Natürlicher KlimaschutzDie Trendwende schaffen – Wälder, Moore und Böden regenerieren

Entwässerungsgraben, links ein Feld, rechts eine Waldfläche
In vielen Gegenden wurden Moorflächen mit Entwässerungsgräben trockengelegt, um sie landwirtschaftlich nutzen zu können. (Foto: smarties auf Wikipedia / CC BY-SA 4.0)

In den letzten Jahren haben Wälder, Moore und Böden in Deutschland mehr Treibhausgase freigesetzt als gespeichert. Bundesumweltminister Carsten Schneider will diesen Trend umkehren und das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz weiterentwickeln.

02.10.2025 – Derzeit stoßen geschädigte Wälder, trockengelegte Moore und ausgelaugte Böden mehr Treibhausgase aus als sie aufnehmen. Diesen Trend will das Bundesumweltministerium umkehren – und damit zugleich das Grundwasser und künftige Ernten schützen sowie in heißen Sommern für Abkühlung sorgen.

Die Bundesregierung fördert seit 2023 mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz die nötigen langfristigen Investitionen in Moore, Wälder, Böden, aber auch Auen, Küsten und Stadtnatur. Die Stabilisierung solcher Lebensräume durch Wiedervernässung, Waldumbau und Humusaufbau braucht einen langen Atem und Verlässlichkeit. Das Aktionsprogramm ist daher auf viele Jahre angelegt.

Die Erfahrungen aus den ersten Jahren hatte das Bundesumweltministerium mit Wissenschaft und Praxis diskutiert und ausgewertet. Nun stellt Bundesumweltminister Carsten Schneider einen Vorschlag für die Weiterentwicklung des Aktionsprogramms vor.

Schwerpunkte sollen Bereiche sein, die einen besonders großen Hebel für Klimaschutz bilden und zugleich den Wasserhaushalt ausbalancieren. Die insgesamt 41 Maßnahmen sollen sich an praktischer Machbarkeit und hoher Akzeptanz orientieren. Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe, die klimafreundlich wirtschaften wollen, wird verlässliche langfristige finanzielle Unterstützung versprochen.

Mit einer Förderrichtlinie für die Umstellung auf „nasse Landwirtschaft“ soll die Wiedervernässung von Mooren beschleunigt werden. Neue Wertschöpfungsketten für Moor-Produkte, Leuchtturm-Regionen und Offenheit gegenüber Moor-Photovoltaik als Einkommensquelle für die Landwirte flankieren den Weg zu wiedervernässten Mooren.

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Waldumbau als zentraler Baustein

Damit Wälder im Klimawandel besser bestehen können, soll der Waldumbau hin zu stabilen Mischwäldern intensiviert werden. Das gelingt besser, wenn es genug Wasser im Wald gibt. Darum soll auch der Rückbau von Entwässerungsgräben künftig gefördert werden. Das Förderprogramm zum klimaangepassten Waldmanagement soll aufgestockt werden, um mehr Flächen zu erreichen.

Auch neue Wertschöpfungsketten für Laubholz und eine möglichst langfristige Holznutzung werden unterstützt. Ebenso sind finanzielle Anreize für ein angepasstes Schalenwild-Management vorgeschlagen. Denn lokal konzentrierte Schalenwildbestände erschweren den Waldumbau – die Tiere fressen vor allem die Triebe junger Bäume.

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Landwirtschaftlich genutzte mineralische Böden sollen in ihrer Funktion als Lebensgrundlage und Kohlenstoffspeicher erhalten werden, unter anderem durch schonende Bodenbearbeitung, mehr Strukturelemente wie etwa Hecken und Agroforstsysteme und durch die Stärkung von landwirtschaftlichen Praktiken, die die Humusbilanz verbessern.

Nasse Moore schaffen und bewirtschaften

„Wir fördern die Wiedervernässung entwässerter, land- oder forstwirtschaftlich genutzter Moorböden und den Umstieg auf eine nasse Bewirtschaftung dieser Flächen mit attraktiven Konditionen. Neben der Förderung der Kosten der Wiedervernässung selbst, werden auch mit der Wiedervernässung einhergehende Verkehrswertverluste der Eigentümer kompensiert“, heißt es im Aktionsprogramm. Für eine Zeit von sieben Jahre sollen Ertragsverluste kompensiert werden. Die Anreize sind umso höher, je zeitnaher die Umstellung erfolgt. Das heißt, die Förderung wird degressiv angelegt und soll im Jahr 2040 enden. Noch für dieses Jahr ist die Förderrichtlinie „Palu“ (Kurzbegriff für Paludikultur) angekündigt.

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Biomassestrategie überarbeiten

Die Nutzung von Biomasse und insbesondere von Holz soll so ausgerichtet werden, dass über alle Sektoren hinweg eine möglichst starke Klimaschutzwirkung erreicht wird – durch Stärkung der stofflichen Verwendung. Insbesondere für das durch den notwendigen Waldumbau anfallende Nadelholz sollten bestehende stoffliche Verwendungsmöglichkeiten zügig ausgebaut werden. Für die stärkere stoffliche Verwendung von Laubholz müssen neue Wertschöpfungsketten entwickelt werden.

Weitere vorgeschlagene Maßnahmen sind Programme für Entsiegelung und für das Pflanzen von Stadtbäumen sowie Maßnahmen aus den Bereichen Auen, Gewässer, Meere und Küsten.

Wesentliche Teile des Vorschlags zur Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz werden als Beitrag der Natur auch in das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung einfließen. Die Vorschläge werden im nächsten Schritt mit den anderen Ministerien beraten und die Länder und Verbände werden dazu Stellung nehmen können.

Schneider: „Mit diesen Vorschlägen möchten wir zeigen, was die Natur alles beitragen kann, wenn wir sie machen lassen. Ich freue mich auf die Diskussion, wie wir gemeinsam mit Landwirten und Waldbesitzenden, mit Städten und Gemeinden jetzt die Weichen so stellen, dass Moore, Wälder und Böden in Zukunft wieder die Wasserspeicher und natürlichen Klimaanlagen sein können, die sie über lange Zeiträume so zuverlässig waren.“ pf

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