Hitze-Check 2026Bäume, wir brauchen Bäume

Sonnenaufgang vor Gebäuden
Städte sind nicht für die Folgen der Klimakrise gewappnet. Viele deutsche Städte verlieren Bäume und Grünflächen, die Versiegelung schreitet voran, vielerorts steigt die Hitzebetroffenheit der Menschen (Bild: Mohammad Alizade / Unsplash+ Lizenz).

Temperaturen weit über 30 Grad. Die erste Hitzewelle schon im Mai. Eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe zeigt: Viele Städte wappnen sich nur unzureichend, um ihre Bürger zu schützen, wenn es heiß wird in Deutschland.

16.06.2026 – „Hochgradig alarmierend“ – so bezeichnet Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, die Ergebnisse des Hitze-Checks 2026. Die zum dritten Mal durchgeführte Untersuchung zeige deutlich: Viele deutsche Städte verlieren massiv Bäume und Grünflächen, die Versiegelung schreitet voran, vielerorts steigt die Hitzebetroffenheit der Menschen.

Keine der untersuchten 195 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern habe eine Netto-Null-Versiegelung erzielt, erklärte die DUH-Chefin bei der Präsentation des Hitze-Checks. Insgesamt seien zwischen 2018 und 2025 fast eine Million Bäume verschwunden. Dabei seien vor allem alte Stadtbäume nicht zu ersetzen, so Barbara Metz. Erst nach zehn bis 15 Jahren seien neu gepflanzte Bäume in der Lage, die Funktionen eines abgeholzten Baumes zu übernehmen – Schattenwurf, Luftfilter, Wasserspeicherung und andere.

Positivbeispiele Kiel und Wuppertal

Unterm Strich finden die Bürger in fast allen deutschen Städten immer weniger Schutz vor den Folgen der Klimakrise. Lediglich Kiel und Wuppertal erhielten in der Betrachtung per Ampelsystem eine grüne Gesamtbewertung. Grundlage für die Auswertung sind Satellitendaten, mit denen die Potsdamer Luftbild Umwelt Planung GmbH (LUP) den Baumbestand analysiert hat. Drei Kriterien flossen in die Bewertung per Ampelsystem ein:

  • Beschirmungsgrad: Grad der Bodenbedeckung durch eine Vegetation ab einer Höhe von 2,5 Metern. Nur sieben Städte erreichen den empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam, Solingen.
  • Hitzebetroffenheitsindex (HBI): Mittelwert aller bewohnten Rasterzellen, bestehend aus den Faktoren: Versiegelung, Grünvolumen, durchschnittliche Oberflächentemperatur der Sommermonate und Bevölkerungsdichte
  • Versiegelungstrend: Entwicklung der Verkehrs- und Siedlungsfläche im Zeitraum von 2018 bis 2025. Tendenz: Es wird weiter zugebaut, im Check erhielt deshalb keine der 195 Städte eine grüne Bewertung.

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Durch die jährlich wiederholte Auswertung lasse sich nachvollziehen, wie sich das städtische Grün entwickelt und welchen Beitrag es zur Wärmeentlastung der Bevölkerung leistet, erklärt Annett Frick, Bereichsleiterin Fernerkundung bei der LUP. „Damit erhalten Städte und Gemeinden eine wichtige Datengrundlage und Unterstützung, um Defizite und besonders betroffene Stadtteile zu identifizieren.“ Das Ranking der Städte ist online zu finden.

Barbara Metz verband mit der Präsentation des Hitze-Checks einen eindringlichen Appell an die Politik. Es sei kein Naturgesetz, sondern politisches Handeln, das dem vielfachen Rückgang des Baumbestands zugrunde liegt. Es sei vermessen, grüne Infrastruktur nicht auch als Infrastruktur anzusehen. Der Bauturbo, mit dem der Bund den Wohnungsbau in Deutschland beschleunigen will, erreiche genau das Gegenteil. Es gebe zwar Warnungen und Hitzeaktionspläne in den Kommunen, gleichzeitig verschwinden Bäume. „Ein gefährlicher Widerspruch“, erklärte Barbara Metz.

Orientieren könnten Kommunen, so Metz, sich an der 3-30-300-Regel: Demnach sollen Bürger von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben, und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein. Die Notwendigkeit von Instrumenten zum Schutz vor innerstädtischer Hitze zeigt ein Blick ins Jahr 2003. Die wochenlange Hitzewelle in Europa hatte – je nach Studie – 35.000 bis 70.000 Todesopfer zur Folge.

Mit der Veröffentlichung des Hitze-Checks hat die Deutsche Umwelthilfe auch eine Petition für den Erhalt schattenspendender Bäume gestartet. Motto: Bäume retten Leben. Die DUH ruft zudem Bürger auf, deutschlandweit fällungsbedrohte Bäume zu melden und nach dem Beispiel des Berliner Baumentscheids aktiv zu werden für mehr Grün in ihren Städten. bb

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