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Netzbetreiber Tennet plant Windstrom-Insel in der Nordsee

Die sechs Quadratkilometer große Insel soll einen Hafen, eine Landebahn und genug Platz für Wohngebäude für 2.000 Menschen besitzen. (Grafik: Tennet)
Die sechs Quadratkilometer große Insel soll einen Hafen, eine Landebahn und genug Platz für Wohngebäude für 2.000 Menschen besitzen. (Grafik: Tennet)

Der Netzbetreiber Tennet will auf einer Sandbank in der Nordsee eine Insel für den Anschluss von Offshore-Windparks errichten und so ein Verteil- und Drehkreuz-System für erneuerbaren Strom schaffen. 2030 bis 2050 könnte die Insel errichtet werden.

20.06.2015 – Die 300 Kilometer lange Doggerbank liegt mitten in der Nordsee, rund 100 Kilometer von der englischen und über 125 Kilometer von der dänischen Küste entfernt, und gilt als nordwestliche Begrenzung der großen Deutschen Bucht. Stellenweise liegt die Sandbank nur 13 Meter unter dem Meeresspiegel, mehrere Windparks sind dort bereits in Planung. Der Vorschlag des staatlichen niederländischen Netz-Unternehmens Tennet, das als Übertragungsnetzbetreiber im Nordwesten Deutschlands auch für den Anschluss der deutschen Meereswindparks verantwortlich ist, kommt daher nicht überraschend.

Der Netzbetreiber und die Offshore-Branche suchen seit längerem Wege zur Kostensenkung, der Anschluss der immer weiter vom Festland entfernten Windparks kostet viel Zeit und Geld. Auch könnten Arbeiter, Ersatz- und Montageteile auf der Insel Platz finden, die Logistik für Offshore-Windparks würde billiger und einfacher. Dem Konzept zufolge soll die Insel sechs Quadratkilometer groß sein, einen Hafen, eine Landebahn und genug Platz für Wohngebäude für 2.000 Menschen besitzen. Die Baukosten für die Insel und nahe Windparks könnten sich durch das seichte Wasser im Rahmen halten, so Tennet. Gleichzeitig gebe es in der Region hohe Windstärken in ausreichenden Mengen.

Interkonnektoren zwischen den Strommärkten der Nordseeländer

Der Übertragungsnetzbetreiber hat seine Insel-Idee in ein größeres Konzept eingebunden, die „Vision für den Bau eines umfassenden europäischen Stromsystems in der Nordsee auf der Grundlage eines Verteil- und Drehkreuz-Systems“. Demzufolge ist nicht nur der kostengünstige Anschluss mehrere Windparks der Nordsee-Anrainerstaaten vorgesehen. Die Windenergie könnte in die Nordseeländer Niederlande, Großbritannien, Belgien, Norwegen, Deutschland und Dänemark über Gleichstromkabel verteilt und übertragen werden. Die Gleichstromkabel dienen dabei gleichzeitig als Interkonnektoren zwischen den Strommärkten der Länder. Sie verteilen nicht nur den Windstrom, sondern sind auch internationale Stromübertragungsleitungen für den internationalen Stromhandel.

Die Doggerbank-Insel als Verteil- und Drehkreuz – Tennet spricht von einem Wind-Konnektor –  könne die effektive Nutzung der Stromverbindungen zwischen Windparks und Festland von ca. 40 bis 50 Prozent Richtung 100 Prozent erhöhen, heißt es. Denn die derzeitige Auslastung der einzelnen Netzverbindungen sei aufgrund unterschiedlicher Auslastung und Wartungenen nicht effizient genug. „Die Kapazitätsnutzung kann und muss durch Nutzung der Gleichstromverbindung als Interkonnektor, mit der Möglichkeit zum bidirektionalen Stromtransport, erheblich erhöht werden“, erklärt Tennet.

Wirtschaftsministerium ist angetan

Der Übertragungsnetzbetreiber drängt dabei auf eine europäische Zusammenarbeit, denn im Energiebereich sind die nationalen Schranken noch hoch. „Es wird für diese sechs europäischen Nordsee-Anrainerstaaten sehr wichtig sein, ihre Ziele zu gegebener Zeit von Landesgrenzen zu trennen und zu akzeptieren, dass offshore erzeugte Elektronen nicht zwangsläufig in ihr eigenes Land übertragen werden müssen“, erklärte Tennet-Chef Mel Kroon.

Dem manager magazin zufolge könnte die Errichtung der Insel 1,5 Milliarden Euro kostet. Eine Investition, die sich angesichts der hohen Kosten für den Netzanschluss der vom Festland weit entfernten Windparks lohnen könnte. Bereits heute gibt es Versorgungsplattformen auf hoher See, weitere sind in Planung. Das Bundeswirtschaftsministerium zeigte sich dem manager magazin zufolge vom Insel-Plan und dem Verteil- und Drehkreuz-System angetan. Die bisherigen Konzepte für die Verbindung von Windparks in der Nordsee seien zu teuer und komplex gewesen. cw


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