Torsten Dörmbach mit Ehefrau Julia. (Foto: Werner Schui)

Nachgefragt 09.09.2025

Der Eichelhäher ist mein Freund

Sein Wald war auf Grund der Dürrejahre großflächig vom Borkenkäfer befallen, die Fichtenbestände vernichtet. Torsten Dörmbach pflanzte nicht nur viele tausend Laubbäume neu, sondern nahm mit der Jagdgenossenschaft auch die Jagd in die eigene Hand.

Torsten Dörmbach, Land- und Forstwirt, ausgezeichnet als Waldbesitzer des Jahres 2025


Nachgefragt 09.09.2025

Der Eichelhäher ist mein Freund

Sein Wald war auf Grund der Dürrejahre großflächig vom Borkenkäfer befallen, die Fichtenbestände vernichtet. Torsten Dörmbach pflanzte nicht nur viele tausend Laubbäume neu, sondern nahm mit der Jagdgenossenschaft auch die Jagd in die eigene Hand.

Torsten Dörmbach mit Ehefrau Julia. (Foto: Werner Schui)

Torsten Dörmbach, Land- und Forstwirt, ausgezeichnet als Waldbesitzer des Jahres 2025



Herr Dörmbach, Sie wurden als Waldbesitzer des Jahres 2025 ausgezeichnet. Wofür genau haben Sie den Preis bekommen?

Eigentlich für zwei Dinge: zum einen für die naturnahe Wiederaufforstung mit vielen heimischen Baum- und auch Straucharten, aus denen ich gemischte Bestände aufbaue, die zukünftig hoffentlich einen klimaresilienten Mischwald bilden. Aber damit das überhaupt glücken konnte, haben wir auch einiges in der Bejagung geändert, weg von der Verpachtung hin zur Eigenbewirtschaftung. In kurzer Zeit konnten wir vor allem die Rehwildbestände auf ein naturraumverträgliches Niveau absenken und können jetzt viel besser aufforsten und mehr mit Naturverjüngung arbeiten.

Wie war denn die Ausgangslage?

Dem Wald, besonders den Fichtenbeständen, hat die Trockenheit seit 2018 stark zugesetzt. Wir hatten massive Borkenkäferkalamitäten, innerhalb kürzester Zeit haben wir fast unsere kompletten Fichtenwälder verloren. Von heute 45 Hektar Wald waren 30 Hektar geschädigt. Wir haben Holz geerntet und versucht zu verkaufen, was zu der Zeit sehr schwierig war. Die besten Stücke gingen nach China, der Rest blieb einfach im Wald liegen. Wir konnten das Holz nicht kostendeckend herausholen. Das war wirtschaftlich schwer zu ertragen. Parallel dazu habe ich die Wiederaufforstung geplant.

Wie sind Sie vorgegangen, wann haben Sie die ersten Bäume gepflanzt?

Eine Wiederaufforstung zu planen, ist keine Routine, aber ich bin genau für diesen Fall ausgebildet, das war ein großes Glück. Ich habe Wald- und Forstwirtschaft in Weihenstephan studiert. In den Wintermonaten haben wir die abgeernteten Flächen auch direkt wieder aufgeforstet – mit vielen verschiedenen Baumarten, dominiert von Laubholz. Darunter wiederum sehr viele Eichen, weil die Eiche eine Baumart ist, die dem Klimawandel sehr wahrscheinlich lange trotzen kann. Aber auch Wildkirsche und Rotbuche, nur wenige Nadelhölzer. Insgesamt 39 Baumarten. Auch experimentelle Baumarten wie zum Beispiel Edelkastanie sind darunter. Die einzelnen Baumarten wurden jeweils   kleingruppenartig in die freien Flächen gepflanzt.

Haben Sie die Jagd in Eigenregie parallel zur Wiederaufforstung aufgenommen?

Nein, das ging nicht. Ich bin Mitglied einer Jagdgenossenschaft, die Jagd war verpachtet. Die Verbissbelastung war enorm groß. Alles, was wir gepflanzt hatten, war zwischen 60 und 80 Prozent, teilweise sogar 100 Prozent verbissen, d.h. die obersten Knospen waren abgefressen oder die Blätter. Das hat die Bemühungen für die Etablierung eines Mischwaldes fast zunichte gemacht. Zudem waren durch natürliche Verjüngung viele kleine Fichten gewachsen, die vom Wild nicht angefressen wurden. Das führte zu einem Wuchsunterschied, die Fichten wuchsen schneller in die Höhe und die Laubbäume gerieten ins Hintertreffen.

Was geschah dann?

Ende 2022 sprach sich die Mehrheit der Genossenschaft für die Jagd in Eigenregie aus, die dann ab April 2023 auch so ausgeübt wurde. Das war die beste Entscheidung, weil wir schon im ersten Jagdjahr wirtschaftlich gut dastanden.  Draußen in der Natur war der Unterschied direkt zu sehen. Zwischen den gepflanzten Eichen kamen auf einmal kleine Eichen von alleine! Und fast nichts mehr davon wurde verbissen. Die hatte der Eichelhäher gebracht. Der Wald ist nun viel artenreicher als er es all die Jahrzehnte zuvor gewesen ist. Das liegt natürlich auch an der Freiflächensituation. Aber die intensive Jagd ist ebenfalls eine große Unterstützung.

Sitzen Sie und ihre Jagdgenossen nun viele Stunden mehr im Wald?

Ja, das ist genau der Punkt. Wenn ein Wald intensiv bejagt wird, sieht der Jäger letztlich weniger Wild, wenn er auf die Jagd geht. Das mögen Hobbyjäger nicht.Man kann es nicht mehr als jagdliches Hobby sehen, sondern es ist im Grunde eine Dienstleistung, die nicht bezahlt wird und mit Arbeit verbunden ist. Es sind mehr Stunden, die man draußen verbringt. Aber wir sind auf der Fläche nun über zehn Jäger, so dass wir den Zeitaufwand auf mehr Schultern verteilen können. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Bestände schließen, die Vegetation ist stellenweise jetzt so um die drei, vier Meter hoch. Da ist Jagen gar nicht mehr gut möglich.

Ist diese intensivere Bejagung unter Jägern, Förstern und Waldbesitzern inzwischen als notwendige Maßnahme anerkannt, wenn wiederaufgeforstet wird?

Im Gegenteil, dieses Vorgehen ist sehr umstritten. Gefühlt sind alle dagegen. Aus der traditionellen Jägerschaft kam massiver Gegenwind. In den Diskussionen vermisse ich zudem den respektvollen Umgang, es gab viele unsachliche Anschuldigungen, auch unter der Gürtellinie. Die fachlichen Argumente sind jedoch recht mau. Immer wieder wird der Vorwurf wiederholt, ich wolle das Rehwild ausrotten. Die Gegner stellen sich als Anwalt und Beschützer des Wildes dar und tun so, als ob das Naturschutz sei. Aber ich glaube, dass wir mit unserer Methode der Bejagung aktiveren Naturschutz leisten als die Jäger, die dagegen wettern.

Sehen die Förster das eher wie Sie?

Die Förster teilen eher meine bzw. unsere Ansichten. Aber ich vermisse ein bisschen den Rückhalt aus den Reihen der Forstverwaltung. Da fehlt der Mut, sich offen zu bekennen, weil dann natürlich auch Gegenwind aus dem Landesjagdverband kommt. Das haben Beamte anscheinend nicht so gerne. Aber bundesweit und auch europaweit verfolgen Forstbetriebe und auch Jäger ähnliche oder gleiche Ziele. Das hilft, die Last des Gegenwindes auszuhalten.

Wieviel weniger Wild gibt es denn jetzt in Ihrem Wald?

Wenn wir in diesem Zusammenhang von Wild sprechen, meinen wir Wild, das verbeißt. Also alles, was Pflanzen frisst – Rehe, Hirsche, Muffel, Hasen, Kaninchen. Der Eichelhäher zum Beispiel ist auch ein Wildtier, aber er ist mein Freund, er verbringt die Eicheln auf der ganzen Fläche, auch wenn es vor Ort gar keine Eiche gibt. Wild zählen kann man nicht, man kann es zum einen an der Anzahl der erlegten Tiere festmachen. Die haben wir verdreifacht. Es wird auch nicht unbedingt weniger, weil die umliegenden Jagdreviere diesen Schritt nicht mitgegangen sind und weiter hegen und pflegen. Deshalb kommt immer Wild nach. Wir sehen es aber vor allem am zurückgegangenen Verbiss. Die letzte Stichprobenerhebung ergab eine Prozentzahl unter 5 Prozent. Das ist sehr wenig und viel besser, als was wir uns als Ziel gesetzt haben.

Mehr zum Thema

Natürliche Flusslandschaft Schlaubetal
Unabhängiger Expertenrat

Wie weiter mit dem natürlichen Klimaschutz

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz muss zügiger als bisher umgesetzt und vor allem weiter ausgebaut werden. So lautet der Appell des unabhängigen Expertenrats. Denn inzwischen emittiert der Landnutzungssektor mehr Emissionen als er bindet.

Es gibt ja auch die Möglichkeit, die jungen Bäume mit Drahtgittern oder Plastikhüllen zu schützen – warum ist das keine Alternative für Sie?

Das hat mehrere Gründe. Zunächst die Kosten. Drahthüllen oder ein Zaun bedeuten eine enorme Investition. Selbst bei gutem Aufwuchs und besten Holzqualitäten wäre damit kein Gewinn zu erwirtschaften. Der zweite Aspekt: Die Plastikhüllen zerbröseln im Laufe der Zeit, man kann sie kaum vollständig aus dem Wald herausbringen. Vielfach bleibt der Müll einfach im Wald, auch weil gesagt wird, die Hüllen seien biologisch abbaubar. Ein Zaun erfordert regelmäßige Reparaturen und wächst oft meterhoch zu. Ihn dann zu entfernen ist nur mit großem Gerät möglich. Der wichtigste Grund aber ist: Mit den Plastikhüllen schütze ich nur den von mir gepflanzten Baum, nicht das, was sich eventuell daneben von selbst entwickelt. Das Ziel eines artenreichen Waldes wird damit nicht erreicht. Der einzig sinnvolle Zaun im Wald ist das Weisergatter. Hierbei wird eine kleine Fläche von vielleicht fünf mal fünf Meter eingezäunt. So kann man das Potenzial der Wuchsorte im Wald bestimmen und auch die Einwirkung des Wildes. Sprich, wenn es im Zaun Bäumchen gibt, dies es außerhalb nicht gibt, oder aber auch nur die Baumhöhen bei gleichem Alter deutliche Unterschiede haben, passt der Wildbestand nicht zum Wald.

Haben Sie für die Wiederaufforstung eine Förderung erhalten?

Ja, teilweise. Grob geschätzt wurde knapp die Hälfte der Maßnahmen gefördert. Den Rest haben mein Vater und ich komplett selbst gezahlt. Das lag auch den damaligen Förderbedingungen. Die Baumschulen hatten nicht immer alle gewünschten Baumarten vorrätig. Manchmal musste man einfach schnell zugreifen, das widersprach den Förderrichtlinien. Das hat sich in den letzten Jahren  gebessert.

Was ist ihr forstliches Ziel?

Mein forstliches Betriebsziel ist Dauerwald. Das bedeutet auf der Fläche ausgewachsene, reife Bäume zu haben und gleichzeitig junge Keimlinge und alles dazwischen. Und natürlich von den Baumarten her eine Vielfalt. Dafür muss man dauerhaft den Wildbestand auf einem für den Naturraum verträglichen Niveau halten. Die Jagd wird deshalb eine Daueraufgabe sein. Ich hoffe, dass das in der Nachbarschaft Nachahmer findet.

Was gibt es für Sie jetzt im Wald zu tun?

Ich reguliere den Bewuchs. Bedrängen beispielsweise natürlich aufgewachsene Fichten eine Baumart, die ich gepflanzt habe, schneide ich die Fichten zurück. Alles, was aus natürlicher Verjüngung stammt, betrachte ich unter der Zielsetzung des strukturreichen Mischbestandes. Wenn sich plötzlich seltene Baumarten anfinden, wie zum Beispiel eine Winterlinde, kann es auch sein, dass ich eine von mir gepflanzte Eiche herausschneide. Dann fördere ich lieber die seltene heimische Baumart.

Sie sind nicht nur Waldbesitzer, sondern auch Landwirt…

Ja, das stimmt. Meine Familie und ich haben einen Milchviehbetrieb. Ich bin seit 2018 geschäftsführend, im letzten Jahr haben mir meine Eltern den Betrieb überschrieben. Wir verzichten auf künstliche Düngemittel und chemischen Pflanzenschutz. Auch da fahre ich eine andere Linie. Wir vermarkten nicht nur die Milch, sondern machen daraus auch Eis.

Hat die Auszeichnung als Waldbesitzer des Jahres Sie gestärkt?

Ja, das ist auf jeden Fall eine Motivation, die ich jetzt auch an andere weitergeben kann. Allen, die noch skeptisch sind oder sich nicht trauen, den nächsten Schritt zu gehen, kann ich sagen, schaut her, ich wurde ausgezeichnet für meinen Weg – und Du kannst dich jetzt auch trauen!

Das Gespräch führte Petra Franke.

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen