Offshore-Wind: Keine Bieter für Windparks in der Nordsee

Zum ersten Mal ist eine Ausschreibung für Offshore-Windflächen ohne Gebote zu Ende gegangen. Der Grund könnte die alte Flächenplanung für die Nordsee sein, die Verluste durch enge Bebauung zu wenig beachtet.
14.08.2025 – Die letzte Ausschreibung für bereits voruntersuchte Gebiete für Offshore-Windkraft in der Nordsee ist dieses Jahr erstmals ohne Gebote verstrichen. Die Flächen, auf denen eine Leistung von 2,5 Gigawatt (GW) entstehen soll, wird deshalb frühstens im kommenden Jahr bebaut – falls es Bieter gibt. Denn die Windparks könnten zu eng beieinander geplant sein, warnen Experten.
Weniger Leistung bei enger Bebauung und starken Turbinen
Der Bundesverband Windenergie Offshore stellte die Wirtschaftlichkeit der ausgeschriebenen Flächen bereits vor Fristende in Frage. In Vorausberechnungen sollte der Park gerade einmal 3000 Volllaststunden erreichen, etwa ein Viertel weniger als auf der Nordsee üblich. Als Volllaststunden wird die durchschnittliche Auslastung von Kraftwerken in einem Jahr bezeichnet. Bei einer Auslastung von 8760 Stunden würde das Kraftwerk 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag die volle Leistung erzielen.
Windpark-Cluster und Nachlaufphänomene
„Insbesondere bei thermisch stabiler Luftschichtung – wärmere Luft über kälterem Wasser – ist nach der Energieentnahme durch die Windräder mit langen Nachläufen von Offshore-Windparks und Windpark-Clustern zu rechnen, die sich über einige Dutzend Kilometer erstrecken“, erklärt Stefan Emeis, Professor (im Ruhestand) am Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In diesen Nachläufen sei die Windgeschwindigkeit reduziert und die atmosphärische Turbulenz erhöht. Eine reduzierte Windgeschwindigkeit bedeute weniger Volllaststunden und damit weniger Ertrag. Eine erhöhte Turbulenz bedeute eine erhöhte Ermüdung der Windkraftanlagen. Eine stabile Luftschichtung trete in der Nordsee hauptsächlich auf bei Südwestwind – der Hauptwindrichtung – und bei Südwind – wenn die Luft vom warmen Land herkommt.
Diese Nachlaufphänomene seien in den letzten zehn Jahren in den beiden großen deutschen Forschungsprojekten WIPAFF und X-Wakes mit Flugzeugmessungen über der Nordsee vor Ort und mit Simulationsrechnungen erforscht und belegt worden. „Die Nachläufe hängen im Wesentlichen nur vom Energieertrag der Windparks und der Dichte ihrer Turbinen ab. Bauformen und Anordnung der Turbinen haben bei größeren Windparks nur marginalen Einfluss. Die Nachläufe können also nur durch einen geringeren Ertrag oder eine geringere räumliche Dichte der Turbinen verringert werden“, fügt Emeis hinzu.
Offshore-Wind umplanen
Die aktuelle Flächenplanung ist bereits über zehn Jahre alt, neuere Forschungsergebnisse zu Nachlaufphänomenen sind darin entsprechend nicht berücksichtigt. Agora Energiewende hatte die Bebauungspläne in der ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands (AWZ) in der Nordsee deshalb bereits 2020 kritisiert und einen entsprechenden Leistungsabfall im Falle der Realisierung mit den geplanten 70 GW Turbinen vorhergesagt.
„Abhilfe gegen negative Nachlaufeinflüsse könnten größere Abstände zwischen den Windparks schaffen, eine geringere Dichte der Turbinen in den Windparks oder eine modifizierte räumliche Anordnung der Windparks, die nicht entlang der Hauptwindrichtung erfolgt“, erklärt Emeis. Entweder müssten Offshore-Windbetreiber geringere Erträge akzeptieren, oder die Flächen entsprechend umgeplant werden.
Auch eine im Herbst 2024 erschienene Studie von Elia, der Muttergesellschaft des deutschen Netzbetreibers 50Hertz empfiehlt, die Offshore-Windplanung in der Nordsee anzupassen. „Dort wurde gezeigt, dass man durch Kooperation über Ländergrenzen hinweg und großflächigerer Planung bessere Effizienzen bei Offshore-Windenergie in der Nordsee erreichen kann – also konkret, wenn man die geplanten 70 GW aus Deutschland nicht nur in der AWZ platziert, sondern mit den wesentlich größeren Offshoregebieten der Niederlande und Dänemarks zusammen plant und umsetzt“, ergänzt Axel Kleidon Leiter der Arbeitsgruppe „Biospheric Theory and Modelling“, Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena.
Mehr Unsicherheit Offshore
Sollte sich nichts ändern, dürften sich Offshore-Windparks in der Nordsee bald nicht mehr rechnen, warnt Emeis. Inwieweit Windparkbetreiber bei so entstandenen Verlusten rechtliche Ansprüche geltend machen können, steht noch aus.
Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisiert die Bebauungsdichte und weist zudem darauf hin, dassRisiken für Offshore-Windpark-Entwickler in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Gründe dafür sein unter anderem gestiegene Projekt- und Kapitalkosten in Folge von geopolitischen Spannungen und Lieferkettenengpässen sowie zunehmend schwer prognostizierbaren Preis- und Mengenrisiken im Strommarkt. jb
















































