Energiewende in GefahrAiwanger kämpft für Windkraft

Kran hebt Rotorflügel im Rahmen der Montage an eine Windkraftanlage
Es gibt viele genehmigte Windkraftanlagen, die sich um einen Zuschlag für eine EEG-Vergütung bewerben. Absehbar werden viele leer ausgehen. (Foto: CarstenE auf Wikimedia / CC BY-SA 3.0)

Mit einem Antrag im Bundesrat will Bayern eine zusätzliche Ausschreibung für Wind an Land in diesem Jahr herbeiführen. Zum Netzpaket von Katherina Reiche äußert Energieminister Aiwanger Kritik. Die Redispatch-Vorbehalte gehen ihm zu weit.

16.02.2026 – Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger ist besorgt, dass der Windkraftausbau im Freistaat durch zu geringe Ausschreibungsmengen ausgebremst wird. Alle vier Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur für Wind-an-Land-Projekte waren 2025 überzeichnet. Die Auktion im November brach alle Rekorde: auf ein Volumen von 3.450 Megawatt hatten sich Projekte mit 8.155 Megawatt beworben.

Die Bundesnetzagentur hatte deshalb bereits das Volumen der ersten Ausschreibung in diesem Jahr um fast 1.000 Megawatt angehoben. Doch die Befürchtungen der Windbranche sind nicht von der Hand zu weisen: auch 2026 werden viele Projekte, die sich um eine EEG-Vergütung bewerben, diese nicht bekommen.

Aiwanger verweist auf die vielen Genehmigungsanträge für Windprojekte, die im letzten Jahr in Bayern gestellt wurden und das seit 1. Januar 2026 in Bayern geltende Beteiligungsgesetz, dass für weitere Akzeptanz sorgen wird. Betreiber neuer Windenergie- und Photovoltaik-Freiflächenanlagen müssen Gemeinden nun verpflichtend beteiligen. Der Wert einer solchen Beteiligung muss zwischen 0,2 und ca. 0,3 Cent pro Kilowattstundeliegen. Ermöglicht werden sowohl Direktzahlungen als auch individuelle Vereinbarungenzwischen Vorhabenträgern und Gemeinden. 

Mehr zum Thema

Wald und Wiese vor Alpenpanorama
Nach langem Stillstand

Windkraft-Wende in Bayern

Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Bayern fast 600 Megawatt Windkraftleistung genehmigt. Zudem meldet Energieminister Hubert Aiwanger 743 neue Genehmigungsanträge, doppelt so viele wie in den letzten drei Jahren zusammen.

Zusätzlich fünf Gigawatt Ausschreibungsvolumen schaffen

Bayern setzt sich daher mit einer Bundesratsinitiative für eine Sonderausschreibung Windenergie mit zusätzlichen fünf Gigawatt im Jahr 2026 ein. Im Zuge der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) braucht es laut Aiwanger zudem eine Weiterentwicklung des Referenzertragsmodells, das auch windschwächere Standorte berücksichtigt, sowie zusätzliche Ausschreibungsmengen, um den Ausbau nachhaltig abzusichern.

Aiwanger betont: „Die Windenergie ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende. Damit gut geplante Projekte auch realisiert werden können, müssen ausreichend Zuschläge zur Verfügung stehen. Unsere Bundesratsinitiative schafft dafür die notwendigen Voraussetzungen. Zudem brauchen wir Klarheit bei den bundesweiten Zielvorgaben, insbesondere für die Flächenausweisungen. Aktuell wird im Bund darüber diskutiert vom 2-Prozent-Ziel abzuweichen. Das entwertet laufende Planungen und schafft Rechts- und Investitionsunsicherheit.“

Das Engagement von Aiwanger für die Windkraft hat auch ein finanzielles Motiv: viele der geplanten Standorte befinden sich auf Flächen des bayrischen Staatsforstes, die Pachteinnahmen aus den Projekten fließen in den Landeshaushalt.

Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern (LEE Bayern) haben am 12. Februar 2026 ebenfalls an Bundesregierung und Bundesnetzagentur appelliert, das Ausschreibungsvolumen für Windenergie an Land im Jahr 2026 spürbar anzuheben.Selbst wenn besonders viele Projekte in Nord- und Ostdeutschland unmittelbar profitieren würden, ist eine Erhöhung des Ausschreibungsvolumens im Sinne der gesamtdeutschen Energiewende richtig und notwendig, betonen die Erneuerbare-Energien-Verbände.

Aiwanger kritisiert auch Details am geplanten Netzpaket

Mit dem geplanten Netzpaket sollen in stark belasteten Verteilnetzgebieten Wind- und Solaranlagen nur noch gebaut werden dürfen, wenn Betreiber auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten. Aiwanger kritisiert diesen Vorschlag: „Die Zielsetzungen des Netzpakets sind aus fachlicher Sicht grundsätzlich zu befürworten. In der aktuellen Ausgestaltung sehen wir jedoch Anpassungsbedarf. Die Redispatch-Vorbehalte gehen in der jetzigen Ausgestaltung zu weit. Redispatch ist nicht per se schlecht, ein Maximalausbau der Netze auf installierte Leistung ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Das 3-Prozent-Kriterium liegt zu niedrig und würde den Ausbau der Erneuerbaren Energien behindern. Weiterhin ist die vorgesehene Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete für bis zu zehn Jahre zu lange. So lange dauert der Verteilnetzausbau nicht einmal ohne Beschleunigungsbemühungen.“

Mehr zum Thema

Großes historisches Verwaltungsgebäude aus hellem Stein mit rotem Ziegeldach an einer Straßenecke in Berlin. Das mehrstöckige Gebäude besitzt zahlreiche symmetrisch angeordnete Fenster, reich verzierte Fassadenelemente und einen markanten Eckrisalit. Im Hintergrund ragt ein grüner Turm mit Kuppel auf. Vor dem Gebäude verlaufen Gehwege, Straßenlaternen und Verkehrsschilder. An einem Laternenmast ist ein schwarzes Banner mit weißer Aufschrift „FIND W“ angebracht. Auf einem Hinweisschild am rechten Bildrand ist teilweise lesbar „Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie“. Die Szene zeigt das Gebäude bei Tageslicht unter blauem Himmel und vermittelt den Eindruck eines zentralen Ministeriums- oder Regierungsstandorts.
EEG-Novelle

Drohendes Netzpaket aus dem Wirtschaftsministerium

Ein Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium versetzt die Erneuerbaren Branche in Panik und liest sich wie Forderungen des ehemaligen Arbeitgebers von Wirtschaftsministerin Reiche.

Breites Verbändebündes appelliert, Netzpaket und EEG ambitioniert anzugehen

Das Netzpaket der Wirtschaftsministerin steht von vielen Seiten in der Kritik, weil es am Einspeisevorrang erneuerbarer Energien rüttelt und damit die Energiewende insgesamt gefährdet. Ein breites Verbändebündnis, dem unter anderem der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften, der BSW Solar und der Deutsche Naturschutzring angehören, forderte die Politik kurz nach Bekanntwerden des Entwurfs auf, die EEG-Novelle und das Netzpaket ambitioniert auszugestalten und zu einem Signal für Tempo, Verlässlichkeit und Fortschritt zu machen – im Interesse der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Beschäftigten.

EEG-Novelle und Netzpaket dürften nicht zu einem Instrument werden, um Ausbauziele durch die Hintertür abzuschwächen, Förderbedingungen zu verschlechtern oder Investoren zu verunsichern. „Der Netzzugang für Wind- und Solaranlagen darf nicht gedrosselt und damit für die Betreiber zu einem unkalkulierbaren Risikofaktor werden. Überschüssiger Strom sollte eher gespeichert oder für die Erzeugung von grünem Wasserstoff genutzt werden“, heißt es in dem Appel.

Mehr zum Thema

Meinung

Deutschland im Netzstillstand

Deutschland leidet unter Kleinstaaterei bei den Stromnetzen und teuren Strom durch ineffiziente Organisation. Und jetzt auch an einer Ministerin, die die Ursachen dafür nicht beseitigen will. Stattdessen erklärt sie noch mehr Strukturchaos zur Strategie.

Tim Meyer, unabhängiger Energieexperte, Autor und Speaker

Stabilität des Energiesystems gefährdet

Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des BEE, formulierte: „Die nun bekannt gewordenen Pläne aus dem Netzpaket bergen die Gefahr einer Zubaublockade für die Erzeugungskapazitäten und können direkt zu Energieknappheit und steigenden Preisen führen. Werden diese Pläne wahr, gefährdet das Wirtschaftsministerium die Stabilität unseres Energiesystems.“

Heinen-Esser verwies auf die Lösungsmöglichkeiten, die es gebe und die das Potenzial der Erneuerbaren ausschöpfen, statt es künstlich kleinzuhalten: die Synchronisierung von Netzausbau und Erneuerbaren, Mehrfachnutzung von Netzanschlüssen, Ausweitung flexibler Netzanschlussvereinbarungen, Standardisierung von Komponenten, Transparenz über Planung und Anschlussbegehren. pf

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen