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WindkraftDüstere Aussichten für NRWs Windbranche

Ein Windpark mit einem See und einer Ortschaft davor.
Ein Windpark am Rande von Düren in Nordrhein-Westfalen. Die Siedlungsnahe Bebauung mit Windrädern könnte künftig deutlich erschwert werden. (Foto: © Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Im vergangenen Jahr war Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter beim Ausbau der Windenergie an Land, doch mit neuen Abstandsregeln droht die Branche wieder abgewürgt zu werden. Fehlende Flächen bleiben das Manko beim Windkraftausbau.

29.01.2021 – Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 420 neue Windkraft-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.431 Megawatt errichtet. Das sind 46 Prozent mehr als 2019. Doch das reiche nicht für die Klimaziele und den steigenden Bedarf der Industrie nach klimaneutraler Energie, wie der Bundesverband Windenergie (BWE) mitteilt, der gemeinsam mit VDMA Power Systems die Deutsche WindGuard beauftragt hatte, die Ausbauzahlen für letztes Jahr zu erheben. Und der Vergleich mit 2019 ist ein schlechter Indikator. Schließlich kam der Windkraftausbau in diesem Jahr fast zum Erliegen und war so niedrig, wie seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr. 2020 wurde der zweitgeringste Zuwachs seit zwei Jahrzehnten verzeichnet.

Nordrhein-Westfalen indes konnte im letzten Jahr deutlich zulegen. Mit 93 neuen Anlagen und einem Netto-Zubau – abzüglich stillgelegter Windkraftanlagen – von 283 MW, war NRW im letzten Jahr deutschlandweit führend beim Ausbau. Auch bei den Zuschlägen für neue Windkraftanlagen in den Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur kam NRW 2020 gut weg. Zuschläge mit einem Volumen von 456 MW wurden in dem Bundesland erteilt. Das ist Platz drei im bundesweiten Vergleich.

In diesem und im nächsten Jahr kann NRW noch mit einem deutlichen Zubau rechnen. Doch dann droht die geplante Abstandsregel ihre Wirkung zu zeigen. Die NRW-Landesregierung plant einen festen Mindestabstand neuer Windkraftanlagen zu Siedlungen ab zehn Häusern von 1.000 Metern. Damit würde sie Vorgaben der Bundesregierung besonders strikt durchsetzen. Laut NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach solle damit ein fairer Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung und den Zielen der Energieversorgung geschaffen werden. Ausbauziele in NRW könnten auch mit dem 1.000 Meter Mindestabstand eingehalten werden, so Scharrenbach.

Doch dem widerspricht die Windbranche in NRW vehement. In einem Brandbrief an den Ministerpräsidenten Armin Laschet fordern sie die Windenergie nicht abzuwürgen. Sie sehen das Erreichen der Klimaziele als auch Investitionen in Milliardenhöhe gefährdet. Unter den geplanten Abstandsregeln würden für die Windenergie nur noch 0,5 Prozent der Landesfläche zur Verfügung stehen. Mindestens zwei Prozent seien jedoch nötig. So ist es in den benachbarten Bundesländern vorgeschrieben.

Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), unterstützt das Anliegen der Windunternehmer. „NRW ist das wichtigste Energieland und gleichzeitig größter CO2-Emittent im Bund. Gerade hier sollte der Ausbau der Erneuerbaren Energien also beherzt angepackt werden. Doch unter den Vorzeichen der pauschalen Abstandsauslegung wird die Windenergie – als wichtige Treiberin der Energiewende in NRW – völlig unverständlicherweise ausgebremst“, so der Vorsitzende Reiner Priggen.

Wer wirklich die Akzeptanz von Windenergie erhöhen will, muss faire Planungen und Teilhabe fördern

Wibke Brems, energie- und klimapolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion NRW

Und die energie- und klimapolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion NRW Wibke Brems, sagte bereits Ende vergangenen Jahres zu den geplanten Abstandsregeln: „Wer wirklich die Akzeptanz von Windenergie erhöhen will, muss faire Planungen und Teilhabe fördern, wie sie in weiten Teilen von NRW gängige Praxis sind. Die Landesregierung sollte von der Bevölkerung getragene Windenergieprojekte und Maßnahmen zur Erhöhung der lokalen Wertschöpfung unterstützen, dann wären diese Projekte nicht nur akzeptiert, sondern erwünscht.“

Und während bei Windrädern 1.000 Meter Abstand gewahrt werden soll, wird der Braunkohle-Tagebau Garzweiler nach aktuellen Plänen bis zu 400 Meter an die Ortschaft Garzweiler heranreichen. Und das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4, dass seit Mai letzten Jahres in Betrieb ist, ist gerade einmal 480 Meter von der nächsten Siedlung entfernt. „Energiewende à la Armin Laschet und CDU“, kommentiert Lisa Göldner diese Absurditäten vor dem Hintergrund der geplanten Abstandsregeln für Windkraft. mf

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