Nach langem Stillstand: Windkraft-Wende in Bayern

Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Bayern fast 600 Megawatt Windkraftleistung genehmigt. Zudem meldet Energieminister Hubert Aiwanger 743 neue Genehmigungsanträge, doppelt so viele wie in den letzten drei Jahren zusammen.
29.08.2025 – Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen für den Ausbau der Windenergie richtete der bayrische Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger auch eine Botschaft an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Er mahnte Planungssicherheit an. Der Bund dürfe jetzt bei der angekündigten Evaluierung der Erneuerbaren keine Fehler machen und Sand ins Getriebe bringen. „Am besten jetzt gar nichts tun, wenn‘s läuft“, lautet Aiwangers Appell.
Ausbau-Knick wegen Abstandsregel
Vor rund 10 Jahren hatte der Freistaat mit der 10h-Regel den Windkraftausbau nahezu zum Erliegen gebracht. Unter anderem Bürgerenergiegesellschaften nahm man damit den Wind aus Segeln. Die 10h-Regel erlaubte den Bau von Windrädern nur in einem Abstand vom Zehnfachen ihrer Höhe zur nächsten Wohnbebauung. Auch wenn die Anlagen damals längst nicht so hoch waren wie heute, waren damit doch sehr viele Standorte ausgeschlossen.
In den Folgejahren entwickelte sich die Technologie weiter, die Anlagen wurden höher und leistungsstärker, was den Ausbau in Bayern nahezu unmöglich machte. Zwischen 2017 und 2024 wurden in Bayern klägliche 224 Megawatt Windkraft ausgebaut (Daten von energy-charts.info). Im November 2022 lockerte die Bayerische Staatsregierung die Abstandsregel: In Wäldern, in der Nähe von Gewerbegebieten oder an Autobahnen darf der Abstand zu Siedlungen auch kleiner als 1000 Meter sein.
Auf Platz 3 im Bundesvergleich bei genehmigten Windkraftanlagen im ersten Halbjahr
Nun also kann Aiwanger Erfolge vermelden. Neben den 743 neuen Genehmigungsanträgen im ersten Halbjahr 2025 – doppelt so viele wie in den letzten drei Jahren zusammen – wurden auch 96 Anlagen genehmigt, mehr als im gesamten letzten Jahr. Die genehmigten Anlagen haben in Summe 599 Megawatt Windkraftleistung. Damit liegt der Freistaat immerhin auf Platz 3 im Bundesvergleich. Zehn Anlagen mit einer Gesamtleistung von 52,7 Megawatt gingen in Betrieb.
Beteiligungsgesetz steht weiter aus
Aiwanger führt den positiven Trend auf die Öffnung der 10h-Regel und die Beratung zurück. Auch ein Beteiligungsgesetz stand bereits kurz vor Verabschiedung, wird nun jedoch überarbeitet. Der Genossenschaftsverband Bayern hatte kritisiert, dass Energiegenossenschaften im Entwurf nicht als vollwertige Beteiligungsakteure anerkannt wurden und echte Bürgerbeteiligung eingeschränkt wäre. Das Gesetz legte den Fokus auf Geldzahlungen an die Gemeinden.
Erneuerbarer Strom und regionale Wertschöpfung
Nicht zuletzt die Stärkung der regionalen Bauwirtschaft und des Handwerks sieht Aiwanger nun als positiven Effekt des Windkraftausbaus. Zuletzt hatte im Juli 2023 die Initiative Bayernwind in einer Plakat-Aktion den fehlenden Windkraftausbau als Standortrisiko für die bayerische Wirtschaft ins Bewusstsein gehoben.
Bitte nichts an Flächenvorgaben ändern
Bei seiner Botschaft Richtung Bund spricht Aiwanger auch über Planungssicherheit in Bezug auf die Flächenvorgaben: „Die 1,8 Prozent Vorrangflächen für Bayern 2032 dürfen jetzt nicht mehr in Frage gestellt werden, wir sind mitten in der Planung. Außerdem sehen wir, dass der Wettbewerb in den EEG-Ausschreibungen zunimmt und die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte unter Druck steht. Deshalb appelliere ich an den Bund, an den Flächenzielen bis 2032 und am Referenzertragsmodell festzuhalten.“ pf


















































