Wind-Assist in der SchifffahrtDie Kraft des Windes im industriellen Seeverkehr

Modernes Frachtschiff mit zwei Segeln als Antrieb
Das Frachtschiff Neoliner Origin nutzt Wind als Hauptantrieb und hat bereits seine erste Atlantiküberquerung erfolgreich absolviert – mit Ladung. (Foto: Neoline)

Erprobte Konzepte der Windenergienutzung werden in der Schifffahrt neu gedacht. Wind-Assist-Systeme treten auf den Plan. Noch sind es zaghafte Anfänge, aber dennoch ein Trend. Beim Frachtschiff Neoliner Origin ist Wind sogar der Hauptantrieb.

08.04.2026 – Knapp drei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen entstehen in der internationalen Schifffahrt. Zehntausende Containerschiffe, Massengutfrachter und Öltanker legen täglich weite Strecken mit fossilen Treibstoffen zurück. Forscher und Logistiker diskutieren seit Jahren, ob neue Treibstoffe wie Wasserstoff, Methanol, Ammoniak die Schweröl-Treibstoffe ersetzen können. Denkbar sind darüber hinaus Effizienzgewinne durch verbesserte Schiffsrümpfe. Ein echter Trumpf: den Treibstoffbedarf durch Wind-Zusatzantriebe reduzieren.

Das Prinzip, die Kraft des Windes auf See zu nutzen, ist nicht neu. Was die Reedereien und Ingenieure aber jetzt entwickeln und ausprobieren, verdient einen Platz in der Kategorie Innovation. Etwa 150 Schiffe, die mit Windkraftunterstützung fahren, sind derzeit in Bau oder Umrüstung. Im Vergleich zu den vielen tausend Schiffen der internationalen Handelsschiffart ein zaghafter Beginn, aber dennoch nach Meinung von Jonathan Köhler ein Trend. Köhler ist Schiffsbauingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

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Bis zu 15 Prozent der fossilen Brennstoffe können mit einem Wind-Assist-System eingespart werden, damit geht auch eine nennenswerte Kostenersparnis für den Reeder einher – ein echter Anreiz. Zum Einsatz kommen Flettner-Rotoren, an Deck montierte senkrechte rotierende Zylinder, die wie Segel wirken. Aber nach oben ist noch viel Luft. Mit Segeln aus Metall oder Kunststoff lässt sich der Treibstoffverbrauch noch weiter reduzieren.  Mit Routenoptimierung, sogenanntem Weather Routing, lassen sich zusätzliche Ersparnisse erreichen.

Das erste Schiff mit Wind als Hauptantrieb, die Neoliner Origin, trat letztes Jahr seine erste kommerzielle Reise an. Die Route: aus der Werft in der Türkei nach Frankreich, danach beladen von Saint Nazaire über den Atlantik nach Baltimore. Bei dem Schiff wird mehr als die Hälfte – bis zu 80 Prozent – des Energiebedarfs durch Wind gespart.

Damit ist die Neoliner Origin das das erste Frachtschiff im industriellen Maßstab, das einen monatlichen Liniendienst zwischen Europa und dem amerikanischen Kontinent betreibt. Es ist mit zwei Solidsail Masten und einem Driftverhinderungssystem ausgestattet. Beide Masten lassen sich einklappen, do dass das Schiff problemlos in die meisten Häfen einlaufen kann. Das Ro-Ro-Frachtschiff (Roll-on-Roll-off) kann Ladungen aller Größen und Formen in vollständig wettergeschützten und gesicherten Laderäumen aufnehmen.

Verschiedene Systeme für größere Frachter

„Die riesigen Container- oder Kreuzfahrtschiffe nur mit Wind zu betreiben, ist nicht möglich. Mit kleineren Schiffen geht das aber sehr wohl. Massengutfrachter, die beispielsweise Eisenerz oder Weizen transportieren, sind häufig kleiner. Sie müssen außerdem nicht besonders schnell fahren. Zusammen mit Tankern stellen sie mengenmäßig etwas mehr als die Hälfte der Gesamt-Tonnage in der Weltflotte. Eine Umrüstung auf einen hohen Anteil Windantrieb ist technisch möglich und könnte viele Millionen Tonnen Emissionen pro Jahr sparen“, sagt Köhler und verweist auf einen weiteren Vorteil der Wind-Assist-Systeme: Sie brauchen keine neue Kraftstoffinfrastruktur, keine aufwendige Nachrüstung, vielmehr lassen sie sich innerhalb einer geplanten Wartungsperiode installieren. Allerdings müsste die Logistik-Industrie ihre Prozesse anpassen: die Schiffe mit Windantrieb fahren wetterabhängig und mit mehr Tempo steigt auch der Kraftstoffbedarf. pf

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