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Offshore-WindkraftSubventionen nicht mehr nötig

Ein Windpark auf dem Meer, eingehüllt im Nebel.
Zu sehen ist der Offshore-Windpark Riggat in der Nordsee, nordwestlich der Insel Borkum. (Bild: Impériale / WikiCommons, CC BY-SA 4.0)  

In allen wichtigen Märkten Europas wird Offshore-Windkraft bald günstiger sein als fossile Energie und Subventionen nicht mehr benötigen. Die Windenergie-Branche sieht sich für einen freien und fairen Markt gut gerüstet.

29.07.2020 – Staatliche Förderprogramme trieben die Entwicklung der Windenergie in den vergangenen Jahren voran. Inzwischen wird, neben der Solarenergie, auch der Aufbau von Windkraftanlagen immer günstiger. Vor allem bei der Windenergie auf See fielen die Preise für deren Projektierung in den vergangenen Jahren rapide. Ein internationales Forscherteam stellt nun die Prognose auf, dass in jenen fünf Ländern, die rund 80 Prozent der global installierten Offshore-Kapazität auf sich vereinen, in drei bis vier Jahren Förderungen ganz wegfallen können. Dann wäre die Windkraft in Deutschland, Belgien, Großbritannien, der Niederlande und Dänemark komplett wettbewerbsfähig und darüber hinaus günstiger als fossile Energie, so die Autoren der Studie.

In allen fünf Ländern näherte sich die Verfahrensweise zur Projektierung von Offshore Windenergie-Anlagen in den vergangenen Jahren an, wie die an der Studie beteiligten Wissenschaftler Felix Müsgens und Iegor Riepin vom Lehrstuhl Energiewirtschaft an der BTU Cottbus-Senftenberg schreiben: „Nach Planung und Entwicklung einer neuen Anlage wurde in Auktionen um staatliche Förderungen geboten. Dabei erhielt den Zuschlag, wer am wenigsten forderte. So sanken im Laufe der Zeit die Förderbeiträge in die Nähe der realen Kosten.“

So sank insgesamt die Höhe der Gebote in den letzten Jahren stetig. Der Anteil aus Subventionen hänge zwar von den künftigen Strompreisen ab, doch es zeichne sich, so die Forscher, ein Trend ab: Einige Projekte in Deutschland und den Niederlanden sind bereits subventionsfrei und in Großbritannien spricht man von der Versteigerung des weltweit ersten Offshore-Windpark mit negativer Subventionierung.

Windenergie wird die Strompreise günstiger machen

Dabei handelt es sich um neue Windfarm-Projekte vor der britischen Küste, deren Stromproduktion ab Mitte des Jahrhunderts so günstig seien wird, dass Stromkonsumenten weniger für ihren Strom zahlen müssen. Denn wenn in Großbritannien der vertraglich festgeschriebene Preis für den Strom der Windenergieanlagen teurer ist als der zu diesem Zeitpunkt bestehende Großhandelspreis an der Strombörse, dann müssen die Energieunternehmen die Differenz an den Staat zurückzahlen. Diese Rückzahlungen werden dann in Form von günstigerem Strom an die Konsumenten weitergegeben.

Für die Analyse nahmen die Wissenschaftler der Studie die Auktionen für Offshore-Windparks zwischen 2005 und 2019 genauer unter die Lupe. Laut den Forschern fiel der Preis für Strom aus Offshore-Windparks zwischen 2015 und 2019 um 12 Prozent pro Jahr. Die im Jahr 2019 eingegangenen Gebote rangieren bei einem Durchschnittspreis von 51 € pro Megawattstunde und bewegen sich damit in den Bereichen der fossilen Energieerzeugung.

Ehrliche Kosten und faire Märkte

Wolfram Axthelm vom Bundesverband WindEnergie sieht die Windenergiebranche gut gerüstet für den Wettbewerb gegenüber fossilen Energieträgern. „Die Erneuerbaren Energien sind im Mix und in den einzelnen Technologien bereits voll wettbewerbsfähig, wenn alle Kosten der Energieerzeugung eingepreist werden“, teilt Axthelm auf Anfrage der energiezukunft mit. Emissionshandel und CO2-Bepreisung in immer mehr Staaten führten endlich zu ehrlichen Kosten und fairen Märkten. „Nur dort wo konventionelle Energieträger noch offen oder versteckt subventioniert werden, wird der Markt zu Lasten der klimafreundlichen Erneuerbaren Energien verzerrt“, so Axthelm weiter.

Laut einer Analyse des Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FÖS) fließen in Deutschland allein in die Gewinnung fossiler Energieträger 1,7 Milliarden Euro jährlich. Dazu gehören etwa Altlasten und Sanierung von Braunkohlebergbaugebieten sowie fehlende Wasserentnahmeentgelte für die Absenkung des Grundwasserspiegels. Auch bei der Energieerzeugung werden fossile Brennstoffe mit insgesamt 4,1 Milliarden Euro subventioniert. So erhalten sie unter anderem eine Energiesteuerbegünstigung für die Stromerzeugung, etwa bei Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung. Insgesamt kommt das FÖS auf fossile Subventionen von 17 Milliarden Euro.

Auch hält die Bundesregierung Kohlekraftwerke über die sogenannte Sicherheitsbereitschaft künstlich am Leben und gibt dafür viel Geld aus. Doch die Europäische Union schiebt dem bald einen Riegel vor. Ab 2025 dürfen EU-Länder keine Subventionen mehr für Kohlekraftwerke vergeben, die bislang in der Sicherheitsbereitschaft unterstützt werden. Die anstehende Reform der Europäischen Energiesteuerrichtlinie macht ebenfalls Hoffnung. Eine stärkere Ausrichtung der Energiesteuern- und Umlagen an der Emissionsintensität der eingesetzten Energieträger könnte der Offshore-Windkraft und anderen Erneuerbaren Energieträgern noch einmal ordentlich Schub verleihen. mf


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