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Schwankungen der Windstromproduktion reduzieren

Zukünftig könnte der Windkraftausbau verstärkt im Balkan, Griechenland, dem westlichen Mittelmeerraum sowie auch Nordskandinavien stattfinden. In diesen Regionen weht der Wind auch dann noch stark genug, wenn ein Hochdruckgebiet im Nordseeraum für ein
Zukünftig könnte der Windkraftausbau verstärkt im Balkan, Griechenland, dem westlichen Mittelmeerraum sowie auch Nordskandinavien stattfinden. In diesen Regionen weht der Wind auch dann noch stark genug, wenn ein Hochdruckgebiet im Nordseeraum für eine Flaute sorgt. (Foto: Pexels / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Eine bessere Zusammenarbeit europäischer Länder im Bereich der Windenergie könnte zu deutlich geringeren Schwankungen der Stromproduktion führen, zeigt eine aktuelle Studie. Dafür müssten gesamteuropäische Wetterverhältnisse berücksichtigt werden.

29.07.2017 – Erneuerbare Energien stehen immer wieder in die Kritik, weil ihre Stromproduktion aufgrund der Abhängigkeit vom Wetter sehr anfällig für Schwankungen sein kann. So werden beim Ausbau der Windenergie tatsächlich meist nur nationale Strategien verfolgt, um den Wetterverhältnissen im Land selbst gerecht zu werden. Nun zeigt eine neue Studie, dass die Berücksichtigung der gesamteuropäischen Wetterverhältnisse für die Planung des Ausbaus Erneuerbarer Energien die Schwankungen deutlich reduzieren könnte.

Erstmals haben Forschern der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich sowie des Imperial College London dabei großräumige Wetterverhältnisse der vergangenen 30 Jahre in Europa mit Daten der Stromproduktion von Erneuerbaren Energien kombiniert untersucht. Das Ergebnis: Extreme Produktionsschwankungen im Bereich der Windkraft könnten auf ein vergleichsweise niedriges Niveau gesenkt werden, wenn europäische Länder gemeinsam den Ausbau von Kapazitäten in Regionen fördern, in denen Windenergie zurzeit noch kaum genutzt wird.

Die Forscher haben für ihre Analyse die Wind- und Solarstromproduktion in Europa mithilfe einer eigens an der ETH Zürich entwickelten Plattform simuliert. So konnten sie unter anderem das Verhalten der Windstromproduktion auf sieben in Europa vorherrschende Wetterregime sowie auf den zukünftigen Ausbau der Kapazitäten untersuchen. Laut den Wissenschaftlern seien diese Wetterregime zurzeit für tagelange Schwankungen in der Windstromproduktion verantwortlich.

Irgendwo weht der Wind immer

So kann beispielsweise ein Tiefdruckgebiet über dem Atlantik zu starkem Wind in Westeuropa führen, gleichzeitig aber weiter östlich besonders ruhige Bedingungen unterstützen. „Es gibt kaum eine Wettersituation, in der auf dem ganzen Kontinent gar kein Wind weht und damit ganz Europa gar kein Potential für Windenergie hätte“, erklärt Erstautor Christian Grams vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich.

Aktuell seien beispielsweise die Windkapazitäten in Europa eher einseitig verteilt. So wurde vor allem in den Ländern rund um die Nordsee ein hoher Zubau betrieben, was bei einem entsprechenden Hochdruckgebiet mit wenig Wind die gesamte europäische Windenergieproduktion in Bedrängnis bringt.

Diese Problematik wird seit Jahren auch dadurch noch verschlimmert, dass die meisten europäischen Länder eigene Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren verfolgen. Laut den Berechnungen der Wissenschaftler könne dies zukünftig zu Schwankungen bei der Stromproduktion von bis zu 100 Gigawatt führen.

Neue Regionen für Windkraftausbau erschließen

Hingegen könnten bei verbesserten Kooperationen zwischen den Ländern sowie einer stärkeren Berücksichtigung der herrschenden Wetterregime die Schwankungen auf das heutige Niveau von etwa 20 Gigawatt beschränkt werden. Dafür würde der Ausbau im Balkan, Griechenland, dem westlichen Mittelmeerraum sowie auch Nordskandinavien in Frage kommen, so die Forscher. In diesen Regionen wehe der Wind stark genug, wenn ein Hochdruckgebiet im Nordseeraum für eine Flaute sorge. So könne im Gegenzug auch ein Erliegen der Stromproduktion aufgrund der Wetterlage über dem Mittelmeer durch die Windparks im Nordseeraum ausgeglichen werden.

„Deshalb könnte Windstromkapazität in Ländern wie Griechenland oder Bulgarien als wertvoller Ausgleich im gegenwärtigen europäischen Windpark dienen“, betont Mitautor Iain Staffell vom Imperial College London. „Das erfordert allerdings einen Paradigmenwechsel in den Planungsstrategien der Länder, in denen Windkraft Potenzial hat“. jk


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Kommentare

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Eitel Heck 28.07.2017, 10:39:49

+201 Gut Antworten

Dieser Artikel ist wichtig.

Sowohl Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur effizienteren Energieversorgung als auch eine effizientere Energiepolitik der Europäischen Union dienen der Pufferung der fluktuierenden Stromerzeugung, deshaLb hat die in diesen Portal merfach kritisierte FDP in Ihrem Energieprogramm folgende Forderung enthalten:

Die deutsche Energiepolitik muss in die gesamteuropäische Energiepolitik eingebunden werden. Dass Länder wie die Niederlande und Polen bereits darangehen, mit dem Bau von Stromsperren die eigenen Stromnetze vor Überlastung durch deutschen Windkraftstrom zu schützen, zeigt, wie dringlich eine Harmonisierung der Ziele und Instrumente der Energiewende mit dem europäischen Energiebinnenmarkt ist.


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