. „Wir können klar sagen, dass die menschlich verursachte Erwärmung auf deutlich unter 2° C Grad – eher noch 1,5° C Grad – begrenzt werden muss“, mahnt Professor Hans-Otto Pörtner, Biologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Die Empfindlichkeit der Korallenriffe würde eine noch stärkere Begrenzung erfordern: „Nach Modellrechnungen können fünfzig Prozent der Korallenriffe erhalten werden, wenn wir den Temperaturanstieg auf etwa 1,2° C Grad begrenzen. Hierbei sind aber zusätzliche Risiken etwa durch Ozeanversauerung noch nicht einbezogen.“, so Pörtner.

24 Millionen Tonnen Kohlendioxid nimmt der Ozean jeden Tag auf. Er hat bisher etwa ein Drittel des seit Beginn der Industrialisierung freigesetzten CO2 absorbiert und so die Auswirkungen des Klimawandels abgemildert. Durch die CO2-Aufnahme ist der Säuregrad des Ozeans heute im Mittel um 28 Prozent höher als zu vorindustrieller Zeit. Bei ungebremsten CO2-Emissionen wird sich der Säuregehalt bis zum Ende dieses Jahrhunderts mehr als verdoppeln.

Je stärker die Ozeane versauern, desto weniger zusätzliches Kohlendioxid können sie aus der Atmosphäre aufnehmen. „Die Geschwindigkeit der prognostizierten Ozeanversauerung ist beispiellos in der Erdgeschichte“, betonte Professor Ulf Riebesell, Leiter der Forschungseinheit Biologische Ozeanographie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Vor allem kalkbildende Organismen gehören zu den Verlierern der Ozeanversauerung, darunter neben Korallen auch Muscheln, Schnecken, Seeigel und Seesterne sowie viele Kalkbildner im Plankton.“

Die verschiedenen Ebenen der Veränderung sollen nun zusammengeführt werden und besonderes Augenmerk auf die gesellschaftlich relevanten Aspekte gelegt werden – dazu zählen Fischerei, Aquakultur, Tourismus und Küstenschutz. DKK/KDM/na


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