Dekarbonisierung der SchifffahrtWasserstoffspeicher für die Energieversorgung von Schiffen im Hafen

Sechs Männer mit Helmen stehen vor einem Passagierschiffsmodell in einer Halle
Das Projektteam beim Kick-off-Treffen des Projekts H2MASS. Forschende entwickeln einen Metallhydridspeicher für die Energieversorgung von Schiffen im Hafenbetrieb. (Foto: Meyer Werft)

Forschende entwickeln einen innovativen Wasserstoffspeicher für den Hafenbetrieb eines Passagierschiffes. Das bordeigene System soll eine emissionsfreie Energieversorgung vor Ort ermöglichen und zukünftig auch weitere Energiebedarfe an Bord decken.

28.08.2026 – Die maritime Branche steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Der Seeverkehr verursacht rund drei Prozent der globalen CO₂-Emissionen – ein Anteil, der durch den wachsenden Welthandel weiter steigen könnte. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen, etwa durch EU-Emissionshandel und die Umsetzung der FuelEU Maritime-Verordnung zur schrittweisen Dekarbonisierung des Seeverkehrs.

Die Reduktion maritimer Emissionen stellt besonders im Hafen eine große Herausforderung dar. Landstrom ist derzeit nicht flächendeckend verfügbar und ist mit hohen Kosten und erheblichem Infrastrukturaufwand für große Passagierschiffe verbunden. Eine Alternative dazu könnte ein bordeigenes Wasserstoffsystem zur emissionsfreien Energieversorgung sein.

Im Rahmen des neuen Projekts H2MASS entwickeln derzeit Forschende des Helmholtz-Zentrums Hereon gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Meyer Werft und der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU) einen Metallhydridspeicher für die Energieversorgung im Hafen.

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Metallhydride speichern den Wasserstoff

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines integrierten Wasserstoffenergiesystems für große Passagierschiffe. Im Mittelpunkt steht dabei ein innovativer Wasserstoffspeicher auf Basis von Metallhydriden. Metallhydride sind pulverförmige Metalle, die Wasserstoffatome chemisch in ihrer Gitterstruktur einlagern. Die Speicherdichte ist dadurch deutlich höher als bei herkömmlichen Hochdrucktanks. Außerdem benötigen Metallhydride einen geringeren Druck, um den Wasserstoff einzulagern und moderate Temperaturen, um ihn wieder abzugeben. Das mache ihren Betrieb sicher und energieeffizient, so die Forschenden.

Über eine Projektlaufzeit von 48 Monaten entwickeln die Partner ein schiffbaulich integrierbares Energiesystem mit einer Zielleistung von 4 Megawatt (MW) zur Abdeckung der Hotellast im Hafenbetrieb. Das Konsortium umfasst neben dem Hereon die Meyer Werft GmbH, die HSU sowie die Carnival Maritime GmbH als assoziierten Partner. Die Meyer Werft koordiniert das Projekt und entwickelt ein detailliertes Schiffskonzept, welches die Integration des Speichersystems unter Berücksichtigung technischer, sicherheitstechnischer und regulatorischer Anforderungen ermöglicht, berichten die Akteure. Ziel sei ein vollständiges Systemdesign, eine belastbare technische Auslegung sowie die Bewertung der Einsatzgrenzen des Speichersystems.

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Digitaler Zwilling für das Speichersystem

Forschende vom Hereon-Institut für Wasserstofftechnologie entwickeln ein skalierbares Metallhydrid-basiertes Wasserstoffspeichermodul und realisieren einen Demonstrator, der unter realitätsnahen Bedingungen getestet wird. Zusammen mit der Helmut-Schmidt-Universität wird das Projekt durch die Entwicklung eines digitalen Zwillings des Speichersystems ergänzt, um eine simulationsgestützte Optimierung und eine digitale Hochskalierung für den Einsatz auf realen Schiffen zu ermöglichen.

Digitale Zwillinge sind interaktive virtuelle Abbilder von hochkomplexen Prozessen, Systemen oder realen Produkten, die kontinuierlich mit Daten aus der realen Welt abgeglichen werden. Sie schaffen Verständnis und können zum Beispiel genutzt werden, um Materialien zunächst virtuell zu entwickeln, bevor aufwendige Real-Experimente durchgeführt werden.

Ein System - viele Schiffstypen

H2MASS sei ein erster Entwicklungsschritt, der die Grundlage für eine spätere Skalierung des Systems schafft, berichten die Akteure. „Wir entwickeln ein voll integrierbares Speichersystem, das an verschiedene Schiffstypen und -größen angepasst werden kann“, sagt Maximilian Passing, H2MASS-Projektleiter und Wissenschaftler am Hereon-Institut für Wasserstofftechnologie. „Damit bringen wir die Technologie der Metallhydrid-basierten Wasserstoffspeicherung einen weiteren Schritt in Richtung Anwendung.“ Perspektivisch könnte das System nicht nur die Hotellast, sondern auch weitere Energiebedarfe an Bord abdecken, etwa für den Antrieb oder hybride Betriebsmodi. na

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