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Dekarbonisierung der IndustrieGrüner Wasserstoff aus Finnland

Industriehalle mit zwei Elektrolyseuren, jeweils ein großer Zylinder und darauf befesttigt zwei kleinere
Elektrolyseanlage von Sunfire aus Dresden in Hrjavalta/Finnland. (Foto: Sunfire SE)

Finnland baut seine Produktion von grünem Wasserstoff aus und setzt dabei auch auf Technologie aus Deutschland. Von der Zusammenarbeit profitieren beide Länder. Finnlands Plan: mittelfristig grünen Wasserstoff exportieren.

08.12.2025 – Deutschland sorgt für Nachfrage, Finnland für die Erzeugung. So könnte eine erfolgreiche Kooperation in Sachen grüner Wasserstoff aussehen. Beide Länder verfolgen ehrgeizige Ziele zur Dekarbonisierung der Industrie - die Zusammenarbeit macht es realistischer, sie zu erreichen.

Elektrolyseur gebaut in Dresden

Eine Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff ging im Frühjahr in Harjavalta im Südwesten Finnlands in Betrieb. Es ist die erste ihrer Art, wie Business Finland, die offizielle Regierungsagentur für Handels- und Investitionsförderung, berichtet. Das Herzstück der Anlage, der Elektrolyseur, stammt vom deutschen Unternehmen Sunfire SE aus Dresden. „Wir sind stolz, mit unseren Elektrolyseuren aus Dresden zu diesem historischen Meilenstein beigetragen zu haben - ein echtes Leuchtturmprojekt für grünen Wasserstoff“, erklärt Sunfire-Geschäftsführer Nils Aldag.

„Die Elektrolyseanlage ist die Schlüsseltechnologie für die Wasserstoffproduktion. Ihre Ankunft in Harjavalta markierte einen wichtigen Meilenstein für die Produktion von grünem Wasserstoff“, sagt Herkko Plit, Gründer und CEO von P2X Solutions, dem Unternehmen, das die Anlage gebaut hat. Weitere Anlagen sollen folgen. Bis 2031 will das Unternehmen eine Kapazität von einem Gigawatt Wasserstoffproduktion aufgebaut haben.

Die Elektrolyseleistung der Anlage in Harjavalta beträgt 20 Megawatt. Sie wird mit Strom aus Erneuerbaren Energien gespeist, so dass grüner Wasserstoff erzeugt wird. Die Pläne sind groß: In Zukunft soll dort in einer weiteren, noch zu erstellenden Anlage künstliches Methan erzeugt werden, das zur Speicherung von Wasserstoff dienen kann.

Finnland will zehn Prozent des EU-Wasserstoffs erzeugen

Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff ist groß. Wenn der Ausbau der Produktion in Finnland in hohem Tempo voranschreitet, könnte das Ziel des skandinavischen Landes, bis 2030 zehn Prozent des in der EU hergestellten grünen Wasserstoffs zu produzieren, erreicht werden. Die Standortbedingungen dafür sind gut: Rund 95 Prozent des erzeugten Stroms sind CO₂-emissionsfrei, die Strompreise niedrig, und Finnland verfügt über umfangreiche Kapazitäten zum Ausbau neuer Erneuerbarer Energien. Hinzu kommt eine widerstandsfähige Technologie- und Industrielandschaft mit hochqualifizierten Fachkräften sowie ein wettbewerbsfähiges, innovatives Umfeld.

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Bundesrechnungshof zu Risiken der Wasserstoffstrategie

Der Bundesrechnungshof sieht im stockenden Wasserstoffhochlauf Risiken für Energiewende, Industrie und den Bundeshaushalt. BEE und VDI stimmen mit Einschätzung des Status Quo überein, werben aber für Pragmatismus und politische Flankierung.

Im Gegensatz dazu ist die Erreichung der Wasserstoff-Ziele in Deutschland eher unsicher. Ein wichtiges H₂-Zwischenziel für Deutschland ist die Erreichung einer Produktionskapazität von mindestens zehn Gigawatt bis 2030. Experten halten dies jedoch für unrealistisch. Unsicherheiten auf dem europäischen Markt – beispielsweise hinsichtlich des aktuell prognostizierten Wasserstoffpreisniveaus oder der noch aufzubauenden Infrastruktur sowie regulatorischer Vorgaben – bremsen notwendige Investitionsentscheidungen. Aufgrund des Mangels an erneuerbarem Strom kann Deutschland die benötigten Wasserstoffmengen nicht selbst produzieren und ist daher im Wasserstoffsektor auf Importe angewiesen, um den Bedarf zu decken.

Finnland als Benchmark

Finnland kann auch bei Digitalisierung und Flexibilisierung des Stromsystems einiges vorweisen, von dem Deutschland noch meilenweit entfernt ist. Der Smart-Meter-Rollout wurde schon vor Jahren erfolgreich in alle Haushalte und Unternehmen gebracht. Dynamische Tarife sind üblich. Ressourcen, wie industrielle Abwärme werden erschlossen. So speist etwa das Google Rechenzentrum in Hamina im Südosten des Landes mit seiner Abwärme das lokale Fernwärmesystem. Charlotte Schmitz

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Finnlands Beispiel für bezahlbaren und sauberen Strom

Was in Deutschland erst anläuft, macht Finnland schon lange vor - wie dynamische Tarife und digitale Technologien es ermöglichen, kostengünstigen und sauberen Strom zu beziehen. Der finnische Strom ist zu 95 Prozent CO2-neutral und das Netz stabil.

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