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ReformstauSchwacher Windkraft-Ausbau gefährdet Kohleausstieg

Düstere Aussichten für die Windbranche und den Klimaschutz.
Düstere Aussichten für die Windbranche und den Klimaschutz. (Foto: pexels.comCC0 1.0)

Der Kohleausstieg kann nur mit mehr Ökostrom gelingen. Umso erschreckender die neuesten Zahlen: Der Windenergie-Ausbau ist um die Hälfte eingebrochen, Besserung kaum in Sicht. Die Bundesregierung muss endlich eine konsequente Energiepolitik fahren.

04.02.2019 – Erst 2021 könnten wieder deutlich mehr neue Windräder gebaut werden, dann wirken die von der Bundesregierung beschlossenen Sonderausschreibungen für neue Anlagen. Der normale Ausbau hinkt dagegen deutlich hinterher. 2018 wurden Zahlen des Bundesverbands Windenergie zufolge 2.402 Megawatt bzw. 743 Windräder errichtet – ein Rückgang von 55 Prozent gegenüber 2017. Der Neubau liegt damit noch einmal deutlich unter der Schätzung vom Sommer. Damals ging die Windbranche von 3.300 Megawatt aus.

Eigentlich müsste es anders herum laufen, mehr statt weniger Windräder. Denn wie sonst sollen lassen sich Energiewende und Kohleausstieg bis 2038 bewältigen? Nur mit Energiesparen wird das nichts, zumal im Bereich der Energieeffizienz viel zu wenig geschieht. Mehr Ökostrom muss her, das haben Union und SPD sogar im Koalitionsvertrag festgehalten: 65 Prozent soll der Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030 betragen. Bislang gewinnt man den Eindruck, dass die Bundesregierung am Gegenteil bastelt, dem Ausbremsen von Wind- und Solarenergie.

Windenergie-Ausbau 2018Leistung in MegawattAnzahl Anlagen
Brutto-Zubau2.402743
davon Repowering363111
Abbau249205
Netto-Zubau2.154538
Kumulierter Bestand52.93129.213

Tabelle: Windenergie-Ausbau 2018 und Bestand zum 31.12.2018. (Quelle: Deutsche Windguard)

Die Bundesregierung ändert das System nach Lust und Laune

Die Umstellung des Fördersystems neuer Anlagen von einem festen Förderbetrag auf ein Ausschreibungssystem rüttelt die Branche seit Jahren kräftig durch. Seitdem erhält derjenige den Zuschlag, der am wenigsten Förderung für neue Ökostromanlagen verlangt. Alle anderen gehen leer aus und müssen es bei der nächsten Auktion versuchen. Das Problem: Die angesetzten Preise sind teils zu niedrig, teils sind die geförderten Mengen zu gering. Das System hat sich noch nicht eingespielt.

Als Paradebeispiel für undurchdachte Änderungen am System dienen die Sonderregeln für Bürgerenergiegenossenschaften. Da diese im Ausschreibungssystem untergingen, beschloss die Bundesregierung 2017 Vergünstigungen: Genossenschaften mussten fortan noch keine vollständige Genehmigung beim Ausschreibungsbeginn vorlegen und erhielten mehr Zeit zum Bau der Windräder. Plötzlich gründeten auch große Projektierer Genossenschaften und profitierten von den Ausnahmen. Die Folge: Ab 2018 fehlen Projekte in den Auftragsbüchern der Windindustrie, der Baubeginn vieler Windparks verschiebt sich nach hinten, Genehmigungen ziehen sich. Die Windbranche wird abgewürgt.

So lässt sich der Kohleausstieg nicht managen

Beim Ausbau der Solarenergie ein ähnliches Bild: Erst im Dezember beschlossen Bundesregierung und Bundestag eine Kürzung der Förderung für Solaranlagen und Mieterstromanlagen. Obwohl gerade auf den Dächern der Städte genügend Platz für die Erzeugung sauberen Stroms vorhanden ist. Das Potenzial bleibt dort erstmal liegen.

In diesem Jahr erwartet die Windbranche einen kläglichen Ausbau von 2.000 Megawatt, noch weniger als 2018. Dabei ist die Zahl neuer Windräder bereits auf das Niveau von 2013 gesunken. Für den Klimaschutz sind das verlorene Jahre.

Lippenbekenntnisse in die Tat umsetzen

Auf diese Weise lassen sich Energiewende und Kohleausstieg nicht bewältigen, das hat auch die Kohlekommission erkannt. In ihren Empfehlungen fordert sie die Bundesregierung auf, den Ausbau der Erneuerbaren Energien an das Klimaschutzziel 2030 anzupassen. Das bedeutet: Die 65 Prozent Ökostrom bis 2030 müssen in einem Plan und einem Gesetz münden. Bisher sind es nur Lippenbekenntnisse.

Die Windbranche sei bereit, mehr Verantwortung für die Stromversorgung zu übernehmen, heißt es vom Bundesverband Windenergie. Die Politik müsse das aber zulassen und einen Rahmen dafür schaffen. Zudem setzen der Branche ausufernde Genehmigungsprozesse zu. Die Genehmigungen der Behörden würden mittlerweile keine Rechtssicherheit mehr gewähren, klagt der Verband. Fast jede erteilte Genehmigung werde mittlerweile von Anwohnern, Gemeinden oder Umweltverbänden beklagt. „Diese Verfahren nehmen immer mehr Zeit in Anspruch und verzögern damit die Umsetzung.“

Hier seien Bundesregierung und Bundesländer in der Pflicht, die Branche wolle helfen. Unter anderem wurde eine Arbeitsgruppe Akzeptanz gegründet, um Lösungen für die Probleme vor Ort zu finden. Ein Teilaspekt ist das Blinken der Windenergieanlagen bei Dunkelheit. Die Branche würde die störenden Lichter gerne häufiger abschalten, beteuert sie. Es fehle aber mal wieder eine bundesweit einheitliche Regelung. „Hier steht die Bundesregierung in der Verantwortung“, sagt ein Verbandssprecher. Wie bei so vielen Themen rund um die Windenergie. cw


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Kommentare

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Bernd Hoose 04.02.2019, 16:37:06

+114 Gut Antworten

Zu nett.... besser so:

Bewußt blockierter Windkraftausbau gefährdet "wie von RWE geplant" den Kohleausstieg !

 

Text geklaut aber für sehr gut befunden!


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