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HochwasserDie nächste Flut kommt

Blick auf die Hochwasserschäden in Altenahr nach der Flutkatastrophe: Am Flussufer stehen beschädigte Wohn- und Geschäftsgebäude, während Treibholz, Schlamm und Geröll die Uferbefestigung und das Gelände bedecken. Die Szene verdeutlicht die massiven Zerstörungen durch das Hochwasser.
Altenahr an der Ahr, wenige Tage nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 (Bild: Bettina Vier - Own work, Wikimedia, CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)

Mit der Flutkatastrophe im Ahrtal vor fünf Jahren sind Schutzmaßnahmen und Klimaanpassung stärker ins Blickfeld geraten. Doch noch immer fehlt es an klaren gesetzlichen Regelungen. Deutschlandweit sind viele Landkreise hochwassergefährdet.

14.07.2026 – In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli jährt sich die Flutkatastrophe im Ahrtal, weiteren Teilen im Westen Deutschlands und angrenzenden Ländern zum 5. Mal. Flussnahe Bebauung, eng gebaute Brücken, fehlende Rückhaltebecken und naturbasierte Versickerungsflächen – sogenannte Retensionsflächen, die steilen Hänge und Weinanbauflächen und schließlich ein gescheitertes Frühwarnsystem, führten insbesondere im Ahrtal zu verheerenden Auswirkungen. Mindestens 135 Menschen starben.

Mittel für den Wiederaufbau wurden schnell bereitgestellt, doch zunächst oftmals nur für den Bau gleicher Infrastruktur an selber Stelle. Erst nach und nach rückte ein klimaresilienter Wiederaufbau in den Fokus, der zum einen Energie- und Wärmewende beachtet und zum anderen, im Sinne der Klimaanpassung, einen besseren Schutz vor künftigen Hochwasserlagen bietet.

Gelder des Landes Rheinland-Pfalz sowie der Europäischen Union wurden inzwischen stärker auf einen klimaresilienten Wiederaufbau ausgerichtet. Neue Brücken werden deutlich höher, mit weniger Stützpfeilern und wegklappbaren Brückengeländern gebaut. Alles, damit Wasser besser hindurchfließen und Treibgut sich nicht an den Brücken ansammeln kann. Schulen und kritische Infrastrukturen, wie Feuerwehrgebäude, werden weiter von der Ahr weg und mit Hochwasserschutz ausgestattet wieder aufgebaut. Standorte für 17 Regenrückhaltebecken wurden immerhin schon festgelegt.

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Ein bunter, alternativer Platz mit Holzwagen und Containern, verziert mit Regenbogenfarben und Graffiti. Im Vordergrund rechts steht eine große Einhornskulptur mit bunter Mähne und Horn. In der Bildmitte ist ein kleiner Bauwagen mit Regenbogenbemalung und dem Schriftzug „ZUVAHRSICHT“ zu sehen. Es ist nass und trüb, der Boden ist mit Holzplanken ausgelegt, und kahle Bäume umrahmen die Szene.
Ahrtal

Klimaresilienter Wiederaufbau rückt in den Fokus

Vier Jahre nach der Flutkatastrophe ist das Ahrtal noch weit entfernt von seiner vollständigen Instandsetzung. So wie es vorher war, soll es nicht bleiben. Klima- und Hochwasserschutz nehmen beim Wiederaufbau Fahrt auf.

Der Ortenaukreis ist sich der Gefahr bewusst

Doch der Bau solcher Regenrückhaltebecken braucht Zeit und Geld. Am südlichen Oberrhein im Ortenaukreis wurde kürzlich nach elfjähriger Bauzeit ein Rückhaltebecken fertiggestellt. An der Mündung des Elz in den Rhein soll das Rückhaltebecken im Ernstfall bis zu 5,3 Millionen Kubikmeter Wasser auf einer Fläche von 469 Hektar aufnehmen können. 150 Millionen Euro hat das Projekt am Ende gekostet. Mit dem Rückhaltebecken soll auch der natürliche Schutz der ehemaligen Rheinauen reaktiviert werden, Flächen, die durch ihre natürlichen Begebenheiten viel Wasser aufnehmen können, das in der Erde versickert.

Es sind Maßnahmen, die für den Ortenaukreis dringend nötig sind. In einem aktuellen Hochwasser-Risiko-Ranking der Deutschen Umwelthilfe (DUH) steht der Ortenaukreis an der unrühmlichen Spitze. Als einzigem Kreis bescheinigen die Autor:innen des Rankings dem Ortenaukreis ein sehr hohes Hochwasserrisiko, während es im Kreis Ahrweiler immer noch hoch ist.

Im Ortenaukreis wurden Zuflüsse, als auch der Rhein selbst stark begradigt und natürliche Retensionsflächen zerstört, was das Hochwasserrisiko erheblich steigert, konstatiert Sabrina Schulz, eine der Autor:innen des Berichts und stellvertretende Bereichsleitung Naturschutz der DUH. Mit dem Rückhaltebecken und weiteren Maßnahmen würden aber inzwischen erhebliche Verbesserungen erreicht.

Grundsätzlich sei es aber ein riesiges Problem, dass in Überschwemmungsgebieten immer noch gebaut werden darf, so Schulz, die unter anderem auf 3.000 Ausnahmegenehmigungen alleine in Bayern verweist, wo in potenziellen Überschwemmungsgebieten gebaut werden darf. „Es dürfen keine neuen Gebäude in die Aue gebaut und damit Menschenleben einem Hochwasserrisiko ausgesetzt werden. Flüsse brauchen außerhalb der Ortschaften endlich wieder mehr Raum, damit Hochwasser dort in die Aue ausufern kann, wo es keinen Schaden anrichtet. Wir fordern deshalb eine strenge Durchsetzung des Bauverbots im Überschwemmungsgebiet und eine Priorisierung von naturbasierten Lösungen im Hochwasserschutz.“ Die Schwammfunktion von Landschaften müsste wiederhergestellt werden, um Wasser in gesunden Wäldern, feuchten Wiesen, kurvigen Bächen und renaturierten Auen zurückzuhalten.

Aufgaben für die Politik

An die Politik gerichtet, sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die seit 2024 angekündigte Novelle des Hochwasserschutzgesetzes muss endlich wiederaufgenommen werden und naturbasierte Lösungen stärken. Auch die EU-Wiederherstellungsverordnung für die Natur dient zur Vorsorge und muss deshalb konsequent umgesetzt werden. Unsere Landschaft gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen, ist eine langfristige Aufgabe und kann nur gemeinsam bewältigt werden. Die Einrichtung der geplanten neuen Gemeinschaftsaufgabe Naturschutz und Klimaanpassung ist dementsprechend mehr als überfällig.“

Im schwarz-roten Koalitionsvertrag angekündigt, liegt die Novelle des Hochwasserschutzgesetzes aktuell noch als Entwurf im Bundesumweltministerium. Inhaltlich soll das Gesetz vor allem drei Lücken schließen: Erstens sollen Überschwemmungsgebiete stärker zoniert werden, mit strengeren Regeln für besonders gefährdete Bereiche. Zweitens soll das Bauen in hochwassergefährdeten Gebieten stärker begrenzt werden, unter anderem durch Änderungen im Ausnahmekatalog für Baugebiete und Einzelvorhaben. Drittens soll Starkregenrisikomanagement rechtlich verankert werden, also kommunale Gefahrenkarten, lokale Vorsorgekonzepte und eine stärkere Berücksichtigung in Bauleitplanung und Raumordnung.

Die EU-Wiederherstellungsverordnung ist derweil seit August 2024 in Kraft und muss von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Ziel ist es, dass bis 2030 Wiederherstellungsmaßnahmen auf mindestens 20 Prozent der Landflächen und 20 Prozent der Meeresflächen greifen, die Wiederherstellung benötigen, bis 2050 sollen alle sanierungsbedürftigen Ökosysteme erfasst sein. Die Gemeinschaftsaufgabe Naturschutz und Klimaanpassung ist im Kern eine Finanzierungsfrage und inwieweit Bund und Länder die Finanzierung dieser Aufgaben angehen. Die Debatte dazu läuft.

Hoher Risikograd

Solange die entsprechenden Maßnahmen aber noch nicht umgesetzt sind, sind viele Haushalte in Deutschland weiterhin in Gefahr durch Hochwasserlagen. Die DUH nennt in ihrem Hochwassercheck für den Ortenaukreis bis zu 22.464 Adressen, die gefährdet sind, sollte bestehende Schutzinfrastruktur an ihre Grenzen geraten. Im Landkreis Ahrweiler sind es noch 4.513 Adressen. Schutzinfrastrukturen sind oftmals bis zu Jahrhundert-Hochwasserlagen ausgelegt, Ereignisse also, die ursprünglich einmal in 100 Jahren vorkommen.

Doch diese werden im Zuge des Klimawandels häufiger. Forscher:innen der World Weather Attribution erklärten bereits kurz nach der Flutkatastrophe von 2021, dass die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle durch den Klimawandel um das 1,2 bis 9-Fache zunimmt und sich deren Intensität zwischen 3 und 19 Prozent erhöht, wobei die Forscher die oberen Enden der Skalen für wahrscheinlicher halten. Laut DUH-Analyse gelten von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten 98 Landkreise als hochrisikoreich, 184 Kreise haben einen mäßigen Risikograd.

Einer Umfrage von Civey im Auftrag des Bund für Umwelt- und Naturschutz zufolge, fühlen sich fast die Hälfte der Befragten von Bund, Ländern und Kommunen nicht ausreichend geschützt bei Hochwasserlagen. 44,5 Prozent der Befragten fühlen sich an ihrem Wohnort unzureichend geschützt, lediglich 35,7 Prozent der Menschen halten Bund, Länder und Kommunen für ausreichend auf Hochwasser vorbereitet. Verena Graichen, BUND-Geschäftsführerin Politik, sagt dazu: „Die breite Unzufriedenheit mit dem Stand des Hochwasserschutzes ist vor dem Hintergrund des Jahrestags der Ahrtal-Katastrophe ein Weckruf an die Politik. Bund, Länder und Kommunen müssen den Schutz vor Starkregen und Hochwasser endlich ernst nehmen und sinnvoll planen. Es braucht kluge Entscheidungen für ökologischen Hochwasserschutz. Mit naturbasierten Lösungen kann das Wasser bereits zu großen Teilen im Einzugsgebiet zurückgehalten werden.“

Im Ahrtal immerhin sind, neben klimaresilienter Infrastruktur, auch Frühwarnsysteme in den Blick genommen worden. Eine App sollen inzwischen frühzeitig bei Starkregenereignissen warnen. Zudem zeigt diese an, inwieweit die Lage des eigenen Hauses gefährdet ist. mg

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