Energiewende in Gefahr: Aiwanger kämpft für Windkraft

Mit einem Antrag im Bundesrat will Bayern eine zusätzliche Ausschreibung für Wind an Land in diesem Jahr herbeiführen. Zum Netzpaket von Katherina Reiche äußert Energieminister Aiwanger Kritik. Die Redispatch-Vorbehalte gehen ihm zu weit.
16.02.2026 – Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger ist besorgt, dass der Windkraftausbau im Freistaat durch zu geringe Ausschreibungsmengen ausgebremst wird. Alle vier Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur für Wind-an-Land-Projekte waren 2025 überzeichnet. Die Auktion im November brach alle Rekorde: auf ein Volumen von 3.450 Megawatt hatten sich Projekte mit 8.155 Megawatt beworben.
Die Bundesnetzagentur hatte deshalb bereits das Volumen der ersten Ausschreibung in diesem Jahr um fast 1.000 Megawatt angehoben. Doch die Befürchtungen der Windbranche sind nicht von der Hand zu weisen: auch 2026 werden viele Projekte, die sich um eine EEG-Vergütung bewerben, diese nicht bekommen.
Aiwanger verweist auf die vielen Genehmigungsanträge für Windprojekte, die im letzten Jahr in Bayern gestellt wurden und das seit 1. Januar 2026 in Bayern geltende Beteiligungsgesetz, dass für weitere Akzeptanz sorgen wird. Betreiber neuer Windenergie- und Photovoltaik-Freiflächenanlagen müssen Gemeinden nun verpflichtend beteiligen. Der Wert einer solchen Beteiligung muss zwischen 0,2 und ca. 0,3 Cent pro Kilowattstundeliegen. Ermöglicht werden sowohl Direktzahlungen als auch individuelle Vereinbarungenzwischen Vorhabenträgern und Gemeinden.
Zusätzlich fünf Gigawatt Ausschreibungsvolumen schaffen
Bayern setzt sich daher mit einer Bundesratsinitiative für eine Sonderausschreibung Windenergie mit zusätzlichen fünf Gigawatt im Jahr 2026 ein. Im Zuge der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) braucht es laut Aiwanger zudem eine Weiterentwicklung des Referenzertragsmodells, das auch windschwächere Standorte berücksichtigt, sowie zusätzliche Ausschreibungsmengen, um den Ausbau nachhaltig abzusichern.
Aiwanger betont: „Die Windenergie ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende. Damit gut geplante Projekte auch realisiert werden können, müssen ausreichend Zuschläge zur Verfügung stehen. Unsere Bundesratsinitiative schafft dafür die notwendigen Voraussetzungen. Zudem brauchen wir Klarheit bei den bundesweiten Zielvorgaben, insbesondere für die Flächenausweisungen. Aktuell wird im Bund darüber diskutiert vom 2-Prozent-Ziel abzuweichen. Das entwertet laufende Planungen und schafft Rechts- und Investitionsunsicherheit.“
Das Engagement von Aiwanger für die Windkraft hat auch ein finanzielles Motiv: viele der geplanten Standorte befinden sich auf Flächen des bayrischen Staatsforstes, die Pachteinnahmen aus den Projekten fließen in den Landeshaushalt.
Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern (LEE Bayern) haben am 12. Februar 2026 ebenfalls an Bundesregierung und Bundesnetzagentur appelliert, das Ausschreibungsvolumen für Windenergie an Land im Jahr 2026 spürbar anzuheben.Selbst wenn besonders viele Projekte in Nord- und Ostdeutschland unmittelbar profitieren würden, ist eine Erhöhung des Ausschreibungsvolumens im Sinne der gesamtdeutschen Energiewende richtig und notwendig, betonen die Erneuerbare-Energien-Verbände.
Aiwanger kritisiert auch Details am geplanten Netzpaket
Mit dem geplanten Netzpaket sollen in stark belasteten Verteilnetzgebieten Wind- und Solaranlagen nur noch gebaut werden dürfen, wenn Betreiber auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten. Aiwanger kritisiert diesen Vorschlag: „Die Zielsetzungen des Netzpakets sind aus fachlicher Sicht grundsätzlich zu befürworten. In der aktuellen Ausgestaltung sehen wir jedoch Anpassungsbedarf. Die Redispatch-Vorbehalte gehen in der jetzigen Ausgestaltung zu weit. Redispatch ist nicht per se schlecht, ein Maximalausbau der Netze auf installierte Leistung ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Das 3-Prozent-Kriterium liegt zu niedrig und würde den Ausbau der Erneuerbaren Energien behindern. Weiterhin ist die vorgesehene Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete für bis zu zehn Jahre zu lange. So lange dauert der Verteilnetzausbau nicht einmal ohne Beschleunigungsbemühungen.“
Breites Verbändebündes appelliert, Netzpaket und EEG ambitioniert anzugehen
Das Netzpaket der Wirtschaftsministerin steht von vielen Seiten in der Kritik, weil es am Einspeisevorrang erneuerbarer Energien rüttelt und damit die Energiewende insgesamt gefährdet. Ein breites Verbändebündnis, dem unter anderem der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften, der BSW Solar und der Deutsche Naturschutzring angehören, forderte die Politik kurz nach Bekanntwerden des Entwurfs auf, die EEG-Novelle und das Netzpaket ambitioniert auszugestalten und zu einem Signal für Tempo, Verlässlichkeit und Fortschritt zu machen – im Interesse der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Beschäftigten.
EEG-Novelle und Netzpaket dürften nicht zu einem Instrument werden, um Ausbauziele durch die Hintertür abzuschwächen, Förderbedingungen zu verschlechtern oder Investoren zu verunsichern. „Der Netzzugang für Wind- und Solaranlagen darf nicht gedrosselt und damit für die Betreiber zu einem unkalkulierbaren Risikofaktor werden. Überschüssiger Strom sollte eher gespeichert oder für die Erzeugung von grünem Wasserstoff genutzt werden“, heißt es in dem Appel.
Stabilität des Energiesystems gefährdet
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des BEE, formulierte: „Die nun bekannt gewordenen Pläne aus dem Netzpaket bergen die Gefahr einer Zubaublockade für die Erzeugungskapazitäten und können direkt zu Energieknappheit und steigenden Preisen führen. Werden diese Pläne wahr, gefährdet das Wirtschaftsministerium die Stabilität unseres Energiesystems.“
Heinen-Esser verwies auf die Lösungsmöglichkeiten, die es gebe und die das Potenzial der Erneuerbaren ausschöpfen, statt es künstlich kleinzuhalten: die Synchronisierung von Netzausbau und Erneuerbaren, Mehrfachnutzung von Netzanschlüssen, Ausweitung flexibler Netzanschlussvereinbarungen, Standardisierung von Komponenten, Transparenz über Planung und Anschlussbegehren. pf


















































