Rotorblatt-RecyclingStadtmöbel aus alten Rotorblättern

fünf farbige HiFi-Korpusse aus Rotorblättern
Hifi-Komponenten in ausgedienten Rotorblättern. (Foto: Wings for Living)

Während das industrielle Recycling von Rotorblättern noch in den Kinderschuhen steckt, verwandelt ein Dresdner Unternehmen sie zu imposanten Outdoor-Möbeln. Ein Nischenprodukt, jedes Stück individuell gefertigt, langlebig und ein echter Hingucker.

17.02.2026 – Ausgefallene große Sitzmöbel für drinnen und draußen fertigt das Unternehmen Wings for Living aus Dresden. Die Möbel, so individuell sie auch sein mögen, haben eines gemeinsam: Sie werden aus Rotorblättern zurückgebauter Windkraftanlagen gefertigt.

In den Anfängen nach der Unternehmensgründung 2020 versuchte Geschäftsführer André Schnabel individualistische Privatkunden anzusprechen. Inzwischen hat sich aber ein anderes Marktsegment als viel passender erwiesen: Stadtmöblierung für den öffentliche Orte oder Erholungsflächen. Seit vier Jahren hat Wings for Living in der Firma Ziegler Metallverarbeitung einen festen Partner, der in dieser Branche spezialisiert ist und sich auch rege an kommunalen Ausschreibungen beteiligt. Bänke, Tische, Liegen, Fahrradständer oder Pflanzkübel, in deren Form unschwer das ehemalige Rotorblatt zu erkennen ist und die meist im Kontrast zu den Holzelementen in strahlendem Weiß leuchten, bieten wetterfeste Pausenplätze oder mehr.

An Privatkunden wird nur vereinzelt verkauft, immer dann, wenn etwas Ausgefallenes – ein Design-Statement – gesucht wird und bezahlt werden kann. Denn in Massenfertigung können die Produkte nicht gefertigt werden. Kunden gibt es europaweit: in Griechenland, Frankreich, Belgien, Österreich und Deutschland.

Für André Schnabel, der im Hauptberuf Banker ist, begann alles 2020. Er lernte über einen Freund das polnische Recycling-Unternehmen Anmet kennen. Die Firma arbeitete im konventionellen Recycling von Windkraftanlagen vom Rückbau bis zum Verwerten der einzelnen Rohstoffe. Als der Designlehrstuhl einer polnischen Universität einen Wettbewerb ausschrieb, was aus Rotorblättern gestaltet werden könnte, setze das Unternehmen anhand der Skizzen der Studierenden einige Entwürfe um. André Schnabel kam hinzu und konnte sich auf Anhieb vorstellen, die Vermarktung zu übernehmen.

Er gründete die Marke und entwickelte zusammen mit Anmet die Produkte weiter. Gerade werden neue Designs für Spielplätze und Korpusse für HiFi-Komponenten entwickelt, um neue Kundengruppen anzusprechen.

Ob ein Rotorblatt ein zweites Leben als Möbel führen kann, hängt nicht von der Materialmischung der Rotorblätter ab, sondern von deren Innenaufbau. Weil sich die Rotorblätter nicht verformen lassen, werden die gegebenen Dimensionen und Formen aufgenommen.

Die bereits auf transportable Längen zerschnitten Blätter werden im Werk in Szprotawa nahe der deutsch-polnischen Grenze in passende Stücke gesägt und teilweise von ihrem Innenleben befreit. Die Schnittflächen werden mit einem Kunstharz versiegelt. Die Säge ist übrigens eine Eigenentwicklung. Währen des Schnitts wird Wasser über die Schnittfläche geleitet und so der Staub eingefangen und später herausgefiltert.

Alle Flächen innen und außen werden nochmals geschliffen und mit einer Polyurethanfarbe beschichtet. Sie sorgt für Langlebigkeit und UV-Schutz. Als Farbe wird oft weiß verwendet, der Wiedererkennungseffekt ist dann am größten. Doch Wings For Living kann die Möbel in allen verfügbaren RAL-Farben liefern. pf

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