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Windenergie auf SeeAkteursvielfalt für den Hochlauf der Offshore-Windenergie

Dutzende Windräder im Meer
Windpark von RWE in der Nordsee: oligopole Strukturen (Bild: RWE Innogy, flickr, CC BY-ND 2.0 Deed)

Die Offshore-Windkraft in Deutschland hängt ihren Ausbauzielen deutlich hinterher. Zwar sind die Ziele für 2030 in Sichtweite, aber dafür braucht es grundlegende Verbesserungen, fordert die Branche. Ein Problem: oligopole Strukturen.

31.01.2024 – 30 Gigawatt Windkraft auf dem Meer bis Ende 2030 – das ist das erklärte Ziel des Bundes. Da klingen 27 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 257 Megawatt (also 0,257 GW), die im letzten Jahr Offshore hinzugebaut wurden, ernüchternd. Trotzdem blickt die Branche grundsätzlich optimistisch in die Zukunft. Wie Merle Heyken von der Deutschen WindGuard bei der Veröffentlichung der Offshore-Windkraft-Ausbauzahlen für 2023 darlegte, wiesen in Bau befindliche Projekte, Investitionsentscheidungen, Bezuschlagungen und vorgesehene Ausschreibungen in die Richtung von 30 GW bis Ende 2030.

So wurden in den Ausschreibungen im letzten Jahr 8,8 GW Leistung an neuen Windparks Offshore bezuschlagt. Aus der Pipeline in den Jahren zuvor ergibt sich insgesamt ein Netzanbindungsanspruch für neue Windparks auf dem Meer von 11,7 GW. In Bau befinden sich 1,6 GW. Für 0,9 GW liegt die Investitionsentscheidung vor. Und für 8 GW gibt es bereits vorgesehene Ausschreibungen, die bis 2030 realisiert werden können. Diese Projekte sollen mindestens zu den 8,5 GW in Betrieb befindlichen Windparks bis Ende des Jahrzehnts hinzukommen. Für 2035 ist sogar vorgesehen, das gesetzliche Ausbauziel von 40 GW zu übertreffen und bis dahin 50 GW Leistung Offshore installiert zu haben.

Um das Zehnfache zulegen

Doch damit es so weit kommt, bedarf es weiterer grundlegender Verbesserungen in Deutschland und Europa. In nackten Zahlen bedeutet das einen Zubau von 21,5 GW bis Ende 2030 – 3,1 GW pro Jahr, das zehnfache des letztjährigen Zubaus. Der industriepolitische Rahmen stimmt bei weitem nicht, bemängelt die Windkraftbranche. Zu wenige starke Player würden aktuell den Markt bestimmen. Jens Assheuer, Vorstand des WAB – dem Windindustrie- und Wasserstoffverband – spricht von „Oligopolen“, die sich herausbilden und die letzten Ausschreibungsrunden bestimmten.

Mit BP, TotalEnergies, RWE und Vattenfall waren es finanzkräftige Akteure, die sich den Zuschlag für Windparks auf See sicherten – mit horrenden Summen. Fast 13 Milliarden Euro spülten die Ausschreibungen in die Kassen des Bundes. Nachteil: die hohen Kosten für die Betreiber könnten sich künftig auf höhere Strompreise für die Verbraucher:innen niederschlagen. Zudem bestimmen die wenigen Betreiber Zulieferketten, deren Vielfalt dadurch ebenfalls droht verloren zu gehen. „Es braucht Akteursvielfalt, auch für eine breite Zuliefererkette“, so Assenhauer bei der Vorstellung der Offshore-Zahlen.

Um die Zuliefererkette in der Breite zu unterstützen, fordert Assenhauer auch zinsgünstige Kredite für Investitionen des Mittelstandes hierzulande. „Wir brauchen Fertigungsstätten in Deutschland, zur Erreichung der Ausbauziele.“ Importe von Windkraftteilen seien indes weiter elementar. Dafür brauche es den dringenden Ausbau von Häfen, insbesondere den Bau des Energy Ports in Bremerhaven und den Ausbau des Cuxhavener Hafens.

Cuxhaven ist bereits Dreh- und Angelpunkt der deutschen Importe für Windkraftteile, Onshore wie Offshore. Die Genehmigung für den Ausbau steht. Noch fehlen 100 Milliarden Euro für den Ausbau. Die Windkraftbranche fordert, dass der Bund die Mittel bereitstellen sollte, da die Hafenerweiterung elementar für die Windkraft-Ausbauziele sei. Geld dafür könnte aus den immensen Erlösen der Ausschreibungsrunden der Offshore-Windenergie kommen.

Unfaire Akteure vom Markt ausschließen

Hoffnung setzen die Windkraftakteure in die Umsetzung des europäischen „Wind Energy Package“. Neben günstigen Krediten will die EU auch sogenannte „Non-Price-Criteria“ bei Zuschlägen für Windanlagen einführen. Es geht beispielsweise um die Einhaltung europäischer Standards beim Arbeitsrecht, Umweltschutz und Cyber-Sicherheit oder einem festen Anteil an europäischer Wertschöpfung. „Mit Cybersecurity und weiteren Kriterien gilt es, unfaire Akteure vom Markt auszuschließen“, so Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des Fachverbandes VDMA.

Beschäftigungspotenziale und Wertschöpfung der europäischen Offshore-Windindustrie seien immens. Diese gelte es nun mit den richtigen Regelungen auf deutscher und europäischer Ebene zu fördern. „Noch haben wir Zeit. Wir als Windkraftbranche adressieren die wichtigen Dinge an die Politik daher jetzt“, so Rendschmidt, der sich ebenfalls optimistisch zeigte hinsichtlich der deutschen Offshore-Ausbauziele. Neben Änderungen am Windenergie-auf-See-Gesetz im Rahmen der europäischen Vorgaben gilt es dafür auch den Netzausbau voranzubringen, denn noch wird Windenergie auf See, aufgrund von Netzengpässen, häufig abgeregelt. Manuel Grisard

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