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StromerzeugungWindräder belasten die Umwelt am wenigsten

Windenergie ist die Art der Stromerzeugung, die die Umwelt am wenigsten belastet.
Windenergie ist die Art der Stromerzeugung, die die Umwelt am wenigsten belastet. (Foto: © Nathan Gonthier, Unsplash)

Erneuerbare Energien sind gut für Klima und Natur, Kohlekraftwerke dagegen schlecht, klar. Aber wie stark sind die Unterschiede wirklich? Das Umweltbundesamt hat nachgerechnet, Braunkohle ist demnach 74 Mal schädlicher für die Umwelt als Windräder.

18.01.2019 –Kohlendioxid, Stickstoffoxide, Schwefeldioxide, Feinstaub oder Quecksilber: Treibhausgase, Luftschadstoffe und weitere Umweltbelastungen schädigen Klima, Natur und Gesundheit von Menschen und Tieren, sie tragen zum Artensterben bei und beinträchtigen Ökosysteme. Sie führen zu wirtschaftlichen Verlusten, in der Landwirtschaft, der Produktion und Infrastruktur. Um solche Schäden berechnen und abschätzen zu können, hat das Umweltbundesamt wissenschaftliche Methoden zur Umrechnung in Geldwerten erarbeitet.

164 Milliarden Euro Umweltkosten durch Treibhausgase

Die Kostensätze zeigen, welchen Nutzen Umweltschutz für die Gesellschaft hat und welche Kosten der Gesellschaft durch unterlassenen Umweltschutz entstehen. Der Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid, also CO2, verursacht demnach Schäden in Höhe von 180 Euro. Umgerechnet auf die gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands im Jahr 2016 entspricht das Gesamtkosten von rund 164 Milliarden Euro. (Um Berechnungen einfacher zu gestalten, wurde die Belastung aller Luftschadstoffe in CO2 umgerechnet.)

Dabei beließ es die Umweltschutzbehörde allerdings nicht, sondern übertrug ihre Ergebnisse auf die Stromerzeugung. Betrachteten wurden nicht nur die direkten Emissionen im Rahmen der Stromerzeugung, sondern auch die indirekten durch Bau, Instandhaltung und Abbau der Anlagen.

Demnach belastet Windenergie die Umwelt am wenigsten, Braunkohle dagegen am meisten.

Stromerzeugung durchLuftschadstoffeTreibhausgase (180€/t CO2äq)Umweltkosten gesamt (180€/t CO2äq)
Braunkohle1,9518,8620,81
Steinkohle1,6017,1918,79
Erdgas0,837,778,59
Öl4,9215,1320,06
Wasserkraft0,060,240,30
Windenergie0,100,180,28
Photovoltaik0,411,231,64
Biomasse3,744,427,71

Tabelle: Umweltkosten der Stromerzeugung in Deutschland einschließlich Vorketten in Euro-Cent (2016) / Kilowattstunde elektrisch. (Quelle: Umweltbundesamt, Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten – Kostensätze)

Windenergie und Wasserkraft verursachen mit 0,28 bzw. 0,3 Cent pro Kilowattstunde die geringsten Umweltkosten. Mit Abstand folgen die anderen Erneuerbaren Energieformen Photovoltaik (1,64 Cent) und Biomasse (7,71 Cent). Von den fossilen Energien kann einzig Erdgas mit Umweltkosten von 8,59 Cent pro Kilowattstunde den einstelligen Bereich halten, Steinkohle und besonders Braunkohle sind mit 18,79 und 20,81 Cent pro Kilowattstunde am schädlichsten für Klima, Natur und Gesundheit.

Eine generationenübergreifende Berechnung ergibt noch größere Unterschiede

Die Kostensätze gehen aber noch einen Schritt weiter. Da es sich bei Schäden durch den Klimawandel um generationenübergreifende Schäden handele, „empfehlen wir eine Sensitivitätsanalyse mit einem Wert von 640 Euro pro Tonne CO2, da dieser eine Gleichgewichtung der Nutzen heutiger und zukünftiger Generationen widerspiegelt“, heißt es in der Studie. Nach dieser Methode ist der Unterschied noch gravierender. Die Windenergie verursacht 0,65 Cent Umweltkosten pro Kilowattstunde, Braunkohlestrom sogar 69,01 Cent pro Kilowattstunde – über hundertmal mehr.

Auffällig ist das Fehlen der Atomenergie in den Berechnungen. Das Umweltbundesamt begründet das mit der schwierigen Bewertung nuklearer Störfälle und des Atommülls. „Zur Bewertung der Emissionen aus der Kernenergie empfehlen wir daher die Emissionsfaktoren der Technologie mit den höchsten Umweltkosten, in diesem Fall also Braunkohle, zu verwenden“, schreibt die Umweltbehörde.

Größtes Kohlekraftwerk stößt über 30 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus

Bei den Daten müsse berücksichtigt werden, schreibt das Umweltbundesamt, dass die Kostensätze insbesondere Treibhausgase und klassische Luftschadstoffe berücksichtigen. Andere Umweltfolgen wie die Beeinträchtigung von Ökosystemen oder Landnutzungsänderungen seien nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt worden.

Doch auch mit einer umfassenderen Betrachtung dürfte sich an den Werten kaum etwas ändern. Immerhin stößt allein das größte Braunkohlekraftwerk Deutschlands, das Kraftwerk Neurath westlich von Köln, pro Jahr u.a. folgende Luftschadstoffe aus (Stand 2016):

  • 31 Millionen Tonnen CO2,
  • 21.000 Tonnen Stickstoffoxide,
  • 7.100 Tonnen Kohlenmonoxid,
  • 5.500 Tonnen Schwefeldioxide,
  • 480 Tonnen Feinstaub,
  • 60 Tonnen anorganische Chlorverbindungen,
  • 570 Kilogramm Quecksilber.

cw


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Kommentare

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Hans Joachim Brügelmann 18.01.2019, 13:03:26

+191 Gut Antworten

Bei der Betreibung von Biomassekraftwerken wird übersehen, das es hier auch

um die Entmethanisierung von Bioabfällen geht. Alle Bioabfälle alleine von

Deutschland machen ca. 80 Millionen Tonnen aus. Werden diese nicht

verwertet, so entweichen Unmengen an Tonnagen von Methan bei der bak-

teriellen Zersetzung von Biomasse. Methan ist hier ca. 30 Mal aggressiver für

den Klimawandel verantwortlich wie CO2. CO2 kann auf verschiedenste Art

gebunden werden, so alleine könnte durch eine pfluglose landw. Produktion

der größte Teil in Form von Humus in den Boden gespeichert werden.

Methan jedoch entweicht in die Stratosphäre und verursacht unwiderrufliche

Schäden durch Bildung von erderwärmenden Luftschichten.

Biomassereaktoren haben noch den Vorteil, dass ein Volldünger als Biomasseabfall

entsteht, der als organischer Dünger ausgebracht, in Form von Humus bei pflug-

losem Ackerbau in der Ackerkrume gespeichert wird. Der Boden kann dank Humus

mehr Wasser speichern und die Erträge steigern.

Biomassekraftwerke aus Bionasseabfälle liefern somit speicherbare Energie in Form

von Biogas, wandelt das in der Biomasse freiwerdende Methan bei der bakteriellen

Vergärung in Biogas um, welches dann auf Abruf über BHKW‘s in Strom und Wärme

verwertet werden kann, liefert wertvollsten Biodünger als Nebenprodukt und ist in

der Gesamtsumme der Vorteile ohne Umweltbeeinträchtigungen einsetztbar.

Euer

HJB. Diplom-Ing. agr.

Erik Franke 19.01.2019, 12:31:10

+161 Gut Antworten

Die Beurteilung der Kernenergie beruht nur auf Annahmen und ist unseriös. Dadurch erscheint der Inhalt des gesamte Beitrags als fraglich.

Conrad Heimbold 24.01.2019, 10:12:29

+156 Gut Antworten

An Hans-Joachim Brügelmann:

 

Ihr Kommentar zum Thema Biomasse ist FALSCH. In Biomasse-Kraftwerken wird Biomasse ANAEROB zersetzt, d.h. OHNE Sauerstoff. Nur anaerobe Bakterien produzieren Methan. In der Natur dagegen wird Biomaterial von AEROBEN Bakterien MIT Sauerstoff zersetzt, wenn das Biomaterial einfach in einer dünnen Schicht auf den Boden liegt. (Dann kommt auch überall die Luft + Sauerstoff ran). Dabei entsteht so gut wie GAR KEIN Methan, weil aerobe Bakterien KEIN Methan produzieren.

Bei anaerober Zersetzung (Vergärung) entstehen Gärreste, bei aerober Zersetzung (Kompostierung) entsteht Humus.

Gärreste sind extrem trocken, verdichtet und biologisch TOT - man kann sie deshalb KEINESWEGS mit Humus vergleichen, der bei der natürlichen Kompostierung entstehen würde!

Diese Art der Desinformation zu grundlegenden biologischen Vorgängen ist wirklich alarmierend.

Nur deshalb sinkt der Humus-Gehalt auf deutschen Äckern: Biogas-Anlagen produzieren KEINEN Humus. Weil die Äcker in Deutschland immer weniger Humus haben, können die Äcker auch KEIN Wasser mehr speichern (d.h. trocknen aus), keine Nährstoffe mehr speichern (wodurch Nitrate in das Grundwasser gespült werden) und kein CO2 mehr speichern (in Form von Humus).

Conrad Heimbold 24.01.2019, 10:18:45

+144 Gut Antworten

An Hans Joachim Brügelmann:

Biomasse-Anlagen sind nur dann sinnvoll, wenn in Ihnen die NATÜRLICHE Kompostierung mit Sauerstoff und AEROBEN Bakterien stattfindet, die dann HUMUS produzieren!

Die derzeitigen Biomasse-Kraftwerke ohne Sauerstoff-Zufuhr sind extrem umweltschädlich, weil sie oftmals nur mit Monokultur-Energiepflanzen wie Mais betrieben werden, die extrem humus-zehrend sind für den Boden und die Gärreste keinen Beitrag leisten zum Humus-Aufbau im Boden!


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