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Windenergie ab 2021 braucht neuen politischen Rahmen

Die von Naturstrom AG und Deutscher Umwelthilfe in Berlin präsentierte Studie Weiterbetrieb von Windenergieanlagen nach 2020 der Deutschen WindGuard GmbH soll die klimapolitische Diskussion anstoßen. v.l.n.r.: Anna-Kathrin Wallasch, Leiterin Markets & P
Die von Naturstrom AG und Deutscher Umwelthilfe in Berlin präsentierte Studie Weiterbetrieb von Windenergieanlagen nach 2020 der Deutschen WindGuard GmbH soll die klimapolitische Diskussion anstoßen. v.l.n.r.: Anna-Kathrin Wallasch, Leiterin Markets & Politics Deutsche WindGuard GmbH; Dr. Peter Ahmels, Leiter Energie & Klimaschutz Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH); Oliver Hummel, Vorstand der Naturstrom AG; Dr. Tim Loppe, Pressesprecher Naturstrom AG. (Foto: Joschua Katz)

Ab 2021 endet die EEG-Vergütung für mehrere tausend ältere Windkraftanlagen. Eine Studie der Deutschen WindGuard zeigt, dass die alten Anlagen günstig produzieren – gehen sie dann massenweise vom Netz, würde die Energiewende um Jahre zurückgeworfen.

02.03.2017 – Die von Naturstrom AG und Deutscher Umwelthilfe (DUH) gestern in Berlin präsentierte Studie Weiterbetrieb von Windenergieanlagen nach 2020 der Deutschen WindGuard GmbH soll die klimapolitische Diskussion anstoßen, denn die Voraussetzungen für den sinnvollen Weiterbetrieb von Windkraftanlagen nach 2021 müssen jetzt schon vorbereitet werden: Die alten Windkraftanlagen produzieren äußerst günstig, so das Fazit der Studie; langfristig müssen dennoch der Börsenstrompreis steigen und die Rahmenbedingungen stimmen, um vermehrte Stilllegungen von Bestandsanlagen ohne EEG-Förderung zu verhindern. Die Auftraggeber der Studie fordern daher, die Kohleverstromung und somit die erheblichen fossilen Überkapazitäten schnell zu reduzieren. Damit werden nicht nur CO2-Emissionen vermieden, sondern auch die Bedingungen für die weitere Erzeugung von günstigem, CO2-freiem Strom durch die alten Windkraftanlagen verbessert.

„Gehen die Altanlagen massenweise vom Netz, wird die Energiewende um Jahre zurückgeworfen“, warnt Oliver Hummel, Vorstand der Naturstrom AG. Allein am 31. Dezember 2020 endet für rund 6.000 Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen 4.500 Megawatt (MW) die EEG-Vergütung. Bis 2026 kommen von da an jährlich rund 1.600 Windräder in diese Situation. „Viele Windmüller stehen schon jetzt vor der Frage, ob sie Weiterbetriebsgutachten in Auftrag geben und Service- sowie Pachtverträge neu aushandeln “, erläutert Anna-Kathrin Wallasch, Abteilungsleiterin Markets & Politics bei der Deutsche WindGuard GmbH und Mitautorin der Studie. „Denn nur so können sie ihre Anlagen über die Nutzungsdauer von 20 Jahren hinaus weiter betreiben und den Strom nach 2020 am Markt verkaufen. In Summe entsteht den Windmüllern dadurch erheblicher Aufwand.“

„Windstrom aus Altanlagen ist sehr günstig, das zeigt die Studie“, so Hummel weiter. „Aber die Strompreise am Kurzfristmarkt der Börse, wie wir Sie aktuell erleben, sind für kein Kraftwerk – gleich welcher Technologie – auskömmlich.“ In der Studie wurden Abschätzungen dazu getroffen, wie die Weiterbetriebssituation im Anlagenbestand unter unterschiedlichen Annahmen für Ertrags- und Kostenstrukturen aussieht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein deutlicher Teil der älteren Windenergieanlagen ab einem Erlös von etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunden (kWh) weiterbetrieben werden kann, wirtschaftlich wird es aber für den Großteil der Anlagen voraussichtlich erst bei über 4 Cent je kWh. Nur sehr wenige Anlagen, bei denen sowohl die Ertrags- als auch die Kostenstrukturen extrem günstig ausfallen, könnten ihren Strom schon für knapp unter 3 Cent je kWh produzieren. „Die Spotmarktpreise lagen 2016 im Mittel bei 2,90 Cent pro kWh. Wenn sich an diesem Preisniveau nichts ändert, wird nur für sehr wenige Anlagenbetreiber ein Weiterbetrieb Sinn machen“, so Hummel.

Peter Ahmels, Leiter Energie und Klimaschutz bei der DUH, sieht darin vor allem eine verpasste Chance für die deutschen Klimaziele: „Es wird bei der Windenergie schlimmstenfalls Jahre brauchen, um die wegfallenden alten Anlagen durch Neubau auszugleichen und wieder auf den Stand von Dezember 2020 zu kommen. Und dies zu merklich höheren Kosten. Denn der Bedarf an erneuerbarem Strom nimmt zu, für den Klimaschutz und für die Bereiche Verkehr und Wärme.“ 2021 scheint noch weit weg zu sein, aber die Entscheidung über den Weiterbetrieb treffen die Windmüller nicht erst im Dezember 2020.

„Die nächste Bundesregierung muss den Kohleausstieg beschleunigen, um die Energiewende abzusichern“, fordert daher Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Funktionsfähige und kostengünstige Stromerzeugungsanlagen aus regenerativen Quellen dürfen nicht ohne Not abgeschaltet werden, solange die Klimaziele noch in weiter Ferne liegen. Stattdessen sollten Kohlekraftwerke stillgelegt werden.“ Die Stilllegung einer großen Anzahl alter Windräder wäre kontraproduktiv für die Umweltschutzziele. Politische Maßnahmen zur Ermöglichung des Weiterbetriebs sollten Rahmenbedingungen schaffen, die den Windmüllern eine Vermarktung ihre Stromerzeugung als gekennzeichneter Ökostrom erlauben. tl


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Kommentare

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Wolf von Fabeck 11.03.2017, 20:18:29

+207 Gut Antworten

Ich habe mir angewöhnt, längere Beiträge zur Energiewende per Suchfunktion daraufhin zu prüfen, ob die wichtigste technische Maßnahme zur Umsetzung der Energiewende berücksichtigt wurde, nämlich die Notwendigkeit der raschen Markteinführung von Stromspeichern zur Überbrückung von Wochen mit wenig Wind und wenig Sonne. Das ist hier leider nicht der Fall. Das Wort "Speicher" kommt nicht vor.

 

Vergessen???

 

Wolf von Fabeck <sfv-fabeck@gmx.de>

Clemens Weiß 13.03.2017, 09:40:38

+192 Gut Antworten

Hallo Herr von Fabeck,

 

wie würden denn Speicher aus Ihrer Sicht bei dem Problem helfen? Ich sehe keine Möglichkeiten, da es sich in erster Linie um Entstehungskosten und Erlösmöglichkeiten an der Strombörse handelt. Speicher, welcher Technologie auch immer, werden nach Ansicht der meisten Experten ohnehin erst ab 2030 in größerem Maßstab benötigt.

 

Viele Grüße,

Clemens Weiß / Redaktion


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