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Klimaklage




Wetterradare16.000 zusätzliche km2 für den Bau von Windkraftanlagen

Ein Turm auf einer Erhöhung in der Landschaft. Ganz weit im Hintergrund sind Windräder zu sehen.
Wetterradar in Boostedt, Schleswig-Holstein: Immense zusätzliche Flächen für die Windkraft (Bild: © DWD)

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor den Folgen der Klimakrise in Deutschland und trägt nun einen weiteren Teil zum Klimaschutz bei. Ab dem kommenden Jahr gibt der DWD bisherige Schutzzonen um seine Wetterradartürme für die Windenergie endgültig frei.

24.03.2023 – Bei der jährlichen Klima-Pressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde Andreas Becker, Leiter der Klimaüberwachung beim DWD, deutlich: „Wir treiben Deutschland und unsere Gesellschaft aus der Komfortzone des Klimawandels heraus“, zitiert ihn t-online. Die Bilanz von 2022 für die Zukunft: Es werde nicht nur ungemütlich, sondern lebensgefährlich – Extremwetter und Naturgefahren als Folgen des Klimawandels seien kein abstraktes Risiko mehr. Auf der Pressekonferenz kündigte der DWD an, noch enger mit dem Erneuerbaren Energiesektor zusammenzuarbeiten.

So wolle der DWD die langfristigen Planungen der Energiewirtschaft unterstützen, durch noch detailliertere Informationen über sich im Klimawandel ändernde meteorologische Rahmenbedingungen und die regionalen Unterschiede im Dargebot von Wind und Sonne. Beispielhaft nannte der DWD Saharastaubausbrüche, die in Deutschland etwa 30 bis 40 Mal im Jahr recht kurzfristig zu einer deutlich geringeren Stromerzeugung aus Photovoltaik führen und durch teurere Erzeugungsarten ausgeglichen werden muss. Durch eine enge Verzahnung von genaueren Vorhersagen mit der Netzsystemführung könnten laut DWD jährlich Einsparungen in Millionenhöhe erreicht werden.

Störanfällig

Den Bau weiterer Windkraftanlagen unterstützt der DWD auch mit einer letzte Woche getroffenen Entscheidung. Ab Anfang 2024 will man fast 90 Prozent der Schutzzonen um seine Wetterradartürme und Windprofiler für den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen freigeben. Dabei handelt es sich um den 5 km bis 15 km-Radius um 18 existierende und vier im Genehmigungsprozess befindliche Wetterradarstandorte sowie um vier Windprofiler in Deutschland. Damit werden grundsätzlich 16.000 zusätzliche km2 für den Bau von Windkraftanlagen frei. Eine Entscheidung, die Auswirkungen auf die Arbeit des DWD haben kann.

Gerhard Adrian, Präsident des DWD, erläutert: „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Windkraftanlagen im Nahbereich von Wetterradaranlagen können die Qualität unserer Wetterüberwachung und damit von Unwetterwarnungen deutlich stören. Wir hoffen, dass sich nun auch die Windkraftbetreiber kompromissbereit zeigen und uns anonymisierte Betriebsdaten und, falls vorhanden, meteorologische Daten ihrer Anlagen im 15 km-Radius um Wetterradare überlassen.“ Daten, die dem DWD helfen können Störungen der Radardaten durch sich bewegende Rotorblätter etwas auszugleichen.

Als ergiebiger Niederschlag interpretiert

Lange warnte der DWD grundsätzlich vor Windenergieanlagen in unmittelbarer Entfernung zu Wetterradaren. In einer Studie von 2016 beschrieb der DWD die Problematik genauer. Zum einen würden Windenergieanlagen aufgrund ihrer Größe ein hohes Reflexionsvermögen für Radarstrahlen besitzen Der Großteil der Reflexion entstehe dabei durch den Turm und die Generatorkabine. Die Rotorblätter hingegen würden durch ihre permanente Drehung eine Phasenverschiebung der reflektierten Radarwelle – den sogenannten Doppler-Effekt – erzeugen. Eine Windenergieanlage werde deshalb nicht als stationäres und damit filterbares Stör-Echo erkannt. Die sich drehenden Rotoren würden vielmehr dazu führen, dass das Echo der Windkraft fälschlicherweise als sehr ergiebiger Niederschlag interpretiert wird. Zudem könnten große Windparks zu einer Abschattung der Atmosphäre führen. Unwetter würden nicht erkannt.

In einem Maßnahmenpaket hatten Bundeswirtschafts- und Verkehrsministerium schon im April letzten Jahres angekündigt, die vorgegebenen Abstände zu Wetterradaren zu verkleinern. Der DWD hatte diesen Entscheidungsprozess eng begleitet. Nun gibt der DWD die Flächen endgültig frei. Eine unverzichtbare Schutzzone von 5 Kilometern um Wetterradare gebe es jedoch weiterhin. Da Radaranlagen oft in hindernisfreien, abgelegenen und erhöhten Standorten liegen, sind diese oft auch für die Windkraft interessant, was weiterhin zu Konflikten führen könne. Man sei bereit über die Verlegung von Wetterradarstandorten zu sprechen, so DWD-Präsident Adrian. „Aber erst, wenn grundsätzlich geklärt ist, welche Gebiete in Deutschland als Windkraftvorrangflächen ausgewiesen werden und wir damit Planungssicherheit haben.“ mg

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