Dimethylether: Neues Verfahren soll den Wasserstoffmarkt revolutionieren

Von einem Gamechanger für die Wasserstoffwirtschaft spricht das Fraunhofer ISE, das ein besonders effizientes Verfahren für den Transport des Wasserstoffs mittels Dimethylether entwickelt hat.
13.02.2026 – Grüner Wasserstoff soll eines Tages die Verbrennung fossiler Brennstoffe in industriellen Prozessen obsolet machen. An einem weltumspannenden Markt für Importe und Exporte des energiereichen Gases wird mit Hochdruck gearbeitet. Für den deutschen Markt setzen einige vor allem auf die heimische Produktion, während andere das Heil in Importen sehen, aus besonders sonnen- und windreichen Regionen.
Wasserstoff in seiner Reinform über große Strecken per Schiff zu transportieren aber ist ein aufwändiges Unterfangen. Damit möglichst viel in eine Schiffsladung passt, muss das Gas auf Minus 253 Grad Celsius runtergekühlt werden, damit es flüssig transportiert werden kann. Prinzipiell ist das möglich, wie Wasserstofftransporte zwischen Australien und Japan zeigen, aber der Energiebedarf zum Kühlen ist hoch und es gibt reichlich Verluste beim Be- und Entladen.
Daher setzt die Wasserstoffwirtschaft bislang vor allem auf Ammoniak als Energieträger. Ammoniak setzt sich aus einem Atom Stickstoff und drei Atomen Wasserstoff zusammen. Mittels Katalysatoren kann Wasserstoff in reinen Ammoniak umgewandelt werden, der bereits bei Minus 33 Grad flüssig ist und so energiesparender über die Weltmeere transportiert werden kann. Jedoch ist die Rückumwandlung von Ammoniak zu Wasserstoff wiederum mit einem hohen Energieeinsatz verbunden. Etwa 30 Prozent der beförderten Energie im Wasserstoff wird für die Umwandlungsprozesse benötigt.
Gamechanger Dimethylether?
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) erforscht aktuell eine effizientere Alternative und kann erste Erfolge vermelden. Das Gas Dimethylether (DME) könnte dem Institut zufolge der Gamechanger für den Transport des Wasserstoffs werden. Elias Frei, Bereichsleiter Wasserstoff am Fraunhofer ISE, erläutert: „Dimethylether ist der hidden Champion der Wasserstoffwirtschaft, nicht nur weil er eine deutlich höhere volumetrische Energiedichte als das bisher meistens verwendete Ammoniak aufweist und damit ein idealer Kandidat für den Import ist. Er ist zudem in Bereichen wie der Chemieindustrie und dem Transportsektor als Plattformmolekül eine erneuerbare Alternative für fossile Ausgangsstoffe.“
DME ist dem Fraunhofer ISE zufolge kein unbekanntes Gas. Vielen sei es als Treibgas in Deodorants bekannt, auch als Lösungs- und Kühlmittel werde es bereits eingesetzt. Die Herstellung von DME erfolge aktuell jedoch über ein aufwändiges und energieintensives Verfahren.
Hier setze ein vom Fraunhofer ISE entwickeltes Verfahren mit dem Namen INDIGO an. durch gleichzeitig stattfindende Synthese und Destillation werde der Prozess enorm vereinfacht, was die Effizienz steigere und die Kosten gegenüber dem konventionellen DME-Syntheseverfahren um mehr als ein Viertel senke. Der Energiebedarf des Verfahrens sei geringer, da die durch die Reaktion freigesetzte Wärme direkt in die Destillationskolonne einfließe – als energiearmes Verfahren sei es so insbesondere für abgelegene Regionen geeignet.
Im Importland könne DME dann z.B. in einer Dampfreformierung mit einer maximalen Ausbeute zu Wasserstoff zurückgespalten werden. Einfach übersetzt: Bezogen auf die am Ende zur Verfügung stehende Energie, habe das neuartige DME-Syntheseverfahren eine 47 Prozent höhere Wasserstoffkapazität als Ammoniak.
Pilotanlage in Chile
Im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts Power-to-MEDME soll mit Hilfe des neuen INDIGO-Verfahrens das Potenzial für die Produktion CO2-neutraler Energieträger erschlossen werden. In Chile soll eine Pilotanlage zur Produktion von grünem Methanol und DME im Megawatt-Bereich errichtet werden.
Großes Potenzial weist dem Fraunhofer ISE zufolge die Region Antofagasta im Norden des Landes auf, die heute bereits so hohe Überschüsse an Solarstrom aus Photovoltaik und konzentrierender Solarthermie produziert, dass dessen Netzeinspeisung gedrosselt werden muss. mg



















































