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Stillstand bei der Offshore-WindenergieStromflaute vor Frankreichs Küsten

Ähnlich wie die im Bild zu sehende Windanlage, ging in Frankreich Ende letzten Jahres das erste Testmodell einer schwimmenden Windturbine vom Stapel. Noch ist diese aber nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. (Foto: © mmatsuura / flickr.com, CC0 1.0)

Trotz vollmundiger Versprechungen der Politik ist in Frankreich bislang kein Offshore-Windpark in Betrieb. Energieunternehmen würden gerne bauen, doch es gibt Widerstand aus der Zivilgesellschaft und durch den Staat, beeinflusst von der Atomlobby.

20.04.2018 – Die Regierung Nicolas Sarkozys legte 2009 das Fernziel von 15 Gigawatt Meeres-Windkraft für 2030 fest. Neun Jahre später steht die Wattanzahl immer noch bei null. Dabei hat Frankreich nach Großbritannien den längsten Küstenstreifen Europas zu bieten. Und auf dem rauen Atlantik windet es meist kräftig. Ideale Voraussetzungen eigentlich um die Windenergie in Frankreich kräftig auszubauen. Damit könnte der Anteil von 18,4 Prozent Erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung Frankreichs im Jahre 2017 deutlich steigen. Doch die Erneuerbaren Energien stagnieren seit Jahren und die Projektierer von Offshore-Windanlagen haben mit großen Widerständen zu kämpfen.

Da sind zum einen Teile der Zivilgesellschaft, die gegen neue Windkraftanlagen vor Gericht ziehen. Die Gründe dafür sind vielfältig, drehen sich aber vor allem um naturschutzrechtliche Bedenken. Und die verschiedenen gerichtlichen Instanzen in Frankreich benötigen sieben bis neun Jahre, um über die Rechtmäßigkeit von Windkraftanlagen zu entscheiden. Neue Regelungen, die Gerichtsverfahren zum Vorteil von Windkraftprojekten beschleunigen sollen, sind bislang nur für Onshore-Windanlagen vorgesehen.

Vollmundige Versprechungen bislang nicht umgesetzt

Und die Politik gebärdet sich in jüngster Zeit nicht gerade unterstützend, wenn es um die Projekte neuer Windkraftanlagen auf dem Meer geht. Dabei hatte noch 2015 der damalige Präsident Francois Hollande im Vorfeld der Pariser Klimaverhandlungen per Gesetz festgelegt, dass 400 Millionen Euro in die Förderung Erneuerbarer Energien – vor allem der Offshore-Windenergie – investiert werden. Doch hinter dem jüngsten Zögern seitens der Politik stecken vor allem die Atomkraft und die sinkenden Kosten für Windkraft, wie die Stuttgarter Zeitung darlegt.   

Die Atomlobby ist in Frankreich sehr mächtig und nach wie vor für einen Großteil der Stromproduktion Frankreichs zuständig. Und der Strom aus den Nuklearkraftwerken wird billig angeboten. Doch dabei werden die Kosten für die Atommülllagerung sowie Instandhaltung und Abrüstung alter Atommeiler zu gering angesetzt. Von den Gefahren, die von maroden Kraftwerken ausgehen, ganz zu schweigen. Die französische Regierung investiert dennoch weiterhin in die Nuklearenergie.

Darüber hinaus sind die Preise für Windstrom auf der Nordsee inzwischen auf 60 Euro pro Megawattstunde gefallen. Die französische Regierung hatte den privaten Projektierern noch 2011 eine feste Stromabnahme für 190 Euro pro Megawattstunde auf Windstrom zugesagt, auf 20 Jahre hinaus. Damit wollte der Staat ursprünglich französische Energieunternehmen unterstützen, auf dem Weg zur Erneuerbaren Energiewende.

Die Offshore-Windkraft steht vor einer ungewissen Zukunft

Nun erklärte der französische Umweltminister diese Woche jedoch, die zugesagten Tarife neu aushandeln zu wollen. Sollte sich die Gegenseite dem Verweigern, würden bestehende Genehmigungen für Offshore-Windparks zurückgenommen. Auch von den Ergebnissen dieser anstehenden Verhandlungen wird es abhängen, ob die Offshore-Windkraft in Frankreich eine Zukunft hat. Während einige Analysten von einem Ausbau von 5 GW Windkraft auf dem Meer bis 2020 ausgehen, glaubt Pauline Le Bertre vom Verband France Energie Eolienne, dass vor 2021 kein Offshore-Windprojekt ans Netz gehen wird. mf


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